Libyen Leichen von 36 mutmaßlichen IS-Kämpfern bei Bengasi entdeckt

Im Osten Libyens sind Dutzende Leichen von offenbar hingerichteten Kämpfern gefunden worden. Vermutlich handelt es sich bei den Toten um gefangen genommene Islamisten.

Khalifa Haftar, Befehlshaber der selbsternannten Nationalen Libyschen Armee
DPA

Khalifa Haftar, Befehlshaber der selbsternannten Nationalen Libyschen Armee


In der Nähe der ostlibyschen Stadt Bengasi sind die Leichen von 36 erschossenen Menschen entdeckt worden. Der Fund sei in der Region Al-Abjar, rund 70 Kilometer östlich von Bengasi, gemacht worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Es handle sich vermutlich um die Leichen von Islamisten, darunter seien 19 Ausländer, hieß es zunächst. Der stellvertretende Justizminister der Interimsregierung in Tobruk teilte inzwischen mit, dass 22 der Leichen identifiziert worden seien, bei ihnen handele es sich ausnahmslos um Libyer.

Die Uno-Vertretung in Libyen verurteilte "mit größter Entschiedenheit dieses schändliche Verbrechen, das zum Tod von mindestens 36 Personen geführt hat", und forderte unverzügliche Ermittlungen.

Seit dem Sturz von Libyens langjährigem Machthaber Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. Weite Teile Libyens werden von bewaffneten Milizen kontrolliert. Die Autorität der international unterstützten Regierung der nationalen Einheit wird von einer Gegenregierung in Frage gestellt, die mit Hilfe der selbsternannten Nationalen Libyschen Armee (ANL) im Osten von Libyen herrscht. Nach dreijährigen Kämpfen haben ANL-Kämpfer die Dschihadistenmilizen fast vollständig aus Bengasi, Libyens zweitgrößter Stadt, vertrieben.

Der Fundort der Leichen liegt im Kontrollgebiet des umstrittenen, abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die ANL anführt. Er hat bereits Ermittlungen angekündigt, um die Verantwortlichen für das Verbrechen zu finden. Dabei solle auch geklärt werden, ob die Opfer zuvor von seinen Männern gefangen genommen worden seien, sagte Haftar nach Angaben der ihm nahestehenden Nachrichtenagentur Lana.

Der ANL von General Haftar wird vorgeworfen, in den vergangenen Jahren immer wieder gefangen genommene Dschihadisten bei Massenhinrichtungen getötet zu haben.

Im August hatte der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen den Kommandeur eines Spezialkommandos der ANL erlassen. Mahmoud Al-Werfalli soll 2016 und 2017 mindestens sieben Mal auf Zivilisten oder verletzte Kämpfer geschossen oder deren Hinrichtung angeordnet haben. Haftars Truppe teilte daraufhin mit, der Beschuldigte sei bereits festgenommen worden und komme vor ein Militärgericht.

koe/AFP



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