Libanon-Krieg Weiterer Flüchtlingsstrom erreicht Zypern

In den Notaufnahmelagern auf Zypern wird es eng. Am Morgen erreichten mehr als tausend Kanadier auf ihrer Flucht aus dem Libanon die Mittelmeerinsel. Im Laufe des Tages wird mit der Ankunft von 15 Schiffen mit zahlreichen weiteren Flüchtlingen gerechnet.


Larnaca - Insgesamt gelangten bislang mehr als 30.000 Menschen aus dem Libanon nach Zypern. Ein Ende des Flüchtlingsstroms ist noch nicht abzusehen, auch wenn die USA und Großbritannien angekündigt haben, ihre Rettungsmaßnahmen herunterzufahren. Die Behörden Zyperns rechnen mit mindestens 40.000 weiteren Menschen, die auf der Insel Zuflucht suchen werden. Viele der Kanadier, die heute ankamen, bestätigten, dass immer noch zahlreiche Menschen im Libanon festsitzen. "Tausende Leute warten da drüben noch. Es ist sehr voll", sagte der 16-jährige kanadische Libanese Hussein Kalas.

Libanon-Flüchtlinge in einer Basketball-Halle: Immer mehr Menschen treffen auf Zypern ein
REUTERS

Libanon-Flüchtlinge in einer Basketball-Halle: Immer mehr Menschen treffen auf Zypern ein

Gestern kamen im Hafen von Limassol unter anderem mit dem amerikanischen Truppentransportschiff "USS Nashville" tausend Flüchtlinge an. Das von den USA gecharterte Kreuzfahrtschiff "Orient Queen" wird mit weiteren tausend Menschen erwartet. Insgesamt sind nach Angaben des US-Botschafters in Beirut bislang 10.000 Amerikaner aus dem Libanon evakuiert worden, wie der Sender CNN berichtete.

Der zyprische Präsident Tassos Papadopoulos rief die Europäische Union am Samstagabend auf, mehr Hilfe zu leisten. Bislang habe nur Finnland, das den Ratsvorsitz der EU hat, auf Appelle reagiert, dass auch andere Länder den Flüchtlingsstrom aufnehmen sollten. "Angesichts unserer begrenzten Möglichkeiten, haben wir uns schon selbst übertroffen", sagte der Präsident. Auf die Frage, ob andere Länder genug getan hätten, um dem Land zu helfen, sagte er: "Ich denke, sie hätten wesentlich mehr tun könnten."

Angesichts der humanitären Tragödie im Süden des Libanons haben die Vereinten Nationen inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar (79 Millionen Euro) für dringende Hilfen gefordert. Er werde heute in der libanesischen Hauptstadt Beirut einen entsprechenden Appell an die internationale Gemeinschaft richten, kündigte der Uno-Koordinator für Nothilfe (OCHA), Jan Egeland, an. Er reise im Auftrag von Uno-Generalsekretär Kofi Annan in die Krisenregion.

Mehr als 500.000 Menschen seien wegen der israelischen Luftangriffe im Libanon auf der Flucht, sagte der norwegische Diplomat gestern. Sie benötigten vor allem Lebensmittel, Trinkwasser, Medizin, Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen. Mit der israelischen Regierung wolle er morgen über Korridore für Hilfslieferungen sprechen, die in den kommenden Tagen eingerichtet werden sollen. "Ich habe an die israelische Regierung appelliert und auch die libanesische Führung gebeten, für alle Hilfskonvois und Helfer einen sicheren Zugang zu ermöglichen."Bislang habe Israel aber noch keine Garantien für den sicheren Transport von Hilfsgütern in das südlibanesische Kriegsgebiet gegeben.

Solange es keine sicheren Korridore gebe, könnten die Hilfsorganisationen auch nicht die "Hunderttausenden in der Stunde ihrer größten Not" erreichen, hatte Egeland gestern der Nachrichtenagentur Reuters bei einem Besuch in Beirut gesagt. "Es ist entweder zu gefährlich, oder es ist wegen der Zerstörungen physisch unmöglich zu ihnen zu gelangen."

Die Vereinten Nationen wollen laut Egeland drei sichere Korridore vom Meer aus einrichten. Darüber hinaus verlangten die Vereinten Nationen einen sicheren Zugang auf dem Landweg nach Beirut sowie Landemöglichkeiten für Flugzeuge.

lan/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.