Lehren der Florida-Vorwahl Dollars, Dreck und Demagogen

Die Wahlschlacht in Florida ist entschieden, doch der parteiinterne Krieg der US-Republikaner geht jetzt erst richtig los. Gerade weil Newt Gingrich so deutlich unterlag, wird er Mitt Romney nun frontal attackieren - mit brutalsten Mitteln. Fünf Lehren aus der Vorwahl im Sonnenscheinstaat.

Aus Fort Lauderdale berichtet


Der Gewinner der Vorwahlen von Florida heißt Newt Gingrich. Jedenfalls für diejenigen, die Newt Gingrich zuhören. Als der in dieser Nacht der Niederlage vor seine Fans trat, in einem Hotel-Ballsaal nicht weit von Disneys "Fantasyland", hielt er nichts Geringeres als - eine Siegesrede.

Dies sei nun ein "Zwei-Personen-Rennen", fabulierte er. "Wir werden in jedem Ort kämpfen, und wir werden gewinnen." Die wenigen Anhänger winkten begeistert mit vorgefertigten Schildern: "Noch 46 Staaten."

In der Tat war der Pulverqualm vom Schlachtfeld Florida kaum verflogen, als klar wurde: Dies ist so schnell nicht ausgestanden. Der interne Krieg der Partei wird noch eine Weile weitergehen, und dabei wird es unverändert brutal zugehen.

Was heißt das für den weiteren Verlauf der Vorwahlen? Wie verändert sich das Klima in der republikanischen Partei? Worauf muss sich Präsident Barack Obama einstellen? Fünf Lehren aus der Florida-Wahl im Überblick.

1. Dollar, Dreck und Demagogen

Florida hat endgültig bewiesen, dass sich mit Geld und Lügen Wahlen gewinnen lassen. Romney und Gingrich bekämpften sich hier mit einer Brutalität, die selbst Republikaner schockierte. Romney siegte, weil er die Mittel hatte, Gingrich in rufschädigender Wahlwerbung zu ertränken, während er selbst so tat, als stehe er darüber. Diese erfolgreiche Taktik dürfte er weiterführen.

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Vorwahl in Florida: Romney nimmt Revanche

In der letzten Woche waren 92 Prozent aller TV-Spots direkte Angriffe auf den Gegner. 68 Prozent stammten von Romney und seinem Super-PAC "Restore Our Future", einer privaten Lobbygruppe: 15,4 Millionen Dollar gaben sie aus - viermal so viel wie Gingrich.

Beide Kandidaten logen dabei, dass sich die Balken bogen. Ein Omen für den Hauptwahlkampf im Herbst: Auch Romneys Siegesrede von Florida, die er Obama widmete, strotzte vor Verzerrungen und Verfälschungen. "Wenn du angegriffen wirst", rechtfertigte er sich auf ABC, "musst du zurückschlagen."

2. Sarah Who?

Alaskas Ex-Gouverneurin Sarah Palin warb prominent für Gingrich. Doch kaum einer hörte ihr mehr zu. Die schrillen Tiraden der Vizekandidatin von 2008 verpufften im "Blitzkrieg" ("Washington Post") von Florida.

Das deckt sich mit dem Bedeutungsschwund der Tea Party als Rebellenflügel der Partei. Die Tea Party ist Mainstream geworden, das Establishment hat ihre Belange geschluckt. 65 Prozent der Florida-Wähler unterstützten die Tea Party. Die meisten wählten Romney.

Gingrich schwört, bis zum Parteitag im August weiterzukämpfen. Doch wird er nur noch so lange durchhalten können, wie es sein Top-Geldgeber will, Casinomogul Sheldon Adelson.

3. Romneys Achillesfersen

Mit seinem Blutsieg hat Romney auch einen wichtigen Bonus für den Obama-Wahlkampf im Herbst verspielt - sein blütenreines Image. Er ließ die freundliche Maske fallen und offenbarte sich als der eiskalte, gnadenlos kalkulierende Manager, als der er sein Vermögen machte.

