Libyen-Konflikt Gaddafi lobt Deutschland

Im Libyen-Konflikt bremst Deutschland weiter bei der Frage nach einer Flugverbotszone - anders als etwa Großbritannien und Frankreich. Peinlich für die Bundesregierung: Libyens umstrittener Despot Gaddafi ist jetzt voll des Lobes für das Auftreten Berlins.

Libyens Machthaber Gaddafi und RTL-Reporterin Rados beim Interview: "Sehr gute Position"
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Libyens Machthaber Gaddafi und RTL-Reporterin Rados beim Interview: "Sehr gute Position"


Berlin - Es gibt Machthaber, von denen möchte sich keine westliche Regierung eine gute Politik bescheinigen lassen. Weil freundliche Worte aus dem Mund eines Menschenrechte verachtenden Diktators wie etwa Kim Jong Il aus Nordkorea oder Robert Mugabe aus Simbabwe in der westlichen Öffentlichkeit eben nicht wie ein Lob wirken würden - sondern Anlass für Bedenken wären.

Es dürfte für die Bundesregierung deshalb einigermaßen peinlich sein, dass Libyens umstrittener Machthaber Muammar al-Gaddafi ausgerechnet Deutschland im Libyen-Konflikt ein gutes Zeugnis ausgestellt hat. Der Mann, der mit brutaler Gewalt gegen die Aufständischen im eigenen Land vorgeht, ist mit der Haltung Deutschlands sogar ausgesprochen zufrieden: "Die Deutschen haben uns gegenüber eine sehr gute Position eingenommen, ganz anders als viele wichtige Länder im Westen", sagte Gaddafi in einem vom TV-Sender RTL am Dienstag verbreiteten Interview. Er traue dem Westen nicht mehr. Als Konsequenz gingen Ölaufträge künftig an Russland, Indien und China: "Der Westen ist zu vergessen."

Er könne sich aber vorstellen, dass Deutschland möglicherweise weiter Aufträge bekomme. "Die Deutschen haben eine verantwortliche Position eingenommen, und die Deutschen sollten einen permanenten Sitz im Uno-Sicherheitsrat haben, nicht Frankreich", sagte Gaddafi.

Der Sicherheitsrat hatte am Montag keine Einigung über die Einrichtung einer Flugverbotszone erzielt, mit der Angriffe der libyschen Luftwaffe gegen Aufständische unterbunden werden sollen. Während sich Deutschland skeptisch zu den Plänen geäußert hat, dringen insbesondere Frankreich und Großbritannien auf die Einrichtung einer solchen Zone. Aber auch die beiden Sicherheitsratsvetomächte USA und Russland blieben bei einem Treffen der G-8-Außenminister am Dienstag in Paris zurückhaltend. In der Abschlusserklärung, die der Nachrichtenagentur dpa vorlag, warnten die G-8-Minister Gaddafi jedoch vor "schwerwiegenden Folgen".

Gaddafi nennt Sarkozy "verrückt"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle legte sich in Paris nicht endgültig darauf fest, wie Deutschland im Sicherheitsrat bei einer Abstimmung über einen militärischen Einsatz entscheiden würde. Möglich wäre auch eine Enthaltung. Die Bundesrepublik gehört dem Gremium derzeit als nicht-ständiges Mitglied an.

Gaddafi, bekannt für seine verbalen Hasstiraden, kritisierte in dem Interview äußerst scharf Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. "Er ist mein Freund, aber ich glaube, er ist verrückt geworden." Sarkozys Mitarbeiter sagten, dass der Präsident unter einer psychischen Krankheit leide, so Gaddafi.

Gaddafi versuchte zudem erneut, die Aufständischen in seinem Land zu diskreditieren. Die Unruhen in seinem Land bezeichnete Gaddafi als ein vom Terrornetzwerk al-Qaida organisiertes "kleines Ereignis", das bald enden werde. "Es gab keine Demonstrationen in Libyen. Al-Qaida macht keine Demonstrationen, sie machen es nie." Im Großteil des Landes sei "alles normal. Alles ist da ruhig."

Gaddafi forderte die Entsendung einer Untersuchungskommission. "Es gab nur 150 bis 200 Tote, und die Hälfte davon waren Sicherheitskräfte", sagte er. Das Interview wurde dem Sender zufolge in einem Zelt in einem Militärlager in Tripolis geführt und dauerte rund 40 Minuten.

