Libyen-Krieg Gaddafis Schergen setzen Vergewaltigungen als Waffe ein

Sie tun alles, um den Gegner zu demoralisieren: Soldaten des libyschen Machthabers Gaddafi sollen mit massiver sexueller Gewalt gezielt gegen Frauen vorgehen. Ein Arzt berichtet allein in der Stadt Bengasi von rund hundert Opfern.

Gaddafis Soldaten in Misurata: Kämpfen mit allen Mitteln
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Gaddafis Soldaten in Misurata: Kämpfen mit allen Mitteln


Hamburg - Als die Soldaten die Tür zu ihrem Haus einschlugen, trug Leila einen ihrer Söhne auf dem Arm. "Du oder die Kinder", sagten die Männer. Sie drohten, die beiden drei und fünf Jahre alten Jungen umzubringen. "Ich hielt meinen Sohn fest, aber einer der Männer zwang mich auf das Bett, dann ist es passiert." Die Kinder waren gezwungen, zuzuschauen.

Laut einem Bericht der "Sunday Times" mehren sich in der Stadt Bengasi Vergewaltigungen durch Gaddafis Truppen. Der Ehemann der 28-jährigen Leila war nicht zu Hause, als die Soldaten seine Frau überfielen. Er war an der Front, um gegen sie zu kämpfen. Sie wiederum waren schon bei ihm zu Hause. Während er sein Leben aufs Spiel setzte, trafen die Gegner ihn an seinem verletzlichsten Punkt. Er konnte nichts tun, um Leila zu schützen.

In einer Gesellschaft, in der Sexualität tabuisiert wird, gleicht eine Vergewaltigung einer Schande. Die Entrechtung ist immer zugleich eine unfassbare Demütigung, in islamischen Kulturen werden die Frauen nach der Tat oft ausgegrenzt, stigmatisiert, gleichsam selbst bestraft. Sie leiden doppelt unter einer solchen Tat. Mehr als einen Monat liegt die Tat nun zurück, Leila hat ihren Mann seither nicht mehr gesehen.

Vergewaltigungen sind seit jeher ein Gewaltinstrument in Kriegszeiten. Es scheint, als würden Frauen in den besetzten libyschen Städten nun vermehrt von Gaddafis Truppen missbraucht.

Erst werden sie erniedrigt, dann ausgegrenzt

Leilas Geschichte ist eine von vielen, die Chalifa al-Scharkassi in diesen Tagen erzählt werden. Der Arzt wurde in Deutschland ausgebildet, nun arbeitet er gemeinsam mit seinem Team in libyschen Flüchtlingslagern. Die "Sunday Times" schreibt, der Mediziner habe von rund einem Dutzend Fällen berichtet, insgesamt seien rund 100 Frauen Opfer der Schergen geworden.

Ziel der Vergewaltigungen ist die Entwürdigung der Frauen - und somit die Schwächung des Gegners. Es ist ein Krieg mit ungleichen Mitteln: auf der einen Seite die Streubomben, Granaten, Waffen. Auf der anderen Seite der Inbegriff menschlicher Entwertung.

Al-Scharkassi, 37, erzählt von vier Schwestern, die gemeinsam von einer Gruppe Soldaten vergewaltigt wurden. Von ihren Brüdern, die Rache geschworen haben. Von Frauen, die sich nach der Tat mit Bleiche gewaschen haben, um wieder rein zu sein. Von Frauen, die sich Chlor spritzten, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Von Mädchen, deren Mütter während der Vergewaltigungen in den Nachbarraum gesperrt wurden. Von jungen Frauen, die nach dem Verlust ihrer Jungfräulichkeit aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Und von Soldaten, die offenbar durch das Regime mit Viagra ausgestattet werden.

