Mittelmeer-Migration Libyen sperrt sich gegen Auffanglager im eigenen Land

Italien will sie, Österreich auch - aber Libyen nicht: Das nordafrikanische Bürgerkriegsland lehnt die Einrichtung von Auffangzentren für Migranten ab.

Flüchtlinge in einem Lager in Libyen
AFP

Flüchtlinge in einem Lager in Libyen


Libyen ist Transitstrecke für viele Migranten, die aus Afrika nach Europa wollen. Das Bürgerkriegsland gilt als Eldorado für Menschenhändler. Das Problem ist massiv - und dennoch wollen einige europäischer Staaten auf libyschem Staatsgebiet Flüchtlingszentren einrichten. Dort stößt diese auch in Europa umstrittene Idee nun auf Ablehnung.

Bei einem Besuch des italienischen Innenministers Matteo Salvini in Tripolis sagte der stellvertretende Ministerpräsident Ahmed Maiteeg, seine Regierung sei zwar bereit, das Thema Migranten anzugehen. "Aber wir sind gegen jedwede Flüchtlingslager in Libyen."

Salvini dankte der libyschen Küstenwache für "ausgezeichnete Arbeit" bei der Rettung und beim Abfangen von Migranten. Es sollten aber auch "Auffang- und Identifikationszentren" eingerichtet werden, sagte der Minister und Vorsitzende der fremdenfeindlichen Lega. Nach seiner Rückkehr nach Italien bekräftigte Salvini diese Forderung und sagte, solche Zentren sollten im Süden Libyens, in Niger, Mali, dem Tschad und dem Sudan aufgebaut werden.

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Libyen: Das Land der Menschenhändler

Rund 11.000 Migranten haben es nach Angaben des italienischen Innenministeriums in diesem Jahr bislang von Libyen aus nach Italien geschafft. Das sind mehr als 80 Prozent weniger als in den Vergleichzeiträumen der Jahre 2016 und 2017. Seit dem vergangenen Juli geht Italien verstärkt gegen Schleuser vor, und die von der EU ausgebildete libysche Küstenwache unterbindet immer häufiger Überfahrten von Migranten.

Die neue nationalistisch-populistische Regierung Italiens hat die Häfen für Schiffe gesperrt, die Flüchtlinge im Mittelmeer aufgenommen haben und an Land bringen wollen. Dadurch sitzen seit Tagen Hunderte Afrikaner auf Schiffen von Hilfsorganisationen und Handelsschiffen fest, die die Menschen aus Seenot gerettet haben.

Video: Drama auf dem Mittelmeer

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dop/Reuters



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