Italien Regierungschef Letta verdammt rassistischen Angriff auf Ministerin

"Unentschuldbar": Italiens Regierungschef Enrico Letta hat die rassistische Bemerkung eines Lega-Nord-Senators scharf verurteilt. Der Mann verglich die erste schwarze Ministerin des Landes mit einem Orang-Utan - und entfachte einen Sturm der Entrüstung.

Ministerin Kyenge: Erste schwarze Ministerin Italiens
REUTERS

Ministerin Kyenge: Erste schwarze Ministerin Italiens


Rom - Vielleicht sollte man es ja einfach totschweigen, denn der rechtspopulistische Senator Roberto Calderoli von der Lega Nord ist bekannt für seine Provokationen und Beleidigungen und genießt offenbar die Aufregung, die er entfacht. Schon im Jahr 2006 musste er wegen islamfeindlicher Hetze als Reformminister der damaligen Regierung von Silvio Berlusconi zurücktreten.

Andererseits: Der Mann ist immerhin Vizepräsident des Senats, seine Partei saß lange in der Regierung. Wenn er jetzt bei einer Parteiveranstaltung sagt, die Integrationsministerin habe Ähnlichkeit mit einem Orang-Utan, lässt sich das schwer ignorieren. Auch wenn Tucholsky sagt, der geschickte Journalist habe eine Waffe: das Totschweigen.

Dafür ist es allerdings zu spät. Denn längst ist Italiens politische Klasse in Aufruhr. Empörung macht sich breit über die Verunglimpfung, die sich gegen Cécile Kyenge richtete, erste schwarze Ministerin Italiens, zuständig für Integration, die aus der Demokratischen Republik Kongo stammt.

Regierungschef Enrico Letta von der Demokratischen Partei nannte die Äußerungen Calderolis in einer offiziellen Erklärung "unentschuldbar". Zugleich sagte er der Ministerin seine "Solidarität und Unterstützung" zu.

Der Senatspräsident Pietro Grasso forderte Lega-Nord-Mann Calderoli auf, sich bei Kyenge zu entschuldigen. Diese wiederum sagte der Nachrichtenagentur Ansa: "Ich nehme Calderolis Äußerungen nicht persönlich, aber sie machen mich traurig wegen des Bildes, das sie von Italien vermitteln."

Kyenge ist seit ihrem Amtsantritt in diesem Jahr Zielscheibe zahlreicher rassistischer Angriffe. Dabei tut sich insbesondere die Lega Nord hervor, die mit Berlusconis Volk der Freiheit (PdL) verbündet ist, derzeit aber in der Opposition sitzt. Lega-Funktionäre kündigten "totale Opposition" gegen die Ministerin an. Denn die vor 49 Jahren im Kongo geborene Augenärztin, die seit 30 Jahren in Italien lebt und zwei Kinder hat, sei "keine Italienerin".

