Möglicher Militärputsch Lesothos Regierungschef flüchtet eigenen Angaben zufolge nach Südafrika

Der Regierungschef des südafrikanischen Landes Lesotho ist nach eigenen Angaben nach Südafrika geflohen. Es soll einen Militärputsch gegeben haben - der Regierungssprecher bestreitet das jedoch.

Lesothos Regierungschef Tom Thabane (Archivbild von 2007):  Flucht nach Südafrika
AFP

Lesothos Regierungschef Tom Thabane (Archivbild von 2007): Flucht nach Südafrika


Johannesburg - Der Regierungschef des südafrikanischen Königreichs Lesotho ist nach eigenen Angaben wegen eines Militärputsches ins Ausland geflohen. Aus Angst um sein Leben habe er sich am Samstagmorgen in das Nachbarland Südafrika abgesetzt, sagte Tom Thabane dem britischen Rundfunksender BBC. "Ich wurde nicht vom Volk von der Macht verdrängt, sondern von bewaffneten Streitkräften", sagte Thabana. "Und das ist illegal."

Soldaten sollen die Polizeizentrale und Thabanes Residenz besetzt haben, um den Regierungschef und weitere Schlüsselminister zum König zu bringen. Ein AFP-Fotograf berichtete von Schüssen in der Hauptstadt Maseru. Sportminister Thesele Maseribane, der die an der Regierung beteiligte Basotho National Party führt und nach eigenen Worten ebenfalls fliehen musste, berichtete ebenfalls von einem Putsch.

Regierungssprecher Ramakhula Ramakhula wies die Berichte laut dpa jedoch zurück. "Es gibt keinen Putsch." Die Regierung von Ministerpräsident Thomas Thabane sei weiter an der Macht. Es handele sich um "ein Missverständnis zwischen Polizei und Militär". Wo sich Thabane aufhält, konnte er nicht sagen. Die Soldaten sollen sich mittlerweile wieder zurückgezogen haben.

In dem Land gibt es seit längerem politische Spannungen. Regierungschef Thabane hatte im Juni das Parlament aufgelöst, um einem Misstrauensantrag aus den Reihen seiner Koalition zu entgehen. Thabane war als erster Oppositionspolitiker Lesothos durch Wahlen an die Spitze der Regierung gelangt.

Sportminister Maseribane warf Vizeregierungschef Mothetjoa Metsing vor, hinter dem Umsturzversuch zu stecken. Metsings Partei Lesotho Congress for Democracy ist an der brüchigen Koalitionsregierung beteiligt und hatte aus Ärger über Thabanes autoritären Regierungsstil schon vor Monaten angekündigt, den Ministerpräsidenten stürzen und eine neue Regierung bilden zu wollen.

Das Königreich Lesotho ist in etwa so groß wie Nordrhein-Westfalen und komplett von der Republik Südafrika umgeben. Es hängt völlig von der Wirtschaft des großen Nachbarn ab. Wegen seiner Gebirgszüge wird es auch "Königreich im Himmel" genannt. Staatsoberhaupt ist der 51-jährige König Letsie III.

Die meisten der rund zwei Millionen Einwohner leben in großer Armut. Textilfabriken und Diamantenminen sind die einzigen größeren Industriezweige.

lgr/AFP/dpa

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