Uno-Bericht Flüchtlinge in Libyen kehren angeblich immer öfter um

Libyen galt lange Zeit als wichtige Station für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Doch jetzt kehren offenbar immer mehr von ihnen freiwillig um. Die Uno hat eine Vermutung, woran das liegen könnte.

Flüchtlinge in Libyen
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Flüchtlinge in Libyen


Für Flüchtlinge wird die Lage im Bürgerkriegsland Libyen offenbar immer schwieriger. Wie die Uno mitteilte, sind in diesem Jahr mehr Migranten in ihre Heimatländer zurückgekehrt als nach Italien geflüchtet. Das geht aus Zahlen hervor, die die Uno-Organisation für Migration (IOM) am Dienstag in Genf veröffentlicht hat.

Nach Angaben der IOM hatten in Libyen bis Mitte Oktober mehr als 13.000 Menschen aus 32 Ländern Angebote zur Rückkehr in Anspruch genommen. Im gleichen Zeitraum seien knapp 12.500 Migranten und Flüchtlinge aus Libyen in Italien angekommen, so IOM-Sprecher Joel Millman.

Die Uno-Tochterorganisation unterstützt Rückkehrwillige mit Flügen und Starthilfen in den Herkunftsländern. Die IOM erklärt die veränderten Zahlen unter anderem mit verschärften Patrouillen der libyschen Küstenwache. Diese hatte aufgegriffene Flüchtlinge in den vergangenen Monaten verstärkt zurück an Land gebracht.

Die Zustände dort werden von Hilfsorganisationen seit Langem als menschenunwürdig kritisiert. In Berichten ist von Vergewaltigungen, Menschenhandel und systematischer Vernachlässigung die Rede (Lesen Sie hier unser Interview mit der Leiterin des Libyen-Programms von Ärzte ohne Grenzen).

Flüchtlingszahlen in Italien deutlich gesunken

Laut IOM kamen in diesem Jahr bislang außerdem etwa 9500 Bootsflüchtlinge in Italien an, die in Tunesien, Algerien, der Türkei und Griechenland abgelegt hatten. Damit sank die Zahl der in Italien ankommenden Flüchtlinge deutlich. Im vergangenen Jahr waren noch etwa 111.000 Flüchtlinge in Italien angekommen, ein Großteil davon aus Libyen.

Die rechtspopulistische Regierung in fährt in der Asylpolitik einen harten Kurs. Im Juli hatte ein italienisches Schiff Bootsflüchtlinge in einen libyschen Hafen gebracht und damit einen Eklat provoziert.

Das Uno-Flüchtlingshilfwerk UNHCR kritisierte die Rückführung damals deutlich: "Libyen ist kein sicherer Hafen, und diese Handlung könnte internationales Recht verletzt haben."

EU setzt weiter auf Zusammenarbeit

Ungeachtet dessen arbeitet die Europäische Union nach wie vor eng mit der umstrittenen libysche Küstenwache zusammen. Geplant ist unter anderem eine Leitstelle zur Seenotrettung an der libyschen Küste. Sie soll mit Geldern der EU entstehen und bis 2020 einsatzbereit sein. Die EU-Kommission veranschlagte dafür im Juli 2017 vorerst 46 Millionen Euro.

jpe/dpa/AFP/AP

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