Mit der "Sunday Times" hat Scharkassi erstmals über die Vergewaltigungen gesprochen - und so ein Tabu gebrochen. "Die Welt muss verstehen, wie grausam Gaddafis Truppen vorgehen", sagt er. Er hoffe, dass immer mehr Frauen dazu ermutigt werden können, über das Erlebte zu sprechen.

Die Männer vergewaltigen, beißen die Frauen

Der Arzt erzählt von einer 42-Jährigen, die so lange gequält wurde, bis sie ihr Bewusstsein verlor - und mit Bisswunden an der Brust aufwachte. In den Flüchtlingslagern versorgen er und sein Team die Frauen mit Medikamenten, um Schwangerschaften zu verhindern. Außerdem bieten sie Untersuchungen im Hinblick auf sexuell übertragbare Krankheiten wie Aids und Hepatitis an.

Im März hatte der Fall der Libyerin Iman al-Obeidi die Brutalität des Gaddafi-Regimes exemplarisch gezeigt. Die Jura-Studentin stürmte zur Frühstückszeit in das Luxushotel Rixos, in dem überwiegend ausländische Journalisten wohnen. Sie erzählte ihnen, wie sie von Gaddafis Männern missbraucht worden sei - über zwei Tage lang, von insgesamt 15 Soldaten. Sie zeigte den Journalisten Kratzer und Blutspuren an ihren Oberschenkeln. Hotelkräfte und Sicherheitsleute brachten Obeidi schließlich weg. Zwei Kellnerinnen griffen nach Messern, schrien, die Frau sei eine Verräterin.

Das Staatsfernsehen zeigte wenig später ein Interview mit einer Frau, bei der es sich angeblich um Obeidi handelte. Der Sprecher bezeichnete sie wiederholt als Hure, die voller Hass gegen ihr eigenes Land sei. Gaddafi-Sprecher Mussa Ibrahim erklärte, Obeidi sei eine Verrückte, eine Lügnerin und Prostituierte. Inzwischen ist al-Obeidi wieder frei, doch der Fall ist noch immer ungeklärt.

Systematische Vergewaltigungen durch die Regierungstruppen gibt es laut "Sunday Times" nicht nur in Bengasi, sondern auch in Ras Lanuf, Ben Dschawad, Ugayla, Sidi Buschur und Adschdabija.

Ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht

Die Truppen von Machthaber Gaddafi sind an diesem Sonntag erneut auf die ostlibysche Stadt Adschdabija vorgerückt. Die Soldaten griffen mit schwerer Artillerie den westlichen Zugang der Stadt an. Sie waren offenbar nur wenige Kilometer von Adschdabija entfernt. Zunächst war unklar, ob es Verletzte gab. Viele Einwohner ergriffen die Flucht.

Am Samstag hatten die Aufständischen Gaddafis Truppen etwa 40 Kilometer zurückgedrängt. Sie rückten in Richtung der Erdölstadt Brega vor, die 80 Kilometer westlich von Adschdabija liegt. Bei Raketenangriffen von Gaddafis Truppen auf halbem Wege zwischen den beiden umkämpften Städten wurden nach Angaben von Ärzten acht Menschen getötet und 27 weitere verletzt.

Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Nach Einschätzungen Frankreichs könnten sich die Kämpfe noch lange hinziehen. Verteidigungsminister Gérard Longuet sagte, es sei derzeit nicht absehbar, wie es mit Gaddafi und Libyen weitergehe.

Die Europäische Union hat ein Schiff mit mehreren hundert Tonnen Hilfsgütern zum Hafen von Misurata geschickt. Es soll bei seiner Rückfahrt so viele Menschen wie nur möglich aus der Region bringen.