Gingrichs Kampagne der verbrannten Erde enthüllte weitere Schwachstellen Romneys - seine Zeit als Firmenhai, sein Reichtum, seine Flip-Flop-Politik, sein gestörtes Verhältnis zu "normalen Leuten". Romney glaubt, dass ihn diese Feuertaufe auf den Herbst "vorbereitet".

Die Demokraten dagegen wittern Munition: Was die Vorwähler von Florida nicht störte, ist für viele Wähler der Mitte ein Stolperstein. Schon sinken Romneys Popularitätswerte in den gesamten USA.

Eine positive Einheitsfigur fehlt der Partei weiter. Dafür besitzt Romney weder das Kaliber noch den emotionalen Rückhalt. "Geld", schreibt der Kolumnist Charles Blow ("New York Times"), "kann ihm keine Liebe kaufen."

4. Vierte Gewalt ohne Gewalt

In Florida gab es noch einen weiteren Verlierer - die Medien. Nichts symbolisierte deren Machtlosigkeit krasser als der schlimmste TV-Spot Romneys gegen Gingrich: Der bestand aus einem Clip der Nachrichtensendung "NBC Nightly News" von 1997, in dem Anchorman Tom Brokaw mit pikiert-sonorer Stimme über Gingrichs Verurteilung wegen Ethikverstößen berichtete. NBC protestierte offiziell dagegen, dass die Sendung im Wahlkampf missbraucht wurde - ohne Erfolg.

Die Flut der Lügen, Halbwahrheiten und Verzerrungen war diesmal so überwältigend, dass die Medien aufgaben, diese aufzuzeigen. Stattdessen beschränkten sie sich - auch aus Angst, den Zugang zu den Kandidaten zu verlieren - auf vermeintlich neutrale Berichte, welche die Wirkung dieser Clips nur noch multiplizierten.

5. Adiós Little Havana

In Florida ist es Tradition, die Latinos zu umschmeicheln. Beide Kandidaten besuchten Exilkubaner-Viertel, beide schalteten spanische Spots, beide schimpften auf Fidel Castro. Doch waren diese Visiten mehr Pflicht als Not: Die Republikaner wissen, dass sie die Latinos längst an die Demokraten verloren haben.

Also hielten sie auch in Florida, der Hochburg der Einwanderer, an ihrer knallharten Immigrationslinie fest - obwohl viele Latinos das vergrätzt. Das Kalkül: Die Hardliner-Wähler, die sie damit gewinnen, sind ihnen wichtiger als die Latinos, die sie verlieren.

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
huberwin 01.02.2012
1. Sind halt beide Hedgefondsmanager
und jeweils von ihren Paten abhängig. Die Interessen der Menschen interessieren beide nicht, auf die wird schon als Rohstoff fleißig am Finanzmarkt gewettet.
huberwin 01.02.2012
2. Sind halt beide Hedgefondsmanager
und jeweils von ihren Paten abhängig. Die Interessen der Menschen interessieren beide nicht, auf die wird schon als Rohstoff fleißig am Finanzmarkt gewettet. Frei nach dem Motto, egal ob ich die Wahl gewinnen, meine Wette bringt mir genug money.
slava grof 01.02.2012
3. farce
am ende werden diese "wahlen" doch wieder von den diebold programmierern entschieden.
caecilia_metella 01.02.2012
4. Doch, das Lesen hat sich gelohnt.
Wieder einen Beweis dafür gefunden, dass es in Amerika eben doch kluge Männer gibt. "Geld", schreibt der Kolumnist Charles Blow ("New York Times"), "kann ihm keine Liebe kaufen." (vgl. 1Kor 13)
siebke 01.02.2012
5. Vorwahlen!
So lange sich die Republikaner untereinander zerfleischen und Ihr wahres Gesicht zeigen, kann das nur von großem Vorteil der Demokraten sein !
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