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Libyen-Krieg: Rebellen sprechen von 50.000 Toten

Es sind dramatische Zahlen: Während der Kämpfe in Libyen sollen nach Angaben der Rebellen Zehntausende Menschen getötet worden sein. Angesichts des Leids fordert die Uno ein schnelles Handeln der internationalen Gemeinschaft - Frankreich fordert auch deutsche Hilfe ein.

Tripolis/Washington - Im Kampf gegen den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi sind nach Angaben eines Rebellenkommandeurs in den vergangenen sechs Monaten mindestens 50.000 Menschen getötet worden. Diese Zahl setze sich aus eigenen Zählungen in den Kampfgebieten sowie Angaben von Organisationen wie dem Roten Kreuz zusammen, sagte Hischam Abu Hadscher am Dienstag dem US-Sender CNN. Sie beinhalte getötete Kämpfer wie auch zivile Opfer.

Angesichts der dramatischen humanitären Lage forderte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die internationale Gemeinschaft zu schneller Hilfe für Libyen auf. Die Situation erfordere dringendes Eingreifen und "schnelles und entschiedenes Handeln", sagte er in New York. Sein Ziel sei, sobald wie möglich Uno-Mitarbeiter "unter einem robusten Mandat vor Ort zu haben", so der Generalsekretär. "Das Leiden der Bevölkerung muss ein Ende haben." Besonders wichtig sei die Wasserversorgung, da geschätzte 60 Prozent der Bevölkerung ohne sanitäre Versorgung seien.

Auch Frankreich drängt auf ein schnelles Handeln. Die Regierung in Paris brachte eine Beobachtermission ins Spiel, an der sich auch Deutschland beteiligen könne. Bei der von ihm vorgeschlagenen Mission gehe es nicht um militärische Hilfe, sagte Frankreichs Außenminister Alain Juppé der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Man wird Beobachter nach Libyen entsenden müssen. Es braucht eine Wiederaufbautruppe, aber keine Interventionstruppe." Frankreich "wäre froh darüber", wenn Deutschland sich an einer Beobachtermission beteiligte, sagte Juppé.

Rebellen lehnen militärischen Einsatz der Uno ab

Die Aufständischen stehen einer solchen Mission nach Uno-Angaben aber ablehnend gegenüber. In Gesprächen mit dem Übergangsrat sei "ganz deutlich" geworden, dass die Libyer jede Art eines militärischen Einsatzes durch die Uno oder andere verhindern möchten, sagte der Libyen-Sondergesandte Ian Martin am Dienstag.

Stattdessen erhöhte der Übergangsrat selbst noch einmal den Druck auf die Truppen von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi und stellte ihnen ein Ultimatum. Sie hätten bis Samstag Zeit, die Waffen niederzulegen. "Länger können wir nicht warten", sagte der Chef des Rats, Mustafa Abdul Dschalil. Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, sollten sie Gaddafis Heimatstadt Sirt friedlich übergeben. Sirt wird noch immer von Gaddafis letzten Getreuen gehalten. "Wir können die Situation militärisch lösen, aber das wollen wir nicht", sagte er. Auch in den wenigen anderen verbliebenen Hochburgen sollten sich die letzten Gaddafi-Getreuen ergeben.

Gaddafis Sohn Saadi ist nach Berichten des arabischen Senders Al-Dschasira offenbar bereit, sich den Rebellen zu ergeben. Dies habe der für Tripolis zuständige Rebellenkommandeur Abdelhakim Belhadsch bestätigt, meldete der Sender am Dienstagabend. Demzufolge habe Saadi Gaddafi in einem Telefonat mit Belhadsch über die Möglichkeit, sich zu ergeben, gesprochen. Der Gaddafi-Sohn wolle Libyen nicht verlassen und suche Kontakt zum Übergangsrat, um zu verhandeln. Anhand des Telefonanrufs glaube er auch zu wissen, wo Saadi Gaddafi sich aufhalte.

Italienische Medien hatten berichtet, dass sich Saadi Gaddafi zusammen mit seinem Vater nach wie vor in Libyen aufhalte und in der Wüstenstadt Bani Walid untergetaucht sei. Dagegen hatten sich Gaddafis Frau Safija, die Söhne Hannibal und Mohammed sowie die Tochter Aischa nach Algerien abgesetzt.

Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den Aufständischen in Libyen und dem Nachbarland Algerien hatten sich dadurch weiter verschlechtert. Der Übergangsrat forderte von Algerien die Auslieferung der Familie Gaddafis.

vme/dpa

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insgesamt 136 Beiträge
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1. ...
Greg84 31.08.2011
Kann mir gar nicht vorstellen, dass es nur so wenige Opfer gegeben haben soll. Allein in Tripolis leben fast 2 Millionen Menschen und bei den Angriffen der Nato ist halt eine Menge zu Bruch gegangen, nicht nur militärische Ziele. Ist ja auch gar nicht anders möglich, wenn die im Stadtgebiet stehen. Bei den Aufnahmen (unabhängig davon ob von Rebellen oder wem anders) konnte man ganz gut sehen, dass einige Straßenzüge schon sehr mitgenommen waren. In anderen Städten wird es wohl auch kaum anders ausgesehen haben.
2. Mein Gott
Persipanstollen 31.08.2011
50000 Tote und unsere Politiker schreien auch noch HURRA. Wie blöd müssen die westlichen Machthaber eigentlich sein, wenn sie eine solche Zahl Toter akzeptieren. Der Kriegseinsatz in Libyen ist bei einer solchen Anzahl Toter vollkommen inakzetabel. Da waren die Großmächte also zu blöd in einer Nacht- und Nebelaktion den Machthaber Libyens kurzer Hand zu beseitigen. Anstatt Gespräche mit dem AL zu führen, wurde nur wieder das alte Bomben- und Kriegsmaterial billig entsorgt. Ich raffs einfach nicht, aber ich bin eh zu blöd für diese kaputte Welt und wills ehrlich gesagt auch nicht kapieren.
3. Zivilisten schützen
dr. phibes 31.08.2011
Gaddafi hätte bestimmt 100000 (beliebige Zahl einsetzen) ermorden lassen.
4. ...
KnoKo 31.08.2011
Zitat von sysopEs sind dramatische Zahlen: Während der Kämpfe in Libyen sollen nach Angaben der Rebellen Zehntausende Menschen getötet worden sein. Angesichts des Leids fordert die Uno ein schnelles Handeln der internationalen Gemeinschaft - Frankreich fordert auch deutsche Hilfe ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,783483,00.html
Wie kann das sein? Die "Flugverbotszone" diente doch dem Schutz der Zivilbevölkerung oder habe ich da etwas missverstanden?
5. NATO schützt Zivilisten: 50.000 Tote
jan.dark 31.08.2011
Das Land ist zerstört, Millionen Menschen hungern und dursten. Da läuft was falsch mit dem Schutz der Zivilbevölkerung durch monatelanges Dauerbombardement.
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Fotostrecke
Nachbarland Algerien: Gaddafi-Clan auf der Flucht
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Muammar al-Gaddafi: Bruder Führers Luxusflieger

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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