Libanon Mehrere Tote bei Anschlag auf Politiker in Beirut

Das Zentrum der libanesischen Hauptstadt Beirut ist von einer schweren Explosion erschüttert worden. Offenbar richtete sich der Anschlag gegen den ehemaligen Finanzminister Mohammed Schatah. Der Politiker und mehrere weitere Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

REUTERS

Beirut - Das Zentrum der libanesischen Hauptstadt Beirut ist von einem schweren Anschlag erschüttert worden. Die Detonation ereignete sich nahe der Uferstraße in der Nähe mehrerer Hotels und Banken. TV-Bilder vom Ort der Explosion zeigten schwere Schäden an Gebäuden und Autos. Nach Angaben von Medizinern vor Ort gab es mehrere Tote, mindestens 70 Menschen wurden verletzt.

Offenbar richtete sich das Attentat gezielt gegen die Wagenkolonne des Politikers Mohammed Schatah. Der 52-Jährige wurde getötet. Der Sprengsatz soll in einem Auto versteckt gewesen sein. Schatah war von 1997 bis 2000 Botschafter seines Landes in den USA. Später amtierte er als libanesischer Finanzminister.

Der Tatort liegt nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem im Februar 2005 der ehemalige libanesische Regierungschef Rafik Hariri bei einem Bombenanschlag getötet wurde. Ein Sondertribunal in Den Haag hat mehrere Mitglieder der Hisbollah-Miliz wegen Mordes an Hariri angeklagt, die Männer sind auf der Flucht. Schatah galt enger Vertrauter und Berater von Rafik Hariri und dessen Sohn Saad, der von 2009 bis 2011 an der Spitze der Regierung stand.

Syrien-Krieg spaltet den Libanon

In den vergangenen Monaten war der Libanon immer stärker in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen worden. Das Land ist gespalten zwischen Unterstützern von Präsident Baschar al-Assad - allen voran die schiitische Hisbollah - und sunnitischen Anhängern der Aufständischen in Syrien. Schatah gehörte wie die Hariris dem Lager der Assad-Gegner im Libanon an.

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Attentat auf Ex-Minister: Bombenanschlag in Beirut

In seinem letzten Tweet, den er kurz vor dem Attentat absetzte, schrieb Schatah: "Die Hisbollah macht Druck, um die gleiche Macht in Fragen der Sicherheits- und Außenpolitik zu bekommen, die Syrien 15 Jahre lang im Libanon ausgeübt hat." Schatah soll auf dem Weg zu einem Treffen der Zukunftsbewegung, der Partei von Saad Hariri, gewesen sein, als die Bombe explodierte. Hariri selbst ist aus Sicherheitsgründen seit Monaten nicht in den Libanon zurückgekehrt.

Im November hatte der Anschlag auf die iranische Botschaft im Süden Beiruts mehr als 20 Todesopfer gefordert. Zuvor gab es weitere Attentate auf schiitische Wohngegenden. Das Attentat vom Freitag ist das erste seit Jahren, das sich direkt im Zentrum der Hauptstadt ereignete.

Politiker aller libanesischen Parteien verurteilten den Anschlag. Der amtierende Regierungschef Nadschib Mikati unterbrach seinen Urlaub.

syd

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insgesamt 3 Beiträge
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mainhattan 27.12.2013
1. Beirut
Warum man Assad seitens der Amerikaner nicht schon längst angeboten hat, ihm zu helfen, die Terroristen in seinem Lande unschädlich zu machen und das Land mit westlicher Hilfe wieder aufzubauen und damit seine Macht zu festigen. Im Gegenzug dazu erkennt Assad Israel an und schraubt seine Beziehungen zum Iran und zur Hisbollah zurück, vor allem liefert keine Waffen mehr an die Hisbollah.
mike75074mike 27.12.2013
2. immer wieder erstaunlich wieso
solche Anschläge nur weit weg von Berlin passieren. Ist das nun etwas Gutes oder eher etwas Schlechtes?
thinkrice 27.12.2013
3.
Zitat von mainhattanWarum man Assad seitens der Amerikaner nicht schon längst angeboten hat, ihm zu helfen, die Terroristen in seinem Lande unschädlich zu machen und das Land mit westlicher Hilfe wieder aufzubauen und damit seine Macht zu festigen. Im Gegenzug dazu erkennt Assad Israel an und schraubt seine Beziehungen zum Iran und zur Hisbollah zurück, vor allem liefert keine Waffen mehr an die Hisbollah.
Das Problem: Die Amerikaner und die EU haben bereits vor dem Ausbruch der Unruhen versucht, Syrien auf diplomatischen Wege aus der Iran-Syrien-Hisbollah-Achse herauszubrechen. Die Bemühungen wurden dann jedoch durch die Aufstände und die Abtrittsforderungen zunichte gemacht. Syrien weiß jetzt genau, dass es sich im Fall der Fälle nur auf den Iran und Russland verlassen kann. Es wird sicherlich in nächster Zeit niemals das Bündnis zugunsten einer Annäherung an die USA aufgeben. Darüber hinaus bedarf es der offiziellen Feindschaft zu Israel um eine Legitimation als Widerstandsmacht zu erhalten. BTT: Man kann nur hoffen, dass die Libanesen besonnen bleiben und es nicht zu einer Eskalation der Gewalt kommt. Solche Anschläge sind allesamt zu verurteilen!
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