Ehefrau von Oppositionsführer in Venezuela "Sie haben gerade Leopoldo abgeholt"

Er stand bereits unter Hausarrest, jetzt holte ihn offenbar der Geheimdienst ab: Die Ehefrau des venezolanischen Oppositionspolitikers López hat ein Video veröffentlicht, das seine Festnahme zeigen soll.

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In Venezuela sind zwei führende Oppositionelle festgenommen worden, melden deren Angehörige.

Oppositionsführer Leopoldo López, der bereits unter Hausarrest stand, sei von Agenten des Inlandsgeheimdienstes abgeführt worden, meldete seine Frau auf Twitter.

"Sie haben gerade Leopoldo abgeholt. Wir wissen nicht, wo er ist und wo sie ihn hinbringen", schrieb Lilian Tintori. Wenig später veröffentlichte sie ein Video, das laut Tintori die Festnahme ihre Mannes kurz nach Mitternacht, Ortszeit, zeigt:

Auch die Familie des Oppositionellen und gewählten Bürgermeisters der Hauptstadt Caracas, Antonio Ledezma, meldete, der Politiker sei festgenommen worden. Wie López stand auch Ledezma vor der mutmaßlichen Festnahme unter Hausarrest. Die Kinder von Ledezma erklärten, Agenten hätten ihren Vater mitgenommen.

Auch von seiner Festnahme durch den Geheimdienst Sebin existiert ein Video. Zu sehen ist, wie der Politiker im Schlafanzug von Polizisten in einen Aufzug in seinem Wohnhaus geschoben wird:

In Venezuela kämpfen ein Oppositionsbündnis aus Nationalisten, Sozialdemokraten und Liberalen seit Monaten mit täglichen Demonstrationen für eine Ablösung des linksgerichteten Präsidenten Nicolás Maduro.

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Kurz nach einer von Manipulationsvorwürfen begleiteten Abstimmung über eine verfassunggebende Versammlung am Sonntag hatte der Staatschef seinen Gegnern öffentlich und unmissverständlich gedroht: Die Opposition werde in "ihrer Verrücktheit weitermachen" und einige "werden in einer Zelle enden".

Oppositionsführer López war erst Anfang Juli nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt worden. 2014 war er wegen des Vorwurfs der Anstachelung zur Gewalt bei regierungskritischen Protesten zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die Gegner Maduros machen den Präsidenten für die schwere Wirtschaftskrise und die Versorgungsengpässe im Land verantwortlich. Die von Maduro organisierte Wahl einer verfassunggebenden Versammlung verschärfte die Lage: Die umstrittene Wahl der 545 Mitglieder fand unter blutigen Protesten und Betrugsvorwürfen gegen Maduro statt.

Die Abstimmung vom Sonntag stößt auch international auf scharfe Kritik. Die US-Regierung betrachtet die Wahl der Versammlung als "rechtswidrig". Maduro hat aber auch Unterstützer. Ein Überblick:

  • Mexiko, Kolumbien, Panama, Argentinien, Costa Rica, Paraguay und Peru akzeptieren das Ergebnis nicht.
  • Bolivien, Kuba und Nicaragua stehen dagegen an der Seite von Maduro.
  • Auch Russland sprach Maduro seine Unterstützung aus. Das Außenministerium in Moskau äußerte die Hoffnung, "dass die Länder, die offenbar den wirtschaftlichen Druck auf Caracas erhöhen wollen, Zurückhaltung üben".
  • Die Bundesregierung kritisierte, die Wahl habe Venezuela "weiter gespalten". Sie habe gegen "demokratische Grundprinzipien" verstoßen und sei "nicht geeignet", Venezuela aus der wirtschaftlichen und sozialen Krise zu führen.
  • Die EU-Kommission kritisierte die "unverhältnismäßige Gewalt" der Sicherheitskräfte. Es gebe "erhebliche Zweifel", ob die EU das Votum anerkennen könne. Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, sagte, das Parlament werde die Abstimmung "nicht anerkennen".

cht/AP/AFP

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wernerkurtrausch 01.08.2017
1. Venezuela
es tut mir sehr weh, so etwas mit zu erleben. Aber über dieses Regime kann man nur noch ein Straußenei schlagen ! Ende der Durchsage !
Viking 17 01.08.2017
2. Linke Willkür
So ist es wenn Sozialisten die Macht übernehmen. Das Recht wird abgeschafft und die Bevölkerung darf hungern. Es gibt wohl kaum ein untauglicheres System als den Sozialismus.
tomtor 01.08.2017
3. Diktatur
So geht ein Diktator mit Opposition um, da wird kein wiederspruch geduldet. Nur der Diktator selbst sieht das naturgemäß anders. Am Ende sind alle Diktatoren gestürtzt worden, das wird auch hier so kommen früher oder später.
peter_freiburg 01.08.2017
4. Hunger
Gestern kam ein Bericht über Venezuela im Fernsehen. Es ist unfassbar, dort verhungern kleine Babies in den Krankenhäusern! Die Menschen haben nichts mehr zu essen... Junge Menschen sterben an Krebs, weil sich die Eltern nicht die 50€ für eine Bestrahlung oder Chemo leisten können. Was da gerade passiert, ist eine humanitäre Katastrophe.
acitapple 01.08.2017
5.
Zitat von peter_freiburgGestern kam ein Bericht über Venezuela im Fernsehen. Es ist unfassbar, dort verhungern kleine Babies in den Krankenhäusern! Die Menschen haben nichts mehr zu essen... Junge Menschen sterben an Krebs, weil sich die Eltern nicht die 50€ für eine Bestrahlung oder Chemo leisten können. Was da gerade passiert, ist eine humanitäre Katastrophe.
Sie können sich beruhigen. Gemäß den Kommentaren in anderen Venezuela-Threads hier lässt sich die „echte“ Wahrheit herauslesen: -unsere Medien berichten absichtlich schlecht über das tolle aber unbequeme Regime, weil es nicht nach westlicher Pfeife tanzt -die Opposition ist gar keine, sondern nur eine Minderheit, die von der CIA, NSA und WHO finanziert wird um das tolle Regime zu stürzen -woanders sterben auch Leute an Krebs und verhungern Kinder, das hat absolut nichts mit dem glorreichen Maduro zu tun Das Regime ist übrigens demokratisch gewählt und hat damit die Erlaubnis jegliche Demokratie oder Opposition abzustellen. Ist quasi vom Volk so gewollt. Übrigens hungern die nicht, die machen nur Diät weil bald Badesaison ist. Das Militär ist ja nur dazu da das brave Volk vor den vielen Terroristen im Land zu schützen, was eigentlich auf jede zutrifft, der das Paradies anzweifelt und widerspricht. So einfach ist das.
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