Libyen Mehr als 4000 Flüchtlinge aus illegalen Camps befreit

In der libyschen Küstenstadt Sabratha wurden offenbar Tausende Flüchtlinge von einer Miliz festgehalten. Nun ist die Truppe aus der Stadt vertrieben, das UNHCR nimmt sich der entkräfteten Menschen an.

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Sie lebten tagelang ohne Essen und Wasser, eingesperrt oder versteckt aus Angst vor schweren Gefechten in der Stadt: Tausende Flüchtlinge aus Afrika sind in der libyschen Küstenstadt Sabratha aus illegalen Camps und Häusern befreit worden. Von dort zogen sie in eine zentrale Halle um, wo sie registriert und versorgt wurden.

Nach Uno-Angaben waren zwischen 4000 und 6000 Flüchtlinge in inoffiziellen Flüchtlingslagern in der Stadt gefunden worden. Ein Vertreter des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Libyen, Roberto Mignone, sagte, die Lage sei ausgesprochen schwierig.

Hunderte hätten sich außerdem von Sabratha in Richtung des 25 Kilometer entfernten Zuwarah aufgemacht, meldete die Uno-Migrationsorganisation IOM. Rund 1700 Menschen brauchten dort dringend Hilfe, sagte ein Vertreter von Nothelfern in Zuwarah.

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Kämpfe in Libyen: Die Flüchtlinge von Sabratha

Mitte September waren in der Küstenstadt Sabratha rund 70 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis heftige Kämpfe zwischen verfeindeten Milizen ausgebrochen. Seit Freitag ist es in Sabratha wieder ruhig. Die Stadt gilt als einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen möchten.

Die Zahl der Flüchtlinge, die in den Sommermonaten von Libyen aus in Italien ankamen, war stark zurückgegangen. Dafür soll auch eine Gruppe mit Namen Brigade 48 verantwortlich gewesen sein, die in Sabratha damals die Macht übernommen hatte. Die Brigade soll von der Regierung in Tripolis beauftragt worden sein, die Flucht über das Mittelmeer zu unterbinden.

Bei den Kämpfen zwischen mehreren Milizen um die Vorherrschaft in Sabratha starben in den vergangenen drei Wochen laut Gesundheitsministerium 43 Menschen, 340 wurden verletzt.

cht/dpa



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