Russland Letzte Pussy-Riot-Musikerin aus Haft entlassen

Auch die letzte Aktivistin der Punkgruppe Pussy Riot ist in Freiheit. Nadeschda Tolokonnikowa wurde aus einem Straflager in Sibirien entlassen. Ihre Bandkollegin hatte das Amnestiegesetz des Kreml zuvor scharf kritisiert.

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Moskau - Die zu zwei Jahren Straflager verurteilte Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa von der Punkband Pussy Riot ist in Freiheit. Ihr Mann Pjotr Wersilow veröffentlichte im Kurznachrichtendienst Twitter ein Bild, wie die 24-Jährige in der sibirischen Stadt Krasnojarsk bei Dunkelheit ins Scheinwerferlicht der Medien trat.

"Russland ohne Putin" rief sie nach ihrer Freilassung mit Blick auf Präsident Wladimir Putin. Zuvor war bereits ihre Bandkollegin Maria Aljochina freigekommen. Beide fielen jetzt unter eine von Putin veranlasste Massenamnestie. Ihre Strafe wäre im März verbüßt gewesen.

Politiker, Künstler und Menschenrechtler hatten sich weltweit immer wieder für eine Freilassung der Pussy-Riot-Frauen eingesetzt.

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Russland: Pussy-Riot-Musikerinnen sind frei
Die Musikerinnen waren im Februar 2012 nach einer Protestaktion gegen Putin und die Kirche in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale festgenommen und wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Eine dritte Aktivistin, Jekaterina Samuzewitsch, wurde später auf Bewährung freigelassen.

Die Staatsduma hatte am Mittwoch eine Massenamnestie beschlossen, die auch einzelne Gegner Putins betrifft. Erwähnt werden insbesondere Frauen mit minderjährigen Kindern und wegen "Rowdytums" Verurteilte. Aljochina und Tolokonnikowa haben beide je ein kleines Kind.

Aktivistin nennt Amnestie "PR-Trick"

Aljochina kritisierte das Amnestiegesetz nach ihrer Freilassung scharf. Sie nannte die Regelungen einen "PR-Trick" und gab an, sie hätte sich am liebsten geweigert, das Gefängnis zu verlassen, wenn das möglich gewesen wäre. Zur Amnestieregelung sagte sie dem russischen Sender Doschd: "Ich denke nicht, dass das ein humanitärer Akt ist. Ich denke, es ist ein PR-Trick."

Aljochina saß in Nischni Nowgorod rund 450 Kilometer östlich von Moskau im Gefängnis, die 24-jährige Tolokonnikowa war erst kürzlich in ein Straflager im 4400 Kilometer von Moskau entfernten Krasnojarsk in Ostsibirien verlegt worden.

Augenzeugen beschrieben Aljochina beim Verlassen des Lagers als wach und gut gelaunt. Aljochina traf sich zunächst mit Anwälten der Menschenrechtsorganisation "Komitee gegen Folter". Bei dem Gespräch gehe es um ihre Beschwerden, die sie im Straflager eingereicht habe, sagte der Leiter der Organisation Igor Kaljapin der Agentur Interfax.

Das Vorgehen der Justiz gegen die Aktivistinnen hatte weltweit Kritik ausgelöst. Auch der Oberste Gerichtshof des Landes rügte vergangene Woche das Urteil, das schwere Fehler aufweise. Dass die Frauen nun freikommen, werten Beobachter als Kreml-Zugeständnis an den Westen vor den Olympischen Winterspielen, die im Februar in Sotschi stattfinden.

Mit einem Gnadenakt hatte Präsident Putin am Freitag auch seinen Erzfeind Michail Chodorkowski nach mehr als zehn Jahren aus der Haft entlassen. Der frühere Milliardär reiste nach Berlin aus und trat dort am Sonntag vor die Presse.

fab/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 158 Beiträge
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Seite 1
hotgorn 23.12.2013
1. Sehr gut
Putin recht die russische Justiz zurecht.
peti55 23.12.2013
2. toll
Ja ja der lupenreine Demokrat und beste Freund des Gazprom Exkanzlers ist schon ein toller Hecht - Glückwunsch zu solchen Freunden
kf_mailer 23.12.2013
3.
Aktivistin? Selten so gelacht, die Medien sind ja besser als jedes Kabarett und die Eilmeldungen richtige Kracher..
BettyB. 23.12.2013
4. So so
Aljochina wollte also nicht freigelasssrn werden. Wie bedauerlich, dass Putin das wohl nicht wusste. Vielleicht hätte. er ihr ja ihren Wunsch zu Weihnachten erfüllt.
nano-thermit 23.12.2013
5. Möchte mal sehen wie die USA mal eine Amnestie machen, für die nicht reichen.
Wir kritisieren Putin, aber eine Amnestie würde es im Westen niemals geben. Wir sind ja ein "rechts"Staat. Ich schaue voller Hoffnung nach Russland und hoffe dass man in 30 Jahren dort leben kann. Steuersatz ist derzeit 13%. Da sie ihr Geld noch selbst produzieren dürfen und dies nicht bei "Banken" leihen müssen soner wir im tollen Westen.
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