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Libyen-Krieg: Uno-Ermittler zweifelt an Massenvergewaltigungen

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs hält die Berichte für glaubhaft: Schergen des libyschen Diktators Gaddafi sollen systematische Vergewaltigungen betreiben. Nun äußert ein Uno-Ermittler Zweifel an den Belegen - und hält die Vorwürfe für eine "Massenhysterie".

Genf - Der Uno-Ermittler für Libyen, Scherif Bassiuni, hält die massenhafte Vergewaltigungen durch Gaddafi-treue Soldaten für unglaubhaft: Er sagte am Donnerstag, die Vorwürfe seien vermutlich Ausdruck einer "Massenhysterie" in der libyschen Bevölkerung. Sowohl in den von der Regierung kontrollierten Landesteilen als auch in den Rebellengebieten im Osten habe er die gleiche Geschichte zu hören bekommen: Verhütungs- und Potenzmittel seien an die Kämpfer verteilt worden, um Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe einzusetzen. Seine "Interpretation" sei, dass die libysche Gesellschaft im Moment der Verbreitung dieser Informationen "so verletzlich" gewesen sei, dass "sie eine Massenhysterie erzeugt" habe.

Der Ermittler begründete seine Zweifel an den Belegen für die Vorwürfe: Eine Frau will 259 Fällen sexuellen Missbrauchs mittels einer Fragebogenaktion auf die Spur gekommen sein und dafür 70.000 Fragebögen verschickt haben. Unter den 60.000 Rücksendungen sollen 259 Fälle sexuellen Missbrauchs dokumentiert gewesen sein. Allerdings sei seinen Ermittlern das Material niemals vorgelegt worden.

Bassiuni bezweifelte, dass die Frau die Bögen ausgerechnet im März verschickt haben wolle, als das libysche Postwesen darnieder gelegen habe und die Kämpfe bereits in vollem Gange gewesen seien. Dennoch werde sein Ermittlerteam den Vorwürfen nachgehen.

Auch der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Luis Moreno-Ocampo, bedient sich der von Bassiuni bezweifelten Zahlen. Moreno-Ocampo hatte Gaddafi am Mittwoch vorgeworfen, Soldaten zu Massenvergewaltigungen von Frauen angestiftet und zu diesem Zweck Viagra-ähnliche Potenzmittel einkaufen lassen zu haben.

USA erkennen Übergangsrat als Vertreter des libyschen Volkes an

Die Libyen-Kontaktgruppe wird die Rebellen mit rund 1,3 Milliarden Dollar unterstützen, kündigten Sprecher der Organisation an nach einem Treffen am Donnerstag in Abu Dhabi an. Einige Staaten, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, wollen ihren Teil der Milliardensumme direkt dem Übergangsrat in Bengasi zukommen lassen.

Die USA und Italien wollen hingegen humanitäre Organisationen unterstützen, damit diese den Menschen helfen können. Allein Frankreich will sich mit rund 400 Millionen Dollar an den Hilfen beteiligen, Kuwait mit 180 Millionen und die Türkei mit 100 Millionen. Keine Einigung gab es in Abu Dhabi über die Verwendung der im Zuge der Sanktionen eingefrorenen libyschen Vermögenswerte.

Auf dem Treffen verkündete US-Außenministerin Hillary Clinton, Washington erkenne den Nationalen Übergangsrat als Vertretung des libyschen Volkes an. Weiter sagte sie, es gebe Gespräche mit Gaddafi-Vertrauten über einen möglichen Machtwechsel: "Es gibt mehrere und anhaltende Gespräche mit Leuten, die Gaddafi nahestehen, und wir wissen, dass diese Diskussionen unter anderem die Möglichkeit eines Übergangs einschließen".

Dänischer Armee gehen die Bomben aus

Der dänischen Armee gehen im Libyen-Einsatz die Bomben für ihre F-16-Kampfflugzeuge aus. Die Streitkräfte hätten die Niederlande um Nachschub gebeten, berichtete die dänische Zeitung "Politiken". Ein dänischer Armeesprecher bestätigte den Bericht nicht ausdrücklich, räumte aber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP ein, dass seine Logistikabteilung mit den Partnern der Libyen-Koalition über Nachschub spreche. Seit dem 20. März sind dänische Kampfjets im Einsatz.

fdi/AFP/dpa

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insgesamt 69 Beiträge
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1. Ja Pfui! !!
kundennummer 09.06.2011
Wie kann man nur GEGEN die US-Meinung stehen!?!?! Das ist GOTTESLÄSTERUNG !!
2. Teilung
saako 09.06.2011
sofort!
3. ?
Phallus_Dei 10.06.2011
---Zitat--- Der dänischen Armee gehen im Libyen-Einsatz die Bomben für ihre F-16-Kampfflugzeuge aus. Die Streitkräfte hätten die Niederlande um Nachschub gebeten, berichtete die dänische Zeitung "Politiken". Ein dänischer Armeesprecher bestätigte den Bericht nicht ausdrücklich, räumte aber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP ein, dass seine Logistikabteilung mit den Partnern der Libyen-Koalition über Nachschub spreche. Seit dem 20. März sind dänische Kampfjets im Einsatz. ---Zitatende--- Was für ein blutrünstige Horde ist das denn? Haben die dänischen Bombenwerfer nicht schon genug libyische Zivilisten ermordet?
4. Wie schnell die Welt...
tilloquinn 10.06.2011
... Ereignisse wie die unglaubliche "Brutkasten"-Story vergisst, die zu einem Angriff auf ein anderes autokratisch regiertes und zufällig erdölförderndes Land verleitete, sollte jedem zu denken geben.
5. Probleme der besonderen Art
hugahuga 10.06.2011
Den einen gehen die Bomben aus, die anderen haben sich wieder mal was ausgedacht. Das gibt jede Menge an Aufträgen für die Rüstungsindustrie und weil das so ist, wird man den Krieg so steuern, dass noch mehr ,verballert' wird um ja die Auftragslage hoch zu halten. Schändlich und inhuman Wenn die Viagra-Vergewaltigungsorgie verifiziert werden kann, ist es ein verbrecherischer Auswuchs. Wenn nicht, so zeigt es wieder einmal - zu welchen negativen Leistungen menschliches Denken fähig ist. Ebenso schändlich und inhuman
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