Libyen Menschenhändler erschießen mindestens 15 Migranten

Banden in Libyen halten afrikanische Flüchtlinge in Lagern gefangen. Nun sollen mindestens 15 Migranten bei einem Fluchtversuch getötet worden sein.

Flüchtlinge in einem Lager in Lybien
AFP

Flüchtlinge in einem Lager in Lybien


Libysche Menschenhändler haben nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mindestens 15 Migranten erschossen, als diese versuchten zu flüchten. Dutzende weitere seien nahe der Stadt Bani Walid im Nordwesten des Landes verletzt worden, teilte die Organisation am Freitagabend mit.

Bani Walid liegt an einer Transitroute der Schlepper in Richtung Mittelmeerküste. Nach Angaben eines örtlichen Verantwortlichen gibt es in der Region etwa 20 illegale Lager, in denen Flüchtlinge von Schleusern interniert werden. Sie halten die Menschen gefangen, um von ihren Familien Lösegelder zu erpressen.

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Libyen: Das Land der Menschenhändler

Mehr als 100 Menschen seien aus einem der Geheimgefängnis ausgebrochen, berichtet die Organisation Ärzte ohne Grenzen. Sie beruft sich auf Aussagen der Geflüchteten. Der Ausbruch hat demnach bereits am Mittwoch stattgefunden. Die Geiselnehmer versuchten demnach, die Fliehenden wieder einzufangen und schossen dabei auf sie, mindestens 15 kamen durch Schüsse ums Leben.

Die Überlebenden, vor allem Teenager, stammten den Angaben zufolge hauptsächlich aus Eritrea, Äthiopien und Somalia und strebten Asyl in Europa an. Sie berichteten, bis zu drei Jahre lang gefangen gewesen zu sein. Das dortige Krankenhaus teilte mit, rund 20 von ihnen seien wegen Verletzungen durch Folter in Behandlung.

Seit dem Sturz von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. In weiten Teilen haben bewaffnete Milizen das Sagen. Etliche von ihnen sind im lukrativen Geschäft mit dem Schleusen von Flüchtlingen aktiv, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Immer wieder gibt es erschütternde Berichte über schwere Misshandlungen dieser Menschen.

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