Gefangenaustausch mit Nusra-Front Libanon lässt Baghdadis Exfrau frei

Monatelang waren 16 libanesische Soldaten in der Gewalt der Nusra-Front, einem Qaida-Ableger. Jetzt wurden sie im Austausch gegen Gefangene des libanesischen Staats freigelassen - darunter eine Ex-Ehefrau von IS-Chef Baghdadi.

Nusra-Kämpfer in Ariha: Gefangenenaustausch nach monatelangen Verhandlungen
REUTERS

Nusra-Kämpfer in Ariha: Gefangenenaustausch nach monatelangen Verhandlungen


Libanons Regierung und die radikale Nusra-Front haben am Dienstag Gefangene ausgetauscht: Der Qaida-Ableger ließ 16 libanesische Soldaten frei. Im Gegenzug wurden 13 Häftlinge mit Verbindungen zur Nusra-Front freigelassen, hieß es aus Sicherheitskreisen in Beirut. Darunter seien auch fünf Frauen.

Wie der TV-Sender Al-Jazeera meldete, zählt auch Saja al-Dulaimi zu diesen Gefangenen. Sie war mit dem Chef der Extremisten-Organisation "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, verheiratet. Al-Jazeera zeigte Live-Bilder des Gefangenenaustausches, Fahrzeuge des Roten Kreuzes fuhren auf.

Dulaimi war im Dezember 2014 aufgegriffen worden. Sie habe versucht, mit gefälschten Papieren aus Syrien in den Libanon einzureisen, sagten damals Behördenvertreter.

Dulaimi wurde der Nusra-Front mit ihren drei Kindern übergeben. Die Frau, die einen grauen Gesichtsschleier trug, behauptete gegenüber anwesenden Journalisten, sie habe sich bereits vor sechs oder sieben Jahren von Baghdadi scheiden lassen, also vor seinem Aufstieg in den Reihen der Dschihadistenmiliz. Dulaimi sagte dem Sender, sie wolle sich nun in der Türkei niederlassen. Ihr Bruder gehöre der Nusra-Front an.

Die Soldaten hatte die Nusra-Front im August vergangenen Jahres in der libanesischen Grenzstadt Arsal in ihre Gewalt gebracht. Dort fand nun auch der Gefangenenaustausch statt, den beide Seiten monatelang verhandelten. Vermittelt wurde er von einem Vertreter des Golfemirats Katar.

Die Nusra-Front übergab auch die Leiche eines von ihr getöteten libanesischen Soldaten. Teil des Abkommens sind auch Hilfstransporte nach Arsal. Die Grenzstadt ist eine Hochburg der in Syrien kämpfenden Nusra-Front. Neun Soldaten, die in der Gewalt des IS sein sollen, fielen jedoch nicht unter die Abmachung, hieß es aus den libanesischen Sicherheitskreisen weiter.

heb/syd/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.