Bei den Kämpfen in Libyen zeichnet sich zunehmend ab, dass die Aufständischen der Militärmacht von Gaddafi immer weniger entgegenzusetzen haben. Die Schlüsselstadt Adschdabija westlich von Bengasi ist nach Angaben des libyschen Staatsfernsehens vollständig unter Kontrolle der Gaddafi-Truppen. Nach den jüngsten Gebietsgewinnen im Osten gehen die Truppen des Regimes nun gegen die zuvor von ihnen eingekesselten Städte im Westen des Landes vor. Ein Augenzeuge sagte dem arabischen TV-Sender al-Dschasira, die Aufständischen hätten innerhalb weniger Stunden die Kontrolle über die Kleinstadt Suwara nahe der tunesischen Grenze verloren. Unter Beschuss liegt Misurata, eine andere Stadt im Westen.

Mehrere Rebellenkommandeure hatten am Montag angedeutet, dass sie ein Blutbad befürchten, falls sich die internationale Gemeinschaft nicht zur Einrichtung einer Flugverbotszone durchringen sollte. Ein Amnestie-Angebot der Führung für "reuige" Rebellen, die ihre Waffen abgeben, machte auf die Aufständischen nicht viel Eindruck. Ein Sprecher der Rebellen in Misurata sagte, Gaddafi habe inzwischen so viel Angst vor Verrat in den eigenen Reihen, dass er sich nur noch auf seine Söhne verlasse.

hen/Reuters/dpa

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Seite 1
snoopi60 15.03.2011
1. Das ist gut
... so bekommen wir auch weiterhin unser ÖL aus Libyen.
aristo32 15.03.2011
2. Hahahaha....
Oh man! Diese Regierung Merkel/Westerwelle ist so Inkompetent!! Es ist einfach unglaublich! Naja, vllt kommt ja Gaddafi nach Deutschland mit Mubarak! Wenigstens würden sie bestimmt unsere Wirtschaft ankurbeln.
elbröwer 15.03.2011
3. er ist Irre aber er siegt
Deswegen ist die Entscheidung doch richtig dort nicht militärisch einzugreifen. Nur die Libyer selbst sind in der Lage einen Wandel durchzuführen. Die Legende in der islamischen Welt würde lauten: einen Volkshelden wie Gaddafi haben christliche Kreuzfahrer massakriert! Halten sie dies für Unsinn? Ich auch aber die Imame predigen noch viel schlimmeren Stuß.
niepmann 15.03.2011
4. so isses!
Zitat von sysopIm Libyen-Konflikt bremst Deutschland weiter bei der Frage nach einer Flugverbotszone - anders als etwa Großbritannien und Frankreich. Peinlich für die Bundesregierung: Libyens umstrittener Machthaber Gaddafi war jetzt voll des Lobes für das Auftreten Deutschlands. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,751119,00.html
Dann hat Westerwelle ja alles richtig gemacht! Da pfeufen wir doch auf Revolution, Freiheit und Demokratie! Sind doch nur leere Sprüche!
UnitedEurope 15.03.2011
5. Nüchtern betrachtet.
Die Deutsche Haltung fußt schlichtweg auf Realpolitik: Wie sollen Frankreich, Großbritannien und Deutschland alleine eine Flugverbotszone aufrechterhalten ? Ohne Russland und/oder die USA ist solch ein Militärmanöver schlichtweg unmöglich, wir dürften dafür wahrscheinlich keine NATO-Flugplätze benutzen, da ein UNO-Mandat fehlt, und die Franzosen und Briten wollen ihre Flugzeugträger wohl kaum riskieren. Malta wird genauso wenig wie Italien ihre Flugplätze zur Verfügung stellen, Ägypten, Tunesien oder sonst kommen auch nicht in Frage. Es ist also militärisch nicht möglich ohne die USA und UNO-Mandat, und das Mandat kriegen wir nicht, weil Russland/China/die USA sich sperren würden. Warum sich also hinstellen und so was fordern, wenn die USA am Rande ihrer Kapazitäten sind und Russland und China sowieso dagegen sind ? Vor allem wenn man bedenkt wie viel sowas an Geld und Menschen kosten würde, sind bestimmt nicht wenige hier froh, dass sich Deutschland da raushalten kann. Klingt hart, aber schauen wir uns doch mal die Fakten an. Großmachtsträume ? Sollen die Franzosen und Briten mal schön selber zu Ende träumen.
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