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Libyen: Radikale Islamisten zerstören muslimische Heiligtümer

In Libyen haben radikale Islamisten die Schreine islamischer Heiliger zerstört. In Tripolis sollen die Fundamentalisten mit schweren Baumaschinen angerückt sein, in der Stadt Slitan wurde Berichten zufolge ein Schrein gesprengt. Anwohner reagierten entsetzt.

Tripolis - Radikale Islamisten haben in der libyschen Hauptstadt Tripolis und in der Stadt Slitan zwei heilige Grabstätten zerstört: In Tripolis rückten die Fundamentalisten, wie auf Videoaufnahmen von der Aktion zu erkennen ist, am frühen Samstagmorgen mit schweren Baumaschinen an und rissen das Mausoleum von al-Schaab al-Dahmani nieder. Dabei stellte sich ihnen niemand in den Weg. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP wurde die Pilgerstätte dabei teilweise zerstört, das Grab des darin liegenden Weisen zudem entweiht.

Zuvor hatten radikale Islamisten bereits den Schrein von Scheich Abd al-Salem al-Asmar in der Stadt Slitan, 160 Kilometer östlich von Tripolis, gesprengt. Ein Internetvideo zeigte die Explosion, während im Hintergrund Jubelrufe zu hören waren.

Die Salafisten lehnen die Verehrung von Heiligen und die Sufi-Traditionen des Islam ab. Bewohner von Slitan und liberale Libyer kommentierten die jüngsten Attacken der Salafisten auf die beiden Schreine mit Entsetzen. Sie behaupteten, die Salafisten seien von sunnitischen Religionsgelehrten in Saudi-Arabien zu ihren Taten angestachelt worden.

In Slitan hatte es bereits in den vergangenen Tagen Gefechte gegeben, bei denen mindestens drei Menschen starben. Mehrere weitere Menschen seien verletzt worden, sagte ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Demnach wurde unter anderem mit Luft- und Panzerabwehrraketen gekämpft. Der Anlass für die Kämpfe war unklar. Die Behörden gingen zunächst von einem Streit zwischen zwei Stämmen aus, in dem ein Mordfall gerächt werden sollte. Auch eine Auseinandersetzung zwischen Zerstörern und Verteidigern des Mausoleums von Slitan schien aber möglich.

Seit dem Sturz des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi im vergangenen Oktober gab es in Libyen mehrfach tödliche Zusammenstöße zwischen Stämmen, unter anderem im Süden und Westen des Landes. Dabei ging es meist um Streitigkeiten aus der Vergangenheit oder um die Kontrolle von Schmuggelrouten an den Grenzen. Die neue Staatsführung ist wenig gefestigt, was zum Wiederaufflammen der Gewalt in Libyen in jüngster Zeit beitrug. Bei einem doppelten Sprengstoffanschlag in Tripolis wurden erst am vergangenen Sonntag zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt.

