Letztes Gefecht in Sirt Gaddafi ist tot - Libyer bejubeln Ende des Diktators

Ausgelassene Freude auf den Straßen von Tripolis, triumphierende Rebellen in Sirt: In Libyen feiern Menschen die Meldung vom Tod Gaddafis. Der Ex-Diktator wurde offenbar beim Gefecht um seine Heimatstadt tödlich verletzt, sein Leichnam soll nach Misurata gebracht worden sein.


Tripolis/Washington - Sie feuern Freudenschüsse in die Luft, schwenken die libysche Flagge und klettern auf Straßenlaternen. In der libyschen Hauptstadt Tripolis feierten die Menschen den Tod Muammar al-Gaddafis.

Der arabische Fernsehsender al-Dschasira zeigt Bilder aus Tripolis, auf denen die Menschen in den Straßen feiern. Autos hupen, Kämpfer jubeln. Auch in Sirt herrscht ausgelassene Stimmung. Im Internet schlägt sich die Euphorie der Libyer nieder. "Es ist vorbei", schreiben sie. "Endlich ist er weg."

Der Übergangsrat ist sich sicher, dass der frühere Machthaber tot ist. Der libysche Ministerpräsident Mahmud Dschibril bestätigte den Tod Gaddafis. Es sei nun die Zeit für ein "neues, vereintes Libyen". Gaddafis Leiche ist offenbar in eine Moschee in der Stadt Misurata gebracht worden, die wochenlang unter heftigstem Beschuss der Gaddafi-Truppen gestanden hatte.

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Letztes Gefecht in Sirt: Libyer bejubeln Ende des Diktators
Im Laufe des Nachmittags tauchten zuerst Fotos des blutüberströmten Gaddafi auf, später auch Videosequenzen, offenbar mit einem Handy aufgenommen. Darauf ist offenbar der Leichnam des Mannes zu sehen, den die Rebellen seit Wochen gejagt haben. Um ihn herum steht eine Menschenmenge, Geschrei ist zu hören.

Zu den Umständen des Gefechts gibt es bisher nur wenige Details. Offenbar wurde der Despot in Sirt gefasst. Unbestätigten Angaben zufolge wollten Gaddafi und seine Begleiter die Stadt gerade verlassen. Laut Übergangsrat hatten Nato-Truppen den Konvoi des Gesuchten angegriffen. Anderen Angaben zufolge stöberten Aufständische Gaddafi in einem Haus auf.

Dieses Bild einer Handykamera soll die erste Aufnahme Gaddafis nach dem Gefecht sein, die Authentizität ist nicht bestätigt
AFP

Dieses Bild einer Handykamera soll die erste Aufnahme Gaddafis nach dem Gefecht sein, die Authentizität ist nicht bestätigt

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Kämpfer der Rebellen, der berichtet, Gaddafi habe sich in einem "Loch" versteckt und gerufen "Nicht schießen, nicht schießen". Angeblich trug er eine khakifarbene Uniform und hatte einen Turban auf dem Kopf. Er habe einen goldenen Revolver bei sich getragen, berichtet AFP unter Berufung auf einen Kämpfer.

Al-Arabija zeigte Bilder von dem Ort, an dem die Kämpfer Gaddafi angeblich gefunden hatten. Zu sehen sind zwei große Betonröhren, darüber hat jemand auf eine Betonwand gesprüht: "Dies ist der Platz der verfluchten Ratte Gaddafi - Gott ist groß". Vor den Betonröhren liegen zwei Leichen am Boden.

Bei dem Gefecht ist laut einem Vertreter der Übergangsregierung der frühere Verteidigungsminister des Machthabers, Abu Baker Junis Dschabir, getötet worden. Der Sender al-Arabija meldete, in Sirt seien Gaddafis Sohn Mutassim und Abdullah al-Sanussi, ein enger Vertrauter des ehemaligen Machthabers, festgenommen worden.

EU begrüßt "Ende der Ära von Gewaltherrschaft"

Doch noch gibt es keine unabhängige Bestätigung für die Meldungen. Der Westen reagierte deshalb zunächst zurückhaltend. Das Weiße Haus in Washington bestätigte die Medienberichte über eine Festnahme oder gar den Tod des gestürzten libyschen Machthabers zunächst nicht. Eine Sprecherin erklärte, man beobachte die Lage. Auch bei der Nato in Brüssel hieß es, man überprüfe entsprechende Berichte. Sicher sei, dass Nato-Flugzeuge am Donnerstagmorgen Militärfahrzeuge der Gaddafi-Truppen angegriffen hätten.

Deutlicher wurden die Spitzenvertreter der Europäischen Union: Sie sprachen vom "Ende der Ära von Gewaltherrschaft und Unterdrückung, unter der das libysche Volk zu lange gelitten hat". In einer Erklärung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso heißt es: "Heute kann Libyen eine neue Seite in seiner Geschichte aufschlagen und eine neue demokratische Zukunft beginnen."

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Muammar al-Gaddafi: Stationen eines Diktators
Die politische EU-Spitze forderte den Nationalen Übergangsrat Libyens auf, einen "breit angelegten Prozess der Aussöhnung" einzuleiten. Dieser müsse sich an alle Libyer richten und einen "demokratischen, friedlichen und transparenten Übergang im Land ermöglichen".

In Rom reagierte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit den Worten "Sic transit gloria mundi" - so vergeht der Ruhm der Welt - auf die Berichte über den Tod des einstigen Partners Gaddafi. Er fügte hinzu: "Jetzt ist der Krieg vorbei." Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Außenminister Franco Frattini bezeichnete Gaddafis Festnahme als "großen Sieg für das libysche Volk".

fab/ffr/dpa/AP/Reuters/AFP/dpad

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insgesamt 1139 Beiträge
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Seite 1
darkwingduck, 20.10.2011
1. Erstaunlich...
Zitat von sysopAusgelassene Freude auf den Straßen von Tripolis,*triumphierende Rebellen in Sirt: In Libyens*Städten*feiern Menschen die Meldung vom Tod Gaddafis.*Der Ex-Diktator soll beim Gefecht um seine Heimatstatt verwundet worden und wenig später seinen Verletzungen erlegen sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793023,00.html
Erstaunlich... Und praktisch Tote Dikatatoren können nicht mehr darüber berichten, wer ihnen so alles in den Allerwertesten gekrochen ist und für wen sie alles gefoltert haben. Auf der Fucht erschossen halt
gast2011 20.10.2011
2. es wird nicht lange dauern...
kommen die radikalen auch da ans ruder. der arabische "herbst" geht weiter.
greenwave 20.10.2011
3. Gratulation an Libysche Volks
Gratulation an Libysche Volks, ein Diktator weniger. wer ist als nächstes dran? Bashar Asad oder die korrupten Machthaber im Iran? Ich hoffe bald gibt es keine Diktator mehr auf unsere Erde....
Morten Hammerdahl 20.10.2011
4. Hmmm
Zitat von darkwingduckErstaunlich... Und praktisch Tote Dikatatoren können nicht mehr darüber berichten, wer ihnen so alles in den Allerwertesten gekrochen ist und für wen sie alles gefoltert haben. Auf der Fucht erschossen halt
Ja, in die Beine - nachdem er am Turban aus nem Loch gezogen wurde und dabei rief "Nicht schiessen, nicht schiessen!". Dann kamen aber wohl die Natotruppen und haben auf den Konvoi geschossen... Wie soll das alles eigentlich zueinander passen?
muwe6161 20.10.2011
5. Als da wären noch...
... Castro, Assad und viele andere ewige Diktatoren. Fokus auf Assad!
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