Wegen Krise im Libanon Saudi-Arabien und Kuwait warnen Landsleute

Die politische Krise im Libanon spitzt sich zu: Saudi-Arabien und Kuwait haben ihre Landsleute aufgefordert, den Staat zu verlassen. Auch Emmanuel Macron hat sich überraschend eingeschaltet.

Saad Hariri
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Saad Hariri


Wegen der politischen Krise im Libanon haben Saudi-Arabien und Kuweit ihre Staatsagehörigen am Donnerstag aufgefordert, das Land schnell zu verlassen. Dies meldete die amtliche saudi-arabische Nachrichtenagentur unter Berufung auf das Außenministerium. Aus dem kuwaitischen Außenministerium hieß es, der Schritt sei eine "Vorsichtsmaßnahme".

Zuvor hatte der Golfstaat Bahrain seinen Landsleuten dasselbe geraten. Die Ankündigungen befeuerten die Sorge, dass dem Libanon erneut ein Bürgerkrieg drohen könnte.

Vor wenigen Tagen hatte der libanesische Regierungschef Saad Hariri von Saudi-Arabien aus überraschend seinen Rücktritt erklärt: Er fühle sich bedroht und bange um sein Leben. Dem Iran und der schiitischen Hisbollah-Miliz warf der sunnitische Politiker vor, im Libanon einen "Staat im Staat" geschaffen zu haben.

Seither verstärkten sich die Spannungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien noch zusätzlich. Am Tag des Rücktritts gab es in Saudi-Arabien Anti-Korruptions-Razzien, bei denen nach offiziellen Angaben mehr als 200 Verdächtige festgenommen wurden, darunter Prinzen, Politiker und Geschäftsleute. Kronprinz Mohammed bin Salman räumt derzeit unliebsame Rivalen aus dem Weg.

Macron will sich einschalten

Der wichtigste politische Gegenspieler Saudi-Arabiens, Iran, hatte dem Königreich nach dem Rücktritt Hariris vorgeworfen, sich in die inneren Angelegenheiten des Libanons einzumischen und Hariri zum Rücktritt gezwungen zu haben. (Warum die gegenseitigen Angriffe nur vordergründig mit dem Libanon zu tun haben, lesen Sie in dieser Analyse.)

Der libanesische Außenminister Gebran Bassil twitterte am Donnerstag, Hariri solle zurückkommen. Bassil ist der Schwiegersohn von Staatspräsident Michel Aoun, der Hariris Rücktritt noch nicht angenommen hat. In der Region wird spekuliert, dass Hariri gegen seinen Willen in Saudi-Arabien festgehalten wird. Er hat auch die saudi-arabische Staatsbürgerschaft, seine Frau und Kinder leben in dem Königreich.

Auf Fragen nach Hariris Schicksal antwortete sein Büro im Libanon, er habe sich am Donnerstag in seinem Haus in Riad mit dem französischen Botschafter François Gouyette getroffen.

Am Donnerstagabend wurde der französische Präsident Emmanuel Macron in Riad erwartet. Er wolle mit Kronprinz Mohammed bin Salman sprechen, kündigte Macron überraschend bei einem Besuch in Dubai an. Frankreich habe eine Rolle als "Friedensstifter", sagte Macron.

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Saudi-Arabien: Der junge, starke Mann von Riad

mja/AP/dpa



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