Wegen Iran und Hisbollah Libanons Ministerpräsident tritt zurück

Weil er um sein Leben bange, ist Libanons Ministerpräsident Saad Hariri zurückgetreten. Er warf der Hisbollah und dem Iran vor, das Land kontrollieren zu wollen. Sein Rücktritt dürfte die Spannungen in der Region verschärfen.

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Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri ist zurückgetreten und begründet das mit Angst um sein Leben. Das politische Klima im Land sei ähnlich wie vor der Ermordung seines Vaters Rafik Hariri, sagte er am Samstag in einer TV-Ansprache. "Ich spüre, dass eine Verschwörung läuft, die auf mein Leben abzielt."

Iran und der schiitischen Hisbollah-Miliz warf Hariri vor, das Land unter ihre Kontrolle bringen zu wollen. Der 47-Jährige war erst seit Ende vergangenen Jahres Regierungschef einer breiten Koalition in dem Land am Mittelmeer. In dem Kabinett sind fast alle wichtigen politischen Parteien des Landes vereint, darunter auch die Hisbollah.

Die Koalition galt als politischer Erfolg nach jahrelangen Konflikten. Hariris Rücktritt dürfte die Spannungen in der Land und in der ganzen Region verschärfen. Libanons Parlament ist tief gespalten zwischen dem von den USA und dem sunnitischen Saudi-Arabien unterstützten Lager um Hariri und einem von der schiitischen Hisbollah angeführten Block, der von Iran und Syrien unterstützt wird.

Das iranische Außenministerium bezeichnete die Vorwürfe Hariris als "unbegründet". Dessen Rücktritt sei "Teil eines neuen Szenarios, um Spannungen im Libanon und in der Region zu schüren", sagte Ministeriumssprecher Bahram Ghassemi am Samstag in Teheran. Er wies jede Einmischung Teherans in die inneren Angelegenheiten des Libanon zurück.

Saudi-Arabien und Iran ringen um Vorherrschaft

Seit Freitag hält sich Hariri in Saudi-Arabien auf. In der vergangenen Woche hatte er das Land zweimal besucht und mit Kronprinz Mohammed bin Salman sowie weiteren ranghohen Politikern gesprochen. Das sunnitische Saudi-Arabien ringt mit dem schiitischen Iran um die politische Vorherrschaft im Nahen Osten und der Golfregion.

Rafik Hariri war 2005 bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen, der den Libanon an den Rand eines Bürgerkrieges brachte. Die Opposition machte Syrien für den Anschlag verantwortlich. Das Attentat löste Massenproteste aus, die dazu führten, dass Syrien sein Militär nach 29 Jahren aus Libanon abzog. Ein UN-Tribunal klagte fünf Mitglieder der Hisbollah an. Sowohl die Hisbollah als auch Syrien weisen zurück, etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben.

Das politische System Libanons ist eine fragile Balance zwischen den Religionsgruppen der Christen, Muslime und Drusen. Staatschef ist Michel Aoun, ein maronitischer Christ. Die Hisbollah (Partei Gottes) entstand 1982 mit iranischer Unterstützung als Antwort auf die israelische Invasion im Libanon. Seitdem kämpft sie politisch, aber auch mit Gewalt gegen Israel und für die Errichtung einer "Herrschaft des Islams".

lov/AFP/dpa/Reuters



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voiceecho 04.11.2017
1. Erfolgloser MP!
Hariri tritt zum 2.Mal vom Amt, beide Male war er erfolglos, er hat nie das Format seines sehr erfolgreichen und ermordeten Vaters Rafik nie erreicht und wird es nie erreichen! Er hat nicht den Gespür für feine Balance der Politikeigenheiten des Libanons. Er gilt als Marionette Saudi Arabiens und glaubt dauerhaft an Verschwörungen gegen sich ohne je ein Beweis zu liefern. Er tritt immer zurück, wenn die Auseinandersetzung hart wird. Diesmal wird es aber sehr schwierig für ihn werden, sich und seine Position durchzusetzen, denn er war derjenige, der die aktuelle Allianz mit der Hisbollah abgeschlossen hat und mit ihr die aktuelle Regierung gebildet hat! Er war auch derjenige, der die Wahl des Hisbollah nahen Präsidenten Auon ermöglicht hatte. Er wirkt Unglaubwürdigkeit, wenn jetzt wieder
chardon 04.11.2017
2. Hariri wird schon Recht haben.
Seit dem "Abkommen Sykes-Picot" vor 100 Jahren, 1917, mit dem sich Frankreich und Grossbritannien das Osmanische Reich im Nahen Osten untereinander aufgeteilt haben, kann es dort keine echte Ruhe und schon gar keinen Frieden geben. Grenzen wurden nach eigenen Vorstellungen künstlich gezogen. Später kommt dann noch Israel hinzu.
Oberleerer 04.11.2017
3.
Die Hälfte des Artikels zählt die religiösen Gruppen auf, die angeblich um Einfluß ringen. Drusen und "marodierende" Christen und allerlei Islamisten. Es geht aber nicht um Religion. Es geht um Einfluß in der geopolitisch wichtigen Lage mit Anschluß ans Meer und damit wohl auch um Öl- und Gasterminals. Es wäre schön, wenn die Interessenten mit ihren wirtschaftlichen Interesssen benannt würden, statt auf so ein Religionsgeschwurbel auszuweichen. Religion ist das Opium fürs (dumme) Volk. Solche Artikel bestätigen die notwendigkeit naturwissenschaftlicher Bildung für die breite Bevölkerung.
UnitedEurope 04.11.2017
4.
Traurig, aber normal. Der Libanon wird ein Spielball der USA, Israel, Iran, Syrien, Russland und vllt noch bald der Türkei oder China bleiben.
krauseberg 04.11.2017
5. 1. Erfolgloser MP! -???
Was macht den Mann unglaubwürdig? Er hat versucht den Frieden im Lande zu erhalten und gibt jetzt zu das er gescheitert ist. An seiner Stelle würde ich auch nicht als Märtyrer sterben wollen. Das der Iran und die Hizzbollah in Syrien Krieg führen ist ja kein Geheimnis und das Assad-Regime könnte ohne diese beiden Akteure nicht überleben.
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