otr/AFP/dpa

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Spiegelansgar 14.07.2013
1. Aus dem Parlament rauswerfen !
Da gibt es nichts zu diskutieren ! - Ausser vielleicht der Frage, wie man mit solchen Primitivheiten in der Oeffentlichkeit umgeht und der Erinnerung an Sitzungspraesident Richard Stuecklen, der den beleidigenden Luemmel Josef Fischer damals einfach aus dem Bundestag rauswarf.
raber 14.07.2013
2. Calderoli Caligula
Bei seinen Äusserungen behauptet Herr Calderoli, dass er Tiere liebt. Vielleicht hat er nur noch nicht gemerkt, dass er wie seinesgleichen besser in einen Käfig gehört. So ein rassistischer Typ sollte wegen Rassismus und Beleidigung verklagt werden. Vielleicht glaubt er sich auch noch ein Adonis wie sein durch Chirugien zusammengehaltener Freund Berlusconi. Wie beurteilt er sein eigenes Aussehen? Calígula?
JuppSchmitzKoeln 14.07.2013
3.
Zitat von sysopREUTERS"Unentschuldbar": Italiens Regierungschef Enrico Letta hat die rassistische Bemerkung eines Lega-Nord-Senators scharf verurteilt. Der Mann verglich die erste schwarze Ministerin des Landes mit einem Orang-Utan - und entfachte einen Sturm der Entrüstung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/lega-nord-senator-verunglimpft-integrationsministerin-a-911067.html
naja, was soll's, für jeden, der nicht an die monotheistischen oder polytheistischen oder sonstige Schöpfungsstories glaubt, für den ist seit Darwin die Ähnlichkeit von Menschen und Menschenaffen eine hinlänglich bekannte Allerweltsweisheit. Das muß mir kein italienischer Senatsvize-Präsident erläutern. Und je behaarter und dunkler, um so ähnlicher, was aber nichts über die geistigen und sozialen Qualitäten eines Menschen aussagt. Allerdings gibt es auch Affenarten, die nicht zur Gruppe der Menschenaffen gehören, die einen weißen Hintern haben. Im Zentrum dieses Hinterns ist ein Loch, aus dem in regelmäßigen Abständen Sch...e quillt. Und wenn man sich das Gesicht des Senators Roberto Calderoli so ansieht, dann fällt auf, es ist so weiß wie der oben beschriebene Hintern, auch im Zentrum dieses Gesichts befindet sich ein Loch. Und aus ebendiesem Loch quillt offensichtlich wohl auch in regelmäßigen Abständen Sch...e. Daß ein Großteil der Mitglieder der Lega-Nord stumpfsinnige Dumpfbacken sind, ist auch hinlänglich bekannt. So what & who cares..! Cécile Kyenge ist ohnehin für sehr gute diplomatische und soziale Fähigkeiten bekannt, auch ein solches offensichtlich als Beleidigung und nicht als wissenschaftliches Faktum ausgesprochenes Wort wird sie locker in positives umwandeln können.
miss_anerotica 14.07.2013
4.
Solche plumben,rassistischen Dummheitsbekundungen gehören ebenso verdammt wie bestraft,das ist sehr richtig. Allerdings finde ich es sehr bezeichnend, dass die "Erste schwarze Ministerin Italiens" sehr früh nach Amtsantritt meinte, offene Tore für (Wirtschafts-)Flüchtlinge propagieren zu müssen. Sowas nenne ich Klientelpolitik vom Feinsten, was dabei rauskam sieht man an den Lagern in Berlin und Hamburg. Als ob es nicht schon genug Probleme mit verfehlter Zuwanderungspolitik gibt,die uns bald um die Ohren fliegt...
to5824bo 14.07.2013
5. Sie sollte Klage einreichen
Zitat von sysopREUTERS"Unentschuldbar": Italiens Regierungschef Enrico Letta hat die rassistische Bemerkung eines Lega-Nord-Senators scharf verurteilt. Der Mann verglich die erste schwarze Ministerin des Landes mit einem Orang-Utan - und entfachte einen Sturm der Entrüstung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/lega-nord-senator-verunglimpft-integrationsministerin-a-911067.html
Ich kenne das italienische Strafgesetzbuch nicht, denke aber, da wird sich ein Paragraf finden, der Frau Kyenge die Möglichkeit gibt, diese Unverschämtheit vor Gericht zu bringen. Vielleicht ist die Dame persönlich über so einen Mist erhaben - ich wünsche es ihr allemal. Aber im Sinne der Öffentlichkeit sollte sie m.E. auf jeden Fall Klage einreichen. Schon als deutliche Ansage für all die hirnverbrannten Grunzer und Bananenwerfer, die in italienischen Stadien (leider auch in deutschen) Schwarze herabwürdigen und beleidigen. Kevin-Prince Boateng hat es richtig gemacht, als er einfach das Spielfeld verließ und einen Spielabbruch erzwang. Gegen Rassismus und Rassisten helfen langfristig (vielleicht) Bildungsprogrammen u.a. Kurzfristig muss man ihnen aber zeigen, wo der Hammer hängt.
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