Libyen Misrata-Milizen erobern Flughafen von Tripolis

Die wochenlangen Kämpfe um den Flughafen von Tripolis haben offenbar zu einer Entscheidung geführt. Die islamistischen Milizen aus der Stadt Misrata haben den bedeutsamen Stützpunkt nach eigenen Angaben unter ihre Kontrolle gebracht.

Stadtbild von Tripolis bei Kämpfen: Flughafen in den Händen von Islamisten
DPA

Stadtbild von Tripolis bei Kämpfen: Flughafen in den Händen von Islamisten


Tripolis - Die Kämpfe um den strategisch wichtigen Flughafen der Hauptstadt Libyens dauern bereits seit Mitte Juli an. Nun haben islamistische Milizen nach eigenen Angaben den internationalen Flughafen von Tripolis erobert und vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Ein libyscher TV-Sender verbreitete die entsprechende Mitteilung des Kommandos "Fadschr Libya" - ins Deutsche übersetzt lautet das revolutionäre Selbstverständnis der Milizen: "Morgendämmerung für Libyen".

In den sozialen Netzwerken wurden Bilder von Kämpfern mit Gewehren in Siegerposen verbreitet. Die Fotos zeigen Männer vor Rußwolken und teils zerstörte Maschinen. Die Aufnahmen sollen beweisen, dass der strategisch bedeutsame, rund 20 Kilometer südlich von Tripolis gelegene Flughafen in die Hände der Milizen aus der Stadt Misrata gelangt ist. Die Echtheit der Fotos konnte jedoch zunächst nicht bestätigt werden.

Der offenbaren Eroberung gingen blutige Gefechte zwischen Kämpfern aus Zintan und den Milizen aus Misrata um den Flughafen der Hauptstadt Libyens voraus. Zuvor hatten Kampfflugzeuge Stellungen der Misrata-Milizen in Tripolis attackiert. Zehn Menschen starben, Dutzende wurden verletzt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Demnach waren die Auseinandersetzungen die schlimmsten seit dem Sturz des früheren Diktators Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011. Seither bekriegen sich verschiedene Kampftruppen, die aus Rebellengruppen während des Bürgerkriegs hervorgegangen sind, um die Macht im Land.

Die verlustreichen Kämpfe in dem ölreichen Staat haben nun auch dazu geführt, dass Libyen als Gastgeber auf die Ausrichtung des Afrika-Cups 2017 verzichtet. Dies teilte der afrikanische Fußballverband CAF mit. Damit zieht das nordafrikanische Land zum zweiten Mal Konsequenzen aus der prekären Lage im Land: Schon 2013 sollte in Libyen um die Afrikameisterschaft gespielt werden - aus Gründen mangelnder Sicherheit wurde aber damals ebenfalls auf die Gastgeberrolle verzichtet.

daf/AFP/Reuters



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
compan 23.08.2014
1. Augen auf ...
Ich werde das Gefühl nicht los, das dort der nächste Islamische Staat (IS) entsteht ...
dingodog 23.08.2014
2. Deprimierend
Wie ein Volk nach einem so mutig errungenen Sieg über einen Diktator nur so blöd sein kann, sich selbst in einem Bürgerkrieg zu zerfleischen, kann ich nicht verstehen. Einfach nur deprimierend.
frowin 24.08.2014
3.
Leider ein weiterer gescheiterter Staat, so schnell wird es auch hier zu keiner Lösung bzw. Anerkannten Regierung kommen. Außerdem führt die Situation zur Bandenbildung, kriminelle können tun was sie wollen und religiöse Gruppen können sich ausbreiten und die Macht übernehmen. Ohne Gaddafi in irgendeiner Art gutzuheißen aber wenigstens konnte das damals nicht passieren.
hkubin 24.08.2014
4. Fataler Fehler
Was hat einige westliche Staaten eigentlich geritten als sie mit Luftschlägen Gaddafi weggebomt haben, nur um anschließend das Land sich selbst zu überlassen. Ganz ohne Zweifel: Gaddafi war ein Verbrecher der reichlich wenig mit Demokratie im Sinn hatte. Aber er war ein Ordnungsfaktor in der Region und hielt uns manches Problem vom Hals. Der Einsatz westlicher Luftstreitkräfte in Libyen war ein klassisches Beispiel für einen Krieg ohne Kriegsziel, der zwangsläufig scheitern muss. Bomben können sicherlich zerstören, aber keine neue Strukturen schaffen. Insofern hat Deutschland und der mittlerweilen schon lange vergessene Außenminister Westerwelle absolut richtig gehandelt, sich nicht an Luftschlägen zu beteiligen.
troubadorab 24.08.2014
5. Obacht geben
Dieser Abschnitt der Welt gerät gerade ein wenig aus dem Fokus,aber wir sollten achtsam sein, dass sich hier nicht potentielle Anhänger oder Verbündete von IS entwickeln und stark werden. Ausnahmsweise vielleicht mal aus dem Syrien-Disaster lernen und frühzeitig genug handeln!
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