Letztes Bin-Laden-Versteck Abrissbirne in Abbottabad

Für die pakistanischen Behörden ist es "ein Schritt zurück in die Normalität": Sicherheitskräfte haben das Anwesen in Abbottabad zerstört, in dem sich jahrelang Qaida-Chef Osama Bin Laden versteckt hielt - der Ort sollte nicht zum Symbol des eigenen Scheiterns werden.

Von , Islamabad

AFP

Seit dem 2. Mai 2011, jenem Tag, als ein US-Sonderkommando den meistgesuchten Terroristen der Welt im nordpakistanischen Abbottabad aufspürte und tötete, rätselte man: Was wird aus dem weiß verputzten, etwas heruntergekommenen Haus, in dem sich Osama Bin Laden nur wenige hundert Meter von der renommierten Militärakademie des Landes entfernt versteckt hielt? Politiker, Militärs und Geheimdienstler wichen einer Antwort auf diese Frage regelmäßig aus.

Am Wochenende rückten nun die Bagger an und rissen das Haus ab. Nach Angaben der Polizei in Abbottabad begannen die Abrissarbeiten bereits am Samstagabend und dauerten bis zum Montagmorgen an. "Jetzt können die Menschen in Abbottabad hoffentlich mit diesem Kapitel abschließen", sagte ein Polizist am Montag. Das Gebäude sei komplett zerstört und der Bauschutt wegtransportiert worden. "Nur die Umgrenzungsmauer steht noch. Es ist ein Schritt zurück in die Normalität."

Bislang waren Tausende Menschen nach Abbottabad gefahren, um einen Blick auf den Schauplatz des Einsatzes der US-Navy-Seals zu werfen. Darunter waren Touristen auf dem Weg ins nahegelegene Erholungsgebiet Thandiani, aber auch neugierige Ausländer wie zum Beispiel der dänische Botschafter mit seiner Frau. "Es war klar, dass das zur Touristenattraktion und womöglich zum Wallfahrtsort für Bin-Laden-Anhänger wird. Es blieb keine andere Wahl, als das Haus abzureißen", sagte ein Offizier im Armeehauptquartier in Rawalpindi.

Der Ort sollte nicht zum "Schandfleck" werden, nicht zum Symbol des Scheiterns des pakistanischen Sicherheitsapparats, der nach Angaben von Regierung und Militärführung nichts von Bin Ladens Aufenthaltsort gewusst haben will. Zudem hatten sich viele Bewohner der Stadt über die strengen Sicherheitsmaßnahmen beschwert, die seit dem Einsatz galten.

Bilal Town hieß plötzlich "Bin Laden Town"

Während der Abrissarbeiten war der Stadtteil Bilal Town, dem seit dem Schlag gegen den Top-Terroristen der Name "Bin Laden Town" anhaftet, weitgehend abgeriegelt. Nur Bewohner der benachbarten Häuser wurden vorgelassen. Fotos zeigen, wie Kinder vor dem Gebäude auf den umliegenden Feldern spielen, während das Haus abgerissen wird.

Bereits in den vergangenen Monaten hatten Militärpolizisten das Haus Bin Ladens abgeriegelt und Besucher kontrolliert. Für Ausländer war ganz Abbottabad tabu - wer die Stadt besuchen wollte, musste eine Sondergenehmigung beantragen und den Grund für die Reise nennen.

Der Schlag gegen Bin Laden hatte die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA belastet. In der Nacht auf den 2. Mai 2011 waren US-Hubschrauber ohne Wissen der Regierung in Islamabad in pakistanisches Gebiet eingedrungen. Navy-Seals stürmten das Haus und töteten den Chef des Terrornetzwerks al-Qaida. Um zu verhindern, dass seine Anhänger zu einem Grab pilgern können, wurde der Leichnam US-Angaben zufolge in den indischen Ozean geworfen. Es habe eine Seebestattung mit islamischen Ritualen stattgefunden, versicherte Washington.

Die meisten Menschen in Abbottabad glauben aber nicht, dass Bin Laden in ihrer Stadt lebte. Sie sagen, niemand habe ihn je gesehen. "Die Amerikaner haben nie Beweise vorgelegt, dass sie ihn erwischt haben", sagt Abkar Khan, ein Kioskbetreiber in Abbottabad. Die "heimliche Seebestattung" sei "verdächtig", auch, dass es keine Fotos gebe. Khan fasst die Mehrheitsmeinung der Menschen in Abbottabad so zusammen: "In Wahrheit war Bin Laden schon lange tot, gestorben an seinen Krankheiten. Das, was in Abbottabad passiert ist, war nur Theater."

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sabaro4711 27.02.2012
1.
Zitat von sysopAFPFür die pakistanischen Behörden ist es "ein Schritt zurück in die Normalität": Sicherheitskräfte haben das Anwesen in Abbottabad zerstört, in dem sich jahrelang Qaida-Chef Osama Bin Laden versteckt hielt - der Ort sollte nicht zum Symbol des eigenen Scheiterns werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817737,00.html
Scheitern kann man doch nur, wenn man überhaupt versucht, etwas zu tun....und wenn die Pakistani dann gescheitert sind, dnn darin, bin Laden erfolgreich zu verstecken. Daran, ihn zu finden, sind sie nicht gescheitert, denn versucht haben sie es doch gar nicht erst.
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