Bürgerkrieg in Libyen Dutzende Tote bei Kämpfen in Sirte

Brutal geht die Terrormiliz IS in Libyen gegen ihre Gegner vor. Laut lokalen Medien haben Kämpfer im Norden des Landes ein Krankenhaus gestürmt - und 22 Männer getötet. Ein Behördenvertreter sprach von einem "wahren Krieg".


Bei Gefechten zwischen bewaffneten örtlichen Kämpfern und Mitgliedern der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) sind im libyschen Sirte Dutzende Menschen getötet und verletzt worden. Ein Vertreter der örtlichen Behörden sagte, seit Dienstag gebe es in der Stadt im Norden des Landes einen "wahren Krieg". Genaue Angaben zur Zahl der Opfer konnte er nicht machen. Sirte gilt als Geburtsort des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi.

Lokale Medien berichteten, IS-Kämpfer hätten ein Krankenhaus gestürmt, 22 verletzte rivalisierende Milizionäre getötet und deren Leichname anschließend verstümmelt. Das Krankenhaus setzten sie den Angaben zufolge in Brand.

In Libyen herrscht seit dem Sturz und dem gewaltsamen Tod Gaddafis im Herbst 2011 Chaos, was sich die IS-Dschihadisten zunehmend zunutze machen. Die Städte werden von verfeindeten Milizen kontrolliert, während zwei Regierungen die Macht für sich beanspruchen. Im östlichen Tobruk ist das international anerkannte Parlament ansässig. Das nicht anerkannte Gegenparlament befindet sich in Tripolis.

Am Dienstag hatte der Chef der international anerkannten Regierung, Abdullah al-Thani, überraschend seinen Rücktritt ins Spiel gebracht. Kurz zuvor hatten die rivalisierenden Lager ihre Verhandlungen über die Bildung einer Einheitsregierung unter Uno-Vermittlung wieder aufgenommen.

kev/AFP/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Over_the_Fence 14.08.2015
1. Ganz toll
Super Interventionspolitik von unseren Freunden in Frankreich, UK & USA. Da haben wir ja mal wieder toll die Demokratie herbeigebombt. Für die Flüchtlingsströme interessieren sich diese Länder nicht. Die werden dann schön nach Deutschland weitergeleitet. Guido Westerwelle war insgesamt nicht wirklich überzeugend in seinem Amt als Aussenminister. Deutschland aber aus dieser Sauerei herausgehalten zu haben, ist ihm hoch anzurechnen. Auch wenn wir nun die Konsequenzen des Tuns unserer Bündnispartner ausbaden müssen.
Rainer_H 14.08.2015
2. Einheitliche Front gegen IS und Terrorismus erforderlich
In Libyen herrscht also seit dem Sturz und dem gewaltsamen Tod Gaddafis im Herbst 2011 Chaos, was sich die IS-Dschihadisten zunehmend zu Nutze machen, sagt SPON. Und wer war noch mal für den Sturz Gaddafis und die massiven Bombenangriffe zuständig und verantwortlich? Und warum sitzt bisher niemand dieser Verantwortlichen im Knast? Das wäre doch auch ein Thema für einen SPON-Artikel. Russland und China waren jedenfalls von Beginn an gegen die NATO-Bombardierungen Libyens, konnten sie aber leider nicht verhindern, was sie jetzt zutiefst bedauern. Russland bemüht sich jetzt um die Bildung einer einheitlichen und schlagkräftigen Front gegen den IS-Terrorismus, wobei das Assad-Syrien und sicher auch Ägypten auf jeden Fall zu dieser Front gehören sollten http://www.handelsblatt.com/politik/international/syrien-usa-und-russland-streiten-ueber-luftangriffe/12141810.html Dann könnten auch in Libyen wieder bessere Zeiten kommen. Aber die westlichen Medien mauern. Hat SPON schon darüber berichtet? Ach wo. Vielleicht kann er mal seine gemachten Fehler bei der Ant-Gaddafi-Propaganda durch eine zeitgemäße Berichterstattung über die Schaffung einer einheitlichen Front gegen den Terrorismus kompensieren?
knut99 14.08.2015
3. Katastrophe wiederholt sich in Syrien
Die Alliierten scheinen aus dem Desaster in Libyen nichts gelernt zu haben. Gaddafi, ja ein Diktator, sorgte für Ruhe unter den verfeindeten Stämmen. Das gleiche tut Assad in Syrien. Ist Assad weg, verfällt ein weiterer für arabische Verhältnisse stabiler Staat in ein Chaos. Die Profiteure werden auch hier radikale Islamisten sein.
gerhard38 14.08.2015
4. Armutszeugnis
Mit der Duldung der Ausbreitung des IS stellen sich die islamischen Länder wahrlich ein Armutszeugnis aus. Das gilt sowohl für die Regierungen als auch für die Kleriker und Bürger. Wenn die Muslime wirklich so stolz auf ihren Glauben wären und ihn so hoch schätzten, hätten sie diesem IS-Spuk, der im Namen des Islam mordet und plündert, längst ein Ende bereitet.
Mensch Meier 14.08.2015
5.
Das ist die blühende Demokratie, die die westliche Wertegemeinschaft dort mit ihren heldenhaften Bombaredements geschaffen hat.
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