Politik

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Kämpfe in Libyen

Flughafen von Tripolis unter Raketenbeschuss

Erst seit wenigen Tagen ist der Flughafen Matiga in Libyens Hauptstadt wieder geöffnet. Nun wurde er mit Raketen beschossen: Flüge werden umgeleitet, über mögliche Opfer gibt es bisher keine offiziellen Angaben.

AFP

Mitiga-Flughafen bei der Wiedereröffnung am 7. September

Mittwoch, 12.09.2018   04:59 Uhr

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In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist der einzige Flughafen, der noch in Betrieb ist, von Raketen beschossen worden. In lokalen Medienberichten hieß es, mehrere Menschen seien dabei verletzt worden. Ein Sprecher der Splittergruppe, die den Flughafen Mitiga im Osten der Stadt kontrolliert, sagte hingegen, Menschen oder Gebäude seien nicht zu Schaden gekommen.

Flugzeuge, die eigentlich Tripolis ansteuern wollten, wurden auf den Flughafen in der 190 Kilometer entfernt gelegenen Stadt Misrata umgeleitet. Es ist bisher unklar, wer für den Angriff verantwortlich ist.

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Erst vor knapp einer Woche hatten die Vereinten Nationen einen Waffenstillstand zwischen rivalisierenden Gruppen in der Hauptstadt vermittelt. Daraufhin war der Flughafen Mitiga wieder geöffnet worden.

Doch trotz der vereinbarten Waffenruhe war es zuletzt zu Zusammenstößen im Süden von Tripolis gekommen. Am Montag wurden nach offiziellen Angaben bei einem Angriff auf die Firmenzentrale der staatlichen Ölgesellschaft NOC zwei Beschäftigte erschossen und zehn weitere Mitarbeiter verletzt. Auch die drei Angreifer wurden getötet. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat das Attentat inzwischen über ihr Sprachrohr Amaq für sich reklamiert. Der Handel mit Rohöl ist die größte Einnahmequelle in Libyen.

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Seit dem Tod von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen im Chaos versunken. Drei Regierungen konkurrieren um die Macht im Land, Hunderte Milizen machen sich das Machtvakuum in weiten Teilen des nordafrikanischen Staates zunutze. Auch Zellen von Extremisten, unter anderem vom IS, werden im gesamten Land vermutet.

Tripolis wird gegenwärtig von vier großen Milizen kontrolliert. Formal hat jede von ihnen ihre Loyalität gegenüber der Einheitsregierung von Premierminister Fayez Sarraj erklärt. Tatsächlich ist es jedoch genau umgekehrt: Die Milizen haben sich die Regierung untertan gemacht, sie treffen die eigentlichen Entscheidungen in der Hauptstadt (mehr dazu erfahren Sie hier).

aar/Reuters/AFP/dpa

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