Mediziner Scharkassi hofft, dass er bald Unterstützung durch eine weibliche Kollegin erhält. Sie soll dann mit den Frauen sprechen, die sich zu sehr schämen, um ihm selbst zu erzählen, was ihnen widerfahren ist: "Viele trauen sich nicht zu sprechen. Ich bekomme Anrufe, die mich auf immer weitere Fälle aufmerksam machen."

han/dpa

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insgesamt 196 Beiträge
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Seite 1
Dornröschen2 17.04.2011
1. Bengasi??
Zitat von sysopSie tun alles, um den Gegner zu demoralisieren: Soldaten des libyschen Machthabers Gaddafi sollen mit massiver sexueller Gewalt gezielt*gegen Frauen vorgehen. Ein Arzt berichtet allein in der belagerten Stadt Bengasi von rund 100 Opfern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,757566,00.html
Seit wann ist denn Bengasi belagert? Handelt es sich nicht um Misurata?
rkinfo 17.04.2011
2. absehbar ...
Zitat von sysopSie tun alles, um den Gegner zu demoralisieren: Soldaten des libyschen Machthabers Gaddafi sollen mit massiver sexueller Gewalt gezielt*gegen Frauen vorgehen. Ein Arzt berichtet allein in der belagerten Stadt Bengasi von rund 100 Opfern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,757566,00.html
Es war vor Wochen absehbar dass das Terror-Regieme Gaddafi brutal gegen die Revolution vorgehen wird. Wobei man aber vorsichtig sein sollte denn Rebellen-Propaganda ist nie auszuschließen. Es war ein Fehler der NATO nicht mit Bodentruppen einzugreifen denn dann wäre schon nach wenigen Tagen und damit vor Wochen der Krieg zuende gewesen. Wer Waffen einsetzt wie die NATO der kann nicht mit halben Sachen nur rumballern sondern muß effizient den schnellen Sieg anstreben. Und wenn Despoten weltweit einmal sehen wie schnell sie entfernbar sind haben wir weltpolitisch viel mehr Möglichkeiten als heute. Selbst der Welthunger wäre so innerhalb kurzer Zeit lösbar und BIOSPRIT massiv als Ersatz für sündhaft teures Rohöl einführbar.
anon11 17.04.2011
3. .
Zitat von rkinfoEs war vor Wochen absehbar dass das Terror-Regieme Gaddafi brutal gegen die Revolution vorgehen wird. Wobei man aber vorsichtig sein sollte denn Rebellen-Propaganda ist nie auszuschließen. Es war ein Fehler der NATO nicht mit Bodentruppen einzugreifen denn dann wäre schon nach wenigen Tagen und damit vor Wochen der Krieg zuende gewesen. Wer Waffen einsetzt wie die NATO der kann nicht mit halben Sachen nur rumballern sondern muß effizient den schnellen Sieg anstreben. Und wenn Despoten weltweit einmal sehen wie schnell sie entfernbar sind haben wir weltpolitisch viel mehr Möglichkeiten als heute. Selbst der Welthunger wäre so innerhalb kurzer Zeit lösbar und BIOSPRIT massiv als Ersatz für sündhaft teures Rohöl einführbar.
Gäbe es schon Biosprit als Ersatz, bräuchten man sich um die Zustände in Erdölländern überhaupt nicht mehr kümmern. ;) Sobald kein Erdöl im Spiel ist interessiert die Menschenrechte niemanden mehr, sieht man ja in anderen Regionen.
ofelas 17.04.2011
4. Nicht nur das
Es sind sicherlich auch Massenvernichtungswaffen versteckt worden, Gaddafi unterstuetzt Osama BL und am 11. Sept es er auch in New York gesehen worden. NO FLY ZONE bedeuted auf deutsch halt "wir machen was wir wollen und aendern das Regime"
svenbaumer 17.04.2011
5. 19.0 märz
Zitat von Dornröschen2Seit wann ist denn Bengasi belagert? Handelt es sich nicht um Misurata?
die truppen von gadaffi sind vom 18.03 -19.03 in benghazi gewesen. allein am ersten tag sind 100 menschen durch wahllosen beschuss gadaffis artillerie gestorben. am 19.03 hat die interveniert und hat das weitere einrücken seiner truppen verhindert.
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