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Libanon: Deutsche Agenten fädeln Deal zwischen Israel und Hisbollah ein

Von Ulrike Putz, Beirut

Zwei entführte israelische Soldaten gegen fünf libanesische Terroristen: Jerusalem und die Schiiten-Miliz Hisbollah einigen sich auf einen Gefangenenaustausch - mit Hilfe der deutschen Geheimdienste, die in der Region besonderes Vertrauen genießen.

Beirut - Es war eine beeindruckende, wenn auch nicht neue Szene: Zehntausende Hisbollah-Anhänger hatten sich gestern Abend im Süden Beiruts versammelt, um wie jedes Jahr um diese Zeit den "Tag des Widerstands" gegen Israel zu begehen. Über den Köpfen der Menge wogte ein gelbes Meer von Hisbollah-Flaggen, Hassan Nasrallahs Stimme donnerte über sie hinweg.

Der Führer der "Partei Gottes" - aus Sicherheitsgründen nur via Videoschalte auf einer großen Leinwand präsent - spulte sein übliches Repertoire ab: Geißelte erst Israel, dann die USA, bevor er sich der Innenpolitik zuwendete. Seine Anhänger jubelten, und beinahe wäre der kurze Satz, der einen großen Erfolg deutscher Nahost-Diplomatie andeutet, in der allgemeinen Feierlaune untergegangen.

Kundgebung zum "Tag des Widerstands" in Beirut: Eine Frau trägt ein Foto des Hisbollah-Führers Nasrallah vor sich her
DPA

Kundgebung zum "Tag des Widerstands" in Beirut: Eine Frau trägt ein Foto des Hisbollah-Führers Nasrallah vor sich her

"Schon sehr bald werden Samir und Samirs Brüder bei Euch im Libanon sein", schmetterte Nasrallah aus den Lautsprechern über den Platz. Seine Anhänger wussten, was gemeint war: Der von deutschen Vermittlern eingefädelte Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah scheint abgemachte Sache, der Transfer der Männer bevorzustehen. Also Jubel bei den Hisbollah-Fans.

Sollte der Handel gelingen, hätte die Schiiten-Miliz den Erfolgen der vergangenen Wochen einen weiteren Sieg hinzugefügt.

Mindestens sechs Libanesen sitzen noch in israelischen Gefängnissen ein, sie frei zu pressen, hatte sich die Hisbollah zur Aufgabe gemacht. Um Verhandlungsmasse im Polit-Poker zu haben, waren Kämpfer der "Partei Gottes" am 12. Juli 2006 auf israelisches Territorium eingedrungen und hatten die Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser entführt. Die Verschleppung hatte den 34 Tage dauernden Krieg zwischen der Hisbollah im Libanon und Israel ausgelöst.

Direkt nach Ende des Krieges hatten unter der Ägide der Vereinten Nationen die Verhandlungen über die Herausgabe der beiden Israelis begonnen. Als Vermittler wurde wieder einmal Deutschland bestimmt, das schon mehrmals Deals zwischen der Schiiten-Miliz und dem jüdischen Staat eingefädelt hatte.

Im Januar 2004 hatte Ernst Uhrlau, damals Geheimdienstkoordinator im deutschen Kanzleramt, ein Tauschgeschäft zum Abschluss bringen können. Dabei gab Israel 435 vornehmlich libanesische und palästinensische Gefangene frei. Die Gegenseite ließ einen israelischen Geschäftsmann gehen und übergab drei tote Soldaten. Wie auch schon bei den vorangegangenen Deals hat auch diesmal Gerhard C., ein im Nahen Osten bestens verdrahteter Mitarbeiter des Bundesnachrichtendiensts, die Mittlerrolle übernommen.

"Deutschland hat das Vertrauen beider Seiten"

"Deutschland hat das Vertrauen beider Seiten, weil es über Jahre hinweg bewiesen hat, dass es ein uneigennütziger, ehrlicher Vermittler ist", erklärt Kamel Wazne in Beirut die deutsche Sonderrolle in der Geheimdiplomatie. Wazne ist als ein der Hisbollah nahe stehender Kommentator gefragter Gesprächspartner westlicher Medien, wenn es darum geht, die Denke der "Partei Gottes" zu erklären. "Deutschland hat immer in die Tat umgesetzt, was es versprochen hat, das hat seinen Vertretern bei der Hisbollah große Glaubwürdigkeit beschert."

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