Libanon Wie die Hisbollah Drogengeld wäscht

Bis zu 200 Millionen Dollar hat die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah angeblich über die Lebanese Canadian Bank gewaschen - monatlich. Das Geld stammt laut US-Finanzministerium aus dem Drogenhandel und soll die Macht der radikalen "Partei Gottes" stärken.

Von Ulrike Putz, Beirut

AP

Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah ist tief in den internationalen Drogenhandel verstrickt und betreibt Geldwäsche im ganz großen Stil. Erstmals sind nun Details der Vorwürfe bekannt geworden, die das US-Finanzministerium bereits im Februar erhoben hat.

Die "New York Times" veröffentlichte an diesem Mittwoch einen Bericht, in dem sie nachzeichnet, wie die radikale "Partei Gottes" Drogengeld unter anderem dafür verwendet haben soll, Land in von anderen Konfessionsgruppen bewohnten Regionen des Libanon aufzukaufen. Die Miliz soll so versuchen, sich in dem von religiösen Konflikten zerrissenen Zedernstaat langfristig einen strategischen Vorteil zu sichern.

Schaltstelle der Machenschaften der Hisbollah soll nach Aussagen der US-Ermittler die Lebanese Canadian Bank gewesen sein, die inzwischen zerschlagen und verkauft wurde. Am Dienstag erhob die Staatsanwaltschaft des US-Staats Virginia in diesem Zusammenhang Anklage gegen Aiman Schumaa. Der Libanese soll neben Drogenhandel auch die Geschäfte der Hisbollah mit der Lebanese Canadian Bank abgewickelt haben.

Geheimdienste und Polizei weltweit vermuten seit langem, dass die Hisbollah auch Drogengeld nicht verschmäht, wenn es um die Finanzierung ihres bewaffneten Kampfes um die Vormachtstellung im Libanon und gegen ihren Erzfeind Israel geht. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt seit 2009 wegen Geldwäsche gegen eine libanesische Großfamilie im Raum Speyer. Jahrelang, so der Verdacht, sollen Wissam T. und andere Mitglieder seiner weitverzweigten Familie Millionengewinne aus dem Kokainhandel nach Beirut geschmuggelt haben.

Geldwäscherparadies zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay

Da zumindest Teile der Kokain-Millionen der Hisbollah zugekommen sein sollen, steht auch der Verdacht der Terrorfinanzierung im Raum. Das britische Fachmagazin "Jane's Intelligence Review" berichtete Anfang 2009 von einem Geldwäscherparadies im Dreiländereck zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay, in dem rund 25.000 Menschen arabischen Ursprungs leben und in dem die Palästinensergruppe Hamas sowie die Hisbollah laut US-Kongress über erheblichen Einfluss verfügen sollen.

Die US-Ermittler waren den Geldwäschern der Miliz schon 2007 auf die Schliche gekommen: Damals ließ sich Chekri Mahmud Harb, ein libanesisch-stämmiger Kolumbianer, unwissentlich auf einen Kokain-Deal mit einem V-Mann der US-Behörde zum Kampf gegen den Drogenhandel ein. Auf verschlungenen Wegen führte Harb die Ermittler zu Schumaa und der Lebanese Canadian Bank (LCB), die - inzwischen in neuem Besitz - 35 Filialen im Libanon betreibt. Ein internationales Team von Rechnungsprüfern fand schließlich fast 200 Konten, über die monatlich Hunderte Millionen Dollar umgeschlagen und legalisiert worden seien.

Die Konten sollen von einem Netz von Frontmännern unter der Führung von Schumaa eingerichtet worden sein. Akteure sollen der "New York Times" zu Folge vor allem schiitische Geschäftsleute mit Draht zu der von Hassan Nasrallah geführten Hisbollah gewesen sein. Spuren der Transaktionen führten demnach auch nach Westafrika, in dem libanesische Familien traditionell ganze Industrie- und Geschäftszweige dominieren. Auch Händler sogenannter Blutdiamanten seien in die Machenschaften involviert. Laut dem Finanzministerium sollen Schumaa und seine Männer im Auftrag der in den USA auf der Liste der Terrororganisationen stehenden Hisbollah gehandelt haben.

Bis zu 200 Millionen Dollar Drogengeld monatlich

Aufsehenerregend sind die Summen, die die Handlanger der Miliz gewaschen haben sollen: Das US-Finanzministerium spricht in seinem Bericht von bis zu 200 Millionen Dollar Drogengeld monatlich, die über die Konten der LCB gelaufen sein sollen. Ein US-Ermittler sagte der "New York Times", das Geschäftsvolumen der Schiitenmiliz lasse das der Mafia vergleichsweise klein aussehen. "Die gehen vor wie die Gambinos auf Anabolika", sagte der Agent der Zeitung mit Bezug auf die Milizionäre. Die Gambinos sind eine der fünf Mafia-Familien, die die Geschäfte der Bande in New York dominieren.

