Libanon: Schwere Krawalle bei Trauerfeier in Beirut

Bei Protesten wegen der Ermordung des libanesischen Polizei-Geheimdienstchefs haben Demonstranten in Beirut versucht, ein Regierungsgebäude zu stürmen. Es fielen Schüsse. Diplomaten sprechen von einer instabilen Lage, die Sorge vor einem neuen Bürgerkrieg wächst.

Beirut - Im Libanon ist es am Sonntag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Nach einer Trauerkundgebung für die Opfer eines Terroranschlags am Freitag durchbrachen aufgebrachte Bürger laut Augenzeugen Zugangssperren und versuchten, den Sitz der Regierung zu stürmen. Die Polizei setzte Tränengas ein, Soldaten sollen mit Maschinengewehren in die Luft gefeuert haben, um die Angreifer zurückzudrängen.

Zuvor waren Tausende Menschen zur Beisetzung von Wissam al-Hassan ins Zentrum von Beirut geströmt. Der Polizei-Geheimdienstchef gehörte zu den Opfern des Anschlags. Hinter seinem Tod vermuten die Demonstranten das syrische Regime von Baschar al-Assad, da Hassan als einer der wichtigsten libanesischen Gegenspieler von Damaskus galt. Zu der Kundgebung hatten der Oppositionsführer Saad al-Hariri und der Drusenführer Walid Dschumblatt aufgerufen. Die meisten Teilnehmer waren Sunniten, Christen und Drusen.

Die Protestierer forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Nadschib Mikati, dem sie enge Beziehungen zu Assad vorwerfen. Die Regierung um Mikati bot bereits selbst ihren Rücktritt an.

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Wut über Anschlag: Straßenkämpfe in Beirut
Am Sonntag gab es zunächst eine Zeremonie im Hauptquartier des Geheimdienstes, bevor der Sarg Hassans in die Al-Amin-Moschee gebracht wurde, wo er neben dem früheren Regierungschef Rafik al-Hariri beigesetzt wurde. Hariri war selbst 2005 bei einem Bombenanschlag getötet worden, für den die Opposition Syrien verantwortlich machte.

Landesweit hatten zuvor schon Zehntausende Sunniten gegen den Anschlag protestiert. Schon am Samstag kam es in vielen Landesteilen zu Ausschreitungen. Demonstranten blockierten die Zufahrt zum Flughafen in Beirut und sperrten Straßen in der nordlibanesischen Hafenstadt Tripoli. In einem Dorf im Bekaa-Tal schossen Soldaten auf Demonstranten, die eine Straße blockierten und verletzten laut Augenzeugen zwei Menschen.

Die Gewalt nährt Sorgen vor einem neuen Bürgerkrieg im Libanon. Ein westlicher Diplomat bezeichnete die Lage des Landes als instabil. Er wisse nicht, ob der Anschlag auf Hassan "der erste einer ganzen Serie ist - aus der Historie heraus würde ich es vermuten". Unter allen Zielen für ein Attentat sei Hassan jenes gewesen, das die Stabilität des Libanon am meisten ins Wanken habe bringen können.

Westerwelle warnt vor Flächenbrand

Auch Libanons Polizeichef Aschraf Rifi schloss weitere Attentate nicht aus. "Wir haben einen Stützpfeiler unserer Sicherheit verloren", sagte er. Dem Land stünden weitere Opfer bevor. "Wir wissen das. Aber wir lassen uns nicht brechen."

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigt sich "sehr besorgt über die wachsende Gefahr eines Flächenbrands in der Region". Es müsse alles getan werden, damit der syrische Bürgerkrieg nicht auf den Libanon übergreife, erklärte ein Sprecher des Außenministers in Berlin.

Der multireligiöse Libanon ist tief zerstritten zwischen Anhängern und Gegnern Assads. Viele Schiiten unterstützen den ihrer Konfession nahestehenden Alawiten Assad, die meisten Sunniten stehen auf der Seite seiner Gegner. Schon vor dem Anschlag hatten sich in Tripoli Sunniten und Alawiten Kämpfe geliefert. Tausende Syrer sind vor der Gewalt in ihrer Heimat in das Nachbarland Libanon geflohen. Syrien hatte jahrzehntelang die Rolle einer Vormacht im Libanon gespielt.

Auch lange nach dem Ende des 15-jährigen Bürgerkriegs 1990 standen syrische Soldaten im Zedernstaat. Ihr Abzug konnte erst nach dem Attentat auf Hariri im Jahr 2005 durchgesetzt werden.