anr/AFP/dpa

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Vandalen-Herrschaft in Libyen
robert.haube 25.08.2012
Auch das Sufi-Heiligtum in Misurata soll heute zerstört worden sein. Damit sind drei jahrhunderte-alte Kulturdenkmäler von fanatischen Salafisten zerstört worden. Vergleichbares haben nur noch die Taliban getan, als sie die Buddha-Statuen sprengten. Der Wirtschaftsbeauftragte der österreichischen Botschaft in Tripolis zeigt Bilder von der heutigen Barbarei in Tripolis (twitter.com/David_Bachmann_). Bilder aus Zliten findet man auf www.libyaherald.com In Libyen herrschen Vandalen.
2. Traurig, dass einige Extremisten
willibaldus 25.08.2012
Zitat von sysopIn Libyen haben radikale Islamisten die Schreine islamischer Heiliger zerstört. In Tripolis sollen die Fundamentalisten mit schweren Baumaschinen angerückt sein, in der Stadt Sliten wurde Berichten zufolge ein Schrein gesprengt. Anwohner reagierten entsetzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852091,00.html
das Erbe ihrer eigenen Vorfahren für immer zerstören. Nur weil einige Leute ähnlich wie Katholiken Heilige verehren und sich gleichzeitig Muslime nennen, halten einige andere das für unislamisch und wollen den anderen vorschreiben, was sie glauben sollen. Das erinnert stark an den Kofessionsstreit zwischen katholiken und protestanten vor einigen Jahrhunderten. Oder an die Bilderstürmer vergangener Zeiten oder der Untergang der Bibliothek von Alexandria. Oder an die Kreuzfahrer unseligen Angedenkens. Vielleicht sollte man diese Leute "Islamaders" nennen in Anlehnung an die Crusaders von Papst Urban etc. Libyen, eigentlich die ganze Welt, ist ärmer geworden, Gott seis geklagt.
3. Wow
zompel 25.08.2012
Zitat von sysopIn Libyen haben radikale Islamisten die Schreine islamischer Heiliger zerstört. In Tripolis sollen die Fundamentalisten mit schweren Baumaschinen angerückt sein, in der Stadt Sliten wurde Berichten zufolge ein Schrein gesprengt. Anwohner reagierten entsetzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852091,00.html
das nennt sich doch wahrer Forschritt in Libyen. Mehr davon. Eine Darstellung der wahren neuen Mächte in Libyen. Herbeigebombt durch die Nato, begleitet durch das Kammerochester westlicher Medien, das nur eine Partitur kennt.
4.
reuanmuc 25.08.2012
Zitat von willibaldusdas Erbe ihrer eigenen Vorfahren für immer zerstören. Nur weil einige Leute ähnlich wie Katholiken Heilige verehren und sich gleichzeitig Muslime nennen, halten einige andere das für unislamisch und wollen den anderen vorschreiben, was sie glauben sollen. Das erinnert stark an den Kofessionsstreit zwischen katholiken und protestanten vor einigen Jahrhunderten. Oder an die Bilderstürmer vergangener Zeiten oder der Untergang der Bibliothek von Alexandria. Oder an die Kreuzfahrer unseligen Angedenkens. Vielleicht sollte man diese Leute "Islamaders" nennen in Anlehnung an die Crusaders von Papst Urban etc. Libyen, eigentlich die ganze Welt, ist ärmer geworden, Gott seis geklagt.
Die Extremisten aller Religionen handeln derart, wie die Beispiele der Protestanten zeigen. Aber sie schaden sich damit nur selber, denn die große Mehrzahl der Gläubigen ist heute nicht mehr so borniert, dass sie solche Zerstörungen nicht als Verlust an Kultur und obendrein als Versündigung an religiösen Heiligtümern empfinden würden. Damit erregen die Islamisten nur Ärgernis in den eigenen Reihen und wecken den Widerstand der übrigen Gläubigen. Es ist der Anfang ihres eigenen Untergangs. Meist sind es junge Männer ohne jede Lebenserfahrung, die von Hetzern angestiftet werden und gar nicht wissen, was sie tun.
5. Lernen auf die harte Tour
robert.haube 25.08.2012
Zitat von willibaldusdas Erbe ihrer eigenen Vorfahren für immer zerstören. Nur weil einige Leute ähnlich wie Katholiken Heilige verehren und sich gleichzeitig Muslime nennen, halten einige andere das für unislamisch und wollen den anderen vorschreiben, was sie glauben sollen. Das erinnert stark an den Kofessionsstreit zwischen katholiken und protestanten vor einigen Jahrhunderten. Oder an die Bilderstürmer vergangener Zeiten oder der Untergang der Bibliothek von Alexandria. Oder an die Kreuzfahrer unseligen Angedenkens. Vielleicht sollte man diese Leute "Islamaders" nennen in Anlehnung an die Crusaders von Papst Urban etc. Libyen, eigentlich die ganze Welt, ist ärmer geworden, Gott seis geklagt.
Libyen wird immer mehr zu einem zweiten Somalia. Die undemokratischen Wahlen, von denen fast 2 Mio Libyer (z.B. die Flüchtlinge in Tunesien oder Ägypten...) ausgeschlossen waren, haben an den tatsächlichen Herrschaftsverhältnissen kein Jota geändert. Die Herrscher sind "Warlords" mit ihren Milizen. Sie waren ein Schönredner im libyschen Nato-Krieg und sind es jetzt wieder im Falle Syriens. Geht Ihnen so langsam ein Licht auf ?
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