Erstaunlich sind die von den USA aufgerufenen Zahlen auch deshalb, weil sie den Einfluss Irans auf die Hisbollah in neuem Licht erscheinen lassen. Nach Schätzungen von US-Geheimdiensten sponsert Teheran die "Partei Gottes" mit einer Geldspritze von etwa 200 Millionen Dollar jährlich. Verglichen mit den über die LCB-Konten geflossenen Summen sind das fast schon Brosamen.

Die Enthüllungen kommen zu einem Zeitpunkt, wo die Hisbollah im Libanon zunehmend unter Druck steht. Zwar hat sie sich seit ihrem Krieg mit Israel im Sommer 2006 im fragilen Gleichgewicht des Landes als dominanter politischer Faktor etablieren können, doch gefährdet der Aufruhr im Nachbarland Syrien die Vormachtstellung der Miliz. Der seit nunmehr neun Monaten anhaltende Aufstand gegen das Damaszener Regime hat das Staatsgebäude des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ins Wanken gebracht.

Sollte er stürzen, verliert die Hisbollah einen ihrer größten Unterstützer in der Region. Zudem könnte ein Regimewechsel in Syrien die Miliz von ihrem Nachschub abschneiden: Es gilt als gesichert, dass Waffenlieferungen aus Iran an die Libanesen mit Wissen des jetzt dort noch herrschenden Regimes durch Syrien geschmuggelt werden.

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insgesamt 7 Beiträge
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ayhan38 14.12.2011
1. Ist es nicht Schlimm
Ich finde es ist schlimm, wie Hisbollah drogengelder wäscht. Aber auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergesseb, dass die Schweiz, die mit Ihrer Demokratie ein Bespiel sein möchte, jährlich 300- 500 Millirden Dollar Drogengelder ganz legal bei sich waschen lässt. Wer ist schlimm??
Alias_aka_InCognito 14.12.2011
2. Geld stinkt nicht
In dem Artikel geht aber nicht hervor, für wen genau die Hisbollah die Drogengelder wäscht. Nur ein kleiner Hinweis, dass es etwas mit Kokain und Südamerika zu tun hat. Das 200 Millionen monatlich gewaschen werden, heisst ja nicht, dass ihnen die 200 Millionen gehören. Das kann nur eine Provision sein, die ihnen zusteht. So gesehen ist die Hisbollah auf die 200 Millionen des Iran nach wie vor angewiesen, auch auf dessen Lieferungen von Kriegsmaterial. Aber auch hier gilt das Motto: "Pecunia non olet!" Es ist aber sehr zu bezweifeln, ob ein zukünftiges, sunnitisches Regime in Damaskus die Hisbollah noch unterstützen wird, insbesondere keine Waffenlieferungen des Iran mehr weiterleitet.
universaldillettant 14.12.2011
3. Ttt
Ja, da ist ja die Hisbollah in guter Gesellschaft. Seit langem ist bekannt, dass die CIA ihre durch Drogenhandel verdienten Dollars für das finanzieren von Operationen benutzt, die der Kongress nie bewilligt hätte.
mitbestimmender wähler 14.12.2011
4. Es lebt sich toll damit, Hier wie Dort
Zitat von ayhan38Ich finde es ist schlimm, wie Hisbollah drogengelder wäscht. Aber auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergesseb, dass die Schweiz, die mit Ihrer Demokratie ein Bespiel sein möchte, jährlich 300- 500 Millirden Dollar Drogengelder ganz legal bei sich waschen lässt. Wer ist schlimm??
Aber immerhin waschen Sie weniger weiss als all die Glücksspiel/Casino-Konzerne und Südafrikanischen/Ukrainischen Waffenschieber mit israelischem Pass. Aber noch schöner zu hören ist das die EU ein schwächeres Geldwäschereigesetz als die Schweiz hat und man dort um Faktoren mehr Podentatengelder hat.
intenso1 15.12.2011
5. ....
Zitat von ayhan38Ich finde es ist schlimm, wie Hisbollah drogengelder wäscht. Aber auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergesseb, dass die Schweiz, die mit Ihrer Demokratie ein Bespiel sein möchte, jährlich 300- 500 Millirden Dollar Drogengelder ganz legal bei sich waschen lässt. Wer ist schlimm??
Man sollte auch nicht vergessen, dass das CIA ihre Einsätze im Ausland auch teilweise mit gewaschenen Drogengeldern finanziert.
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