Bei dem Anschlag am Freitag kamen nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP neben Hassan sein Fahrer und ein weiterer Mensch ums Leben. Zunächst war von acht Toten die Rede gewesen. Zudem sollen 126 Menschen verletzt worden sein.

dab/Reuters/dpa/dapd

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Religionskrieg 2.0
conny1969 21.10.2012
Ohne Despoten ist ein Religionskrieg nicht aufzuhalten. Für die Schiiten und Sunniten gibt es anscheinend kein zurück mehr. Im ganzen Nahen Osten werden jetzt die Konten geklärt und abgerechnet. Mord im Namen des wahren Glauben,für Macht, Einfluss, Geld und Bodenschätze. Islam ist Frieden.
2. Sunniten, Christen und Drusen gemeinsam ?
chris_0549 21.10.2012
Na hoppla - die passen doch gar nicht zusammen ? Unter Assad geht es doch sicherlich den Christen besser als später unter den lieben Sunniten ? Ein Schelm, der Arges dabei denkt ! Und aufgebrachte Bürger ? Wutbürger sozusagen ? Lange nicht dagewesen, weder in Libyen, Ägypten, Syrien, Tunesien - oder irre ich mich da ? Denen da unten hat wirklich die Sonne zu stark aufs Gehirn geschienen ! Na ja - Wutbürger gibts mittlerweile sogar in Stuttgart - liegt ja auch bisschen im Süden.
3. Wieso wird die Hizbollah hier nicht benannt?
ip- 21.10.2012
Zitat von sysopSchüsse im Zentrum von Beirut: Bei Protesten gegen die Ermordung des libanesischen Geheimdienstchefs haben Demonstranten versucht, ein Regierungsgebäude zu stürmen. Diplomaten sprechen von einer instabilen Lage, die Sorge vor einem neuen Bürgerkrieg wächst. Libanon: Demonstranten versuchen Regierungsgebäude zu stürmen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/libanon-demonstranten-versuchen-regierungsgebaeude-zu-stuermen-a-862558.html)
Wie kann ein solcher Artikel die Hizbollah voellig aussen vor lassen? Sie wurde noch nicht einmal benannt! Es wird immer nur ueber das Syrische Regime geschrieben, aber es geht doch darum, dass die Hizbollah (von Iran und Syrien finanziert und kontrolliert) die Macht im Libanon hat und wahrscheinlich mit dem Anschalg zu tun hat.
4. 1.Kommentar lächerlich
kral1905 21.10.2012
Dauernd wird über irgendwelche Religionskriege geredet, aber leider ohne Fakten und Tatsachen. Jeder halbwegs vernünftige Mensch weiß, dass es keine Religionskriege gab und gibt. Die Faktoren eines Krieges sind viel umfangreicher, um von irgendwelchen Religionskriegen zu sprechen. Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit betrachten, sehen wir ganz bestimmt andere Ursachen für Kriege. Schauen sie sich einfach mal die deutsche Geschichte an und finden sie einen nur religionsbegründeten Krieg. Es ist total lächerlich hier Anti-Religionspropaganda zu treiben, denn die Geschichte beweist uns etwas anderes.
5.
c.werner 21.10.2012
Zitat von kral1905Dauernd wird über irgendwelche Religionskriege geredet, aber leider ohne Fakten und Tatsachen. Jeder halbwegs vernünftige Mensch weiß, dass es keine Religionskriege gab und gibt. Die Faktoren eines Krieges sind viel umfangreicher, um von irgendwelchen Religionskriegen zu sprechen. Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit betrachten, sehen wir ganz bestimmt andere Ursachen für Kriege. Schauen sie sich einfach mal die deutsche Geschichte an und finden sie einen nur religionsbegründeten Krieg. Es ist total lächerlich hier Anti-Religionspropaganda zu treiben, denn die Geschichte beweist uns etwas anderes.
Dann ist es doch aber sehr merkwürdig, dass die Fronten meistens an den Konfessionsgrenzen verlaufen.
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Fläche: 10.452 km²

Bevölkerung: 4,228 Mio.

Hauptstadt: Beirut

Staatsoberhaupt:
Michel Suleiman (Amtszeit abgelaufen); Tammam Salam (amtierend)

Regierungschef: Nadschib Mikati (zurückgetreten; amtierend); Tammam Salam (designiert)

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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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