Flüchtlingskrise im Nahen Osten Libanon erhält Milliardenhilfen von internationaler Gemeinschaft

Kein anderes Land in der Region hat so viele Flüchtlinge aufgenommen wie der Libanon. Nun sagte die internationale Gemeinschaft finanzielle Unterstützung zu - in Höhe von elf Milliarden Dollar.

Saad Hariri und Emmanuel Macron
AP

Saad Hariri und Emmanuel Macron


Angesichts der Belastungen durch den Krieg im Nachbarland Syrien hat die internationale Gemeinschaft dem Libanon Milliardenhilfen zugesagt. Vertreter zahlreicher Länder und Organisationen kündigten bei einer Konferenz in Paris insgesamt elf Milliarden Dollar (knapp neun Milliarden Euro) an zinsgünstigen Krediten und Hilfszahlungen an.

An dem Treffen nahmen Vertreter von rund 40 Ländern sowie der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) teil. Die Investitionen sollen eine politische Stabilisierung des Landes gewährleisten. Den größten Einzelbetrag sagte die Weltbank zu. Sie will vier Milliarden Dollar über die kommenden fünf Jahre zur Verfügung stellen. Saudi-Arabien versprach, eine Kreditlinie von einer Milliarde Dollar zu verlängern, die bisher vom Libanon nicht abgerufen wurde.

Von europäischer Seite stellte Frankreich mit 550 Millionen Euro an Krediten und Spenden den größten Einzelbetrag in Aussicht. Kürzlich hatte Paris bereits Militärhilfe in Höhe von 14 Millionen Euro versprochen.

Die Beziehungen zwischen Paris und Beirut sind traditionell eng, Frankreich war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Mandatsmacht des Libanon. Die Niederlande sagten nach französischen Angaben weitere 300 Millionen Euro zu, die Europäische Union 150 Millionen Euro und Großbritannien und Italien jeweils 120 Millionen.

Mehr als eine Millionen Syrer leben im Libanon

Das Land mit gut sechs Millionen Einwohnern hat mehr als eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen. Dazu kommen hunderttausende Palästinenser, die wegen des Konflikts mit Israel zumeist schon seit Jahrzehnten im Libanon leben.

Die Welt müsse dem Libanon ihre "volle Solidarität" beweisen, betonte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Unterstützung für das Land sei umso wichtiger als der Krieg in Syrien weiter andauere und eine baldige Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat nicht möglich sei.

Im Verlauf der Syrien-Krise brach die Wirtschaftsleistung des Libanon massiv ein. Das Wachstum beträgt nur noch ein Prozent, vor der Krise waren es acht Prozent. Die finanziellen Verluste belaufen sich nach Einschätzung der Weltbank auf 18 Milliarden Euro.

Das Treffen fand einen Monat vor der Parlamentswahl im Libanon statt, von der sich der Westen eine Stabilisierung des Landes erhofft. Es ist die erste Wahl seit neun Jahren.

Im Herbst war der Libanon in eine politische Krise gestürzt. Regierungschef Saad Hariri verkündete während eines Aufenthalts in Saudi-Arabien überraschend seinen Rücktritt. Dies führte zu Spekulationen, das saudi-arabische Königshaus habe ihn dazu gezwungen. Auf Intervention Frankreichs kehrte Hariri schließlich über Paris nach Beirut zurück, wo er seinen Rücktritt zurückzog.

bam/AFP



insgesamt 3 Beiträge
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sgk43 07.04.2018
1. So geht Pragmatismus
Eine sehr pragmatische Lösung, hoffentlich geht dieser Deal sauberer aus als der mit der Türkei, die Finanzhilfen sind vielleicht für den Anfang eine gute Maßnahme, Flüchtlingen ein würdiges Leben ohne Krieg zu bieten, und gleichzeitig die rechten Stimmen zu besänftigen, da ja die Flüchtlinge nicht zu uns kommen. Warum die UN sowas nicht hinkriegt ist angesichts der Finanzierung von ein paar Milliarden jährlich dann halt offensichtlich. Schade dass solche Aufgaben jetzt von Einzelaktionen übernommen werden.
nichtinstimmung 07.04.2018
2. Ach ja, der Libanon,
hat die syrischen Flüchtlinge übrigens nicht freiwillig aufgenommen oder gar "hier" gerufen, sondern das desaströse Staatswesen des Libanon konnte den Zustrom schlicht nicht verhindern. Und der Libanon versorgt die Flüchtlinge auch nicht, denn der Libanon kann nicht einmal den Müll von den Straßen Beiruts räumen oder durchgängig für Strom sorgen, das tut die UNHCR, wo das Geld viel besser aufgehoben wäre. Dazu kommt: In Teilen der libanesischen Bevölkerung sind die Syrer gar nicht so wohl gelitten,- die erinnern sich nämlich daran, wie grosse Teile des Libanon unter syrischer Besatzung standen und wie sich die Syrer seinerzeit verhielten. Es ist anzunehmen das, wie so oft in dieser Weltgegend, das Gold ohnehin in den Taschen der örtlichen Clanchefs versickert....
Idinger 07.04.2018
3. Endlich
kommt auch die Hisbollah an die internationalen Fleischtöpfe. Dann kann das Aufrüsten der Miliz ja verstärkt werden - und die Terroristen-Aktivisten erhalten auch eine späte Belohnung für ihre Taten; eine echte Verwendungskontrolle für die zugesagten Milliarden wäre ja mit der Souveränität des Libanon nicht vereinbar..
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