Tripolis - Ein knapper Monat in Haft geht für die vier in Libyen festgehaltenen Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) zu Ende. Sie sind wieder auf freiem Fuß. Die Gruppe war seit dem 9. Juni inhaftiert gewesen.
IStGH-Präsident Sang Hyun Song kündigte am Montag eine Untersuchung zu libyschen Vorwürfen an. Laut diesen hätten die Mitarbeiter illegal Dokumente an den Sohn des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi weitergereicht. Der Vorwurf lautete auf Spionage und "Kommunikation mit dem Feind". Zugleich entschuldigte sich Song bei der libyschen Regierung.
Der stellvertretende libysche Außenminister Mohammed Abdel Asis sagte, die vier IStGH-Mitarbeiter sollten zuerst nach Tripolis und noch im Lauf des Tages nach Italien gebracht werden. Zunächst hielten sie sich in Begleitung von Abdel Asis und einem Richter in Sintan auf.
Die IStGH-Mitarbeiter hatten den inhaftierten Sohn des langjährigen Machthabers Gaddafi in Sintan besucht. Melinda Taylor, australische Pflichtverteidigerin des Gaddafi-Sohns, soll bei einem Gespräch mit Saif al-Islam einen Stift mit einer integrierten Kamera und einen Brief von dessen einstigem Vertrauten Mohammed Ismail bei sich gehabt haben, der von der libyschen Justiz gesucht wird.
Libyen und der Internationale Strafgerichtshof streiten seit Monaten über die Frage, wo Saif al-Islam vor Gericht gestellt werden soll. Der IStGH hatte gegen den 39-Jährigen einen internationalen Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des blutigen Bürgerkriegs vor dem Sturz seines Vaters erlassen.
Anfang April hatte der IStGH die sofortige Überstellung nach Den Haag verlangt. Die libysche Übergangsregierung will Gaddafi jedoch im eigenen Land den Prozess machen.
jok/dapd/dpa
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