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Libyen-Minutenprotokoll: Schwere Kämpfe um Sawija und Ben Dschawad

Die Lage an der Front hat sich verschärft - und Gaddafis Truppen rücken vor: Bei Sawija und Ben Dschawad setzen sie jetzt Panzer und Raketenwerfer gegen die Rebellen ein, berichtet SPIEGEL-Reporter Clemens Höges. Die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.

Libyen: Rebellen unter Druck Fotos
DPA

+++ "Moscheen liegen in Schutt und Asche" +++

[18.06 Uhr] Dramatische Szenen schildert ein Augenzeuge dem britischen Sender SkyNews aus Sawija: "Hier herrscht Chaos. Gebäude sind komplett zerstört, Moscheen liegen in Schutt und Asche, Blut fließt durch die Straßen. Kein Mensch sollte so etwas durchmachen. Welcher Mensch tut so etwas einem anderen an?" Die Gaddafi-Truppen konzentrieren ihr Feuer demnach auf einen Platz in der Innenstadt, wo sich angeblich viele Regimegegner versammelt haben. "Da sind eine Menge Leute, die sich Freiheit wünschen, aber es sieht so aus, als müssten sie dafür mit ihrem Blut bezahlen", zitiert der Sender den Mann, der namentlich nicht genannt werden wollte.

+++ Gefangene Holländer in guter Verfassung +++

[17.53 Uhr] Der Korrespondent von Radio Netherlands Worldwide, Hans de Vreji schickt es per Twitter an die BBC: Den drei festgehaltenen Marine-Soldaten geht es den Umständen entsprechend gut, sie durften Besuch empfangen, sind in guter Verfassung.

+++ Staats-TV zeigt angebliche Geständnisse von Rebellenkämpfern +++

[17.43 Uhr] Das libysche Staatsfernsehen strahlt einen Beitrag aus, in dem angeblich geständige Aufständische zu sehen sind. Die Männer erzählen, man habe sie mit Geld dazu gebracht, nach Ben Dschawad in den Kampf zu ziehen. Ein anderer wird bei BBC mit den Worten zitiert: "Sie haben uns einer Gehirnwäsche unterzogen, sie haben uns dazu gebracht, dass wir ihnen wie Schafe gefolgt sind." Die Aussagen klingen verdächtig nach den Behauptungen des Despoten Gaddafi, der immer wieder gesagt hatte, Islamisten steckten hinter dem Aufstand, sie würden die Libyer unter Drogen setzen und zum Kämpfen zwingen. Ob die Aussagen der Männer (die gefesselt und mit verbundenen Augen im Fernsehen vorgeführt wurden) möglicherweise erzwungen sind, lässt sich nicht überprüfen.

+++ Schnelle Fortschritte bei Untersuchung von Kriegsverbrechen +++

[17.24 Uhr] Luis Moreno-Ocampo, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, ist zuversichtlich, dass die Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen des Gaddafi-Regimes "sehr zügig" voranschreite. Dem britischen "Telegraph" sagte er: "Als wir die Ermittlungen aufnahmen, hatten wir es mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu tun. Es waren Angriffe auf unbewaffnete Zivilisten, kein bewaffneter Konflikt. Das ist der Gegenstand unserer Untersuchung."

+++ Bewohner Sawijas flüchten vor Bombardement +++

[17.15 Uhr] Ein in London lebender Libyer berichtet der BBC von einem Telefonat mit seiner Familie in Sawija. Seine Angehörigen sprechen von einem heftigen Bombardement. Sie hätten an den Stadtrand flüchten müssen, Sawija sei "vom Angesicht der Erde gelöscht". Die Gaddafi-treuen Truppen würden wahllos auf alle schießen.

+++ Anwohner melden schwere Kämpfe um Sawija +++

[17.02 Uhr] Bewohner der umkämpften Stadt Sawija berichten der Nachrichtenagentur Reuters von heftigen Kämpfen. Die Gaddafi-Truppen rückten mit Panzern und Luftunterstützung an. Noch behielten allerdings die Rebellen die Oberhand.

