Trauerfeier in Südafrika Letztes Geleit für Nelson Mandela

Am Straßenrand feierten Tausende Südafrikaner ihr Idol: Ein Konvoi hat den Leichnam von Nelson Mandela in seinen Heimatort Qunu gebracht. Dort soll er am Sonntag beigesetzt werden. Ärger gab es vorab um die Teilnahme von Bischof Tutu an der Beisetzung.

AFP

Hamburg - Tausende Besucher säumten den Straßenrand und bejubelten den berühmten Staatsmann. Unter großer Anteilnahme wurde der Leichnam des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela in sein Heimatdorf Qunu überführt. Die sterblichen Überreste des Anti-Apartheid-Kämpfers landeten in einer Transportmaschine C-130 in der Hauptstadt der Transkei, Mthatha, von wo aus der Sarg zur Beisetzung am Sonntag nach Qunu gefahren wurde. Dort war Mandela 1918 geboren worden.

Viele sangen und tanzten, Kinder schwenkten Flaggen. "Es ist so gut, dass Madibas Geist wieder nach Hause kommt und nicht anderswo bleibt", sagte Debe Onke, nachdem der Konvoi vorbeigefahren war. Die Stimmung war eher freudig als betrübt. "Ich wusste immer, was er getan hat, aber seit er tot ist und wir hier auf seinen Sarg warten, kann ich es fühlen", sagte Fungiswa Ntontela, die rund 40 Kilometer von Qunu entfernt lebt.

Etwa 4500 Gäste, darunter 26 Staats- und Regierungschefs, deren Stellvertreter oder Vertreter von Königshäusern werden am Sonntagmorgen zur Trauerfeier erwartet. Darunter sind auch Prinz Charles, der iranische Vizepräsident Mohammad Schariatmadari, der ehemalige französische Premierminister Lionel Jospin und der amerikanische Baptistenprediger Jessie Jackson.

Ärger um Tutus Teilnahme

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger und Erzbischof Desmond Tutu war nach eigenen Worten zunächst nicht eingeladen worden. "Ich hätte mir sehr gewünscht, an der Beerdigung teilzunehmen, um jemanden zu verabschieden, den ich liebte und schätzte. Aber es wäre respektlos, uneingeladen zu kommen", wurde er am Samstag von der Nachrichtenagentur Sapa zitiert. Tutu hatte dafür gekämpft, dass Mandela während des Apartheid-Regimes aus dem Gefängnis entlassen wurde, in den vergangenen Jahren hatte er allerdings die regierende Partei ANC kritisiert.

Der Umgang des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) mit dem früheren Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Tutu bei den Trauerfeierlichkeiten brachte einen Missklang in die pompösen Abschiedszeremonien für Mandela, die am Dienstag im Beisein von Dutzenden Staatsgästen im Stadion von Soweto bei Johannesburg begonnen hatten. Schon dort wurde Tutu erst gegen Ende der Trauerfeier auf die Bühne geholt, als die meisten Gäste das Stadion bereits verlassen hatten.

Spekuliert wurde, dass der Friedensnobelpreisträger wegen seiner Kritik an Präsident Jacob Zuma und der Regierungspartei ANC von der Zeremonie ausgeschlossen wurde. Am Abend dann die Wende: Bei der Beerdigung von Nelson Mandela wird Tutu nun doch dabei sein, wie sein Sprecher bekanntgab. Das Außenministerium in Pretoria bestätigte die Teilnahme.

Beerdigung ohne Kameras

Der Plan für Sonntag sieht vor, dass nach dem offiziellen Teil der Feier der Sarg am Vormittag von seiner Familie und wenigen engen Freunden zum Grab gebracht wird. Danach soll Mandela auf dem Familienfriedhof in Qunu beigesetzt werden, wo bereits seine Eltern und drei seiner Kinder ihre letzte Ruhestätte fanden. Bei der eigentlichen Beisetzung sind Kameras ausgeschlossen. Nach Angaben von Clan-Chefs wird es zahlreiche Rituale geben. Die Traditionen des Xhosa-Volkes verlangten das Schlachten eines Ochsen, werden sie von Sapa zitiert. Das Grab liege auf einem Hügel, der weiten Ebene der Transkei zugewandt.

Mandela war am vorvergangenen Donnerstag nach langer Krankheit im Alter von 95 Jahren gestorben. In den vergangenen drei Tagen nahmen 100.000 Südafrikaner an seinem offenen Sarg in Pretoria von Mandela Abschied.

sto/AFP/dpa



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