Libanon-Krieg Israel übergibt Karten zu Streubombeneinsatz

Israel hat der Uno Kartenmaterial übergeben, in dem die Orte vermerkt sind, wo die Luftwaffe im Libanon-Krieg Streubomben einsetzte. Für rund 300 Zivilisten kommt der Schritt zu spät. Sie wurden durch verzögert explodierende Bomben verstümmelt oder getötet.


Beirut - Fast drei Jahre nach Ende des jüngsten Libanon-Krieges hat Israel der Uno-Schutztruppe eine Landkarte mit Orten übergeben, an denen die israelische Luftwaffe die völkerrechtlich umstrittenen Streubomben eingesetzt hat.

Geächtete Waffen: Streubomben nahe der libanesischen Stadt Ouazaiyeh
AP

Geächtete Waffen: Streubomben nahe der libanesischen Stadt Ouazaiyeh

Das wurde aus Kreisen der Vereinten Nationen am Mittwoch bekannt. Den Angaben zufolge haben israelische Kampfflugzeuge während des 33 Tage dauernden jüngsten Libanon-Krieges gegen die pro-syrische Hisbollah im Jahr 2006 mehr als vier Millionen kleiner Sprengkörper - verpackt in größere Bomben - über dem Libanon abgeworfen.

Die Sprengkörper können auch nach dem Auftreffen auf den Boden noch explodieren und sind lange Zeit nach dem Abwurf gefährlich. Die libanesische Armee, die die Unterlagen laut Uno inzwischen in den Händen hält, kritisierte die späte Übergabe. "Das Kartenmaterial hätte unmittelbar nach Ende des Krieges im Jahr 2006 übergeben werden sollen", hieß es aus der Armeeführung.

Die Vereinten Nationen hatten Israel mehrfach aufgefordert, die Karten zu übergeben, um die Munition aufspüren zu können und weitere Opfer in der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Bisher wurden seit Kriegsende nach Uno-Angaben 300 Zivilisten durch verzögert explodierende Streubomben im Libanon getötet oder verstümmelt.

Israel hatte nach Ende des Krieges Flüchtlinge vor der Rückkehr in den Libanon gewarnt. Doch nur Stunden nach Beginn des Waffenstillstands starb damals ein Kind durch eine explodierende Streubombe. Im Dezember 2008 hatten über 100 Staaten eine internationale Konvention zur Ächtung von Streubomben unterzeichnet. Die Hauptproduzenten von Streumunition - darunter Israel, die USA, China, Russland, Indien und Pakistan - waren nicht darunter.

bim/dpa



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