+++ Berichte über heftige Gefechte vor Ben Dschawad +++

[16.28 Uhr] SPIEGEL-Reporter Clemens Höges berichtet per SMS, bis zum späten Nachmittag sei es verhältnismäßig ruhig im Kampfgebiet zwischen Ben Dschawad und Ras Lanuf gewesen. Doch die Lage hat sich anscheinend schlagartig geändert: "Vor etwa einer Stunde gab es heftiges Feuergefecht vor Ben Dschawad, Gaddafis Armee setzte wohl auch Raketenwerfer ein. Hier im von Rebellen gehaltenen Ras Lanuf werden gerade die ersten Verwundeten eingeliefert." Angeblich rücke die Armee immer näher an das Städtchen heran.

+++ EU verschärft Sanktionen gegen Libyen +++

[16.27 Uhr] Die Europäische Union erweitert den Katalog ihrer Sanktionen gegen Libyen. Die Vertreter der 27 EU-Regierungen einigten sich am Dienstag in Brüssel darauf, das Vermögen einer Reihe von libyschen Finanzunternehmen einzufrieren. Nach Angaben von EU-Diplomaten gehört auch die Libysche Investment Behörde (LIA), die in mehreren EU-Staaten und in den USA an Firmen beteiligt ist, zu den betroffenen Unternehmen. Mit diesem Schritt werden die bisherigen EU-Sanktionen erweitert. Sie sehen Einreiseverbote gegen den libyschen Revolutionsführer Gaddafi sowie 25 andere Führungsfiguren des Regimes ebenso vor wie das Einfrieren von deren Vermögen in der EU. Die verschärften Sanktionen sollen an diesem Freitag bei einem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der EU offiziell beschlossen werden.

+++ Uno-Kommissar meldet Rückgang bei den Flüchtlingen +++

[16.17 Uhr] Die Zahl der Flüchtlinge an der Grenze zu Tunesien ist in den vergangenen Tagen deutlich zurückgegangen. Das sagte Uno-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres in einem Interview mit der BBC. "Eines ist klar: Als die Regierungstruppen die Kontrolle verloren hatten, kamen die Leute. Sowie sie wieder die Oberhand gewonnen hatten, ging die Zahl der Flüchtlinge zurück. Da sind alle möglichen Interpretationen möglich, aber die Fakten sprechen für sich."

+++ Al-Dschasira spekuliert über neues Gaddafi-Statement +++

[16.14 Uhr] Über Twitter meldet der englische Ableger von al-Dschasira, dass es Bericht gebe, wonach in Kürze mit einem neuerlichen Statement des libyschen Diktators Gaddafi zu rechnen sei.

+++ Deutsche Marineschiffe bringen 412 Ägypter in Sicherheit +++

[16.09 Uhr] Drei Tage nach ihrem Ablegen in Tunesien sind drei Schiffe der deutschen Marine mit 412 Flüchtlingen an Bord in Ägypten eingetroffen. Die Fregatten "Brandenburg" und "Rheinland-Pfalz" und der Einsatzgruppenversorger "Berlin" hätten die Hafenstadt Alexandria am Dienstag erreicht, teilte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministers in Berlin mit. Die Fregatten hätten den Hafen bereits wieder verlassen.

+++ Gerüchte über Gaddafi-Auftritt in Hotel in Tripolis +++

[15.56 Uhr] Die Gäste im Rixos-Hotel in der Hauptstadt Tripolis rätseln über einen möglichen bevorstehenden Besuch von Muammar al-Gaddafi. In dem Hotel wohnen vorwiegend ausländische Journalisten. Die Spekulationen rühren laut BBC von einem plötzlich ausgerollten roten Teppich in dem Gebäude, der Tatsache, dass alle Wagen vor dem Haus abgeschleppt werden, und einer seltsamen Ansage des Pressezentrums. Journalisten sei es verboten, von den oberen Etagen aus Fotos zu machen. Wer dem zuwiderhandle, gehe das Risiko ein, erschossen zu werden.

+++ Britischer Außenminister hält Flugverbotszone für machbar +++

[15.46 Uhr] Eine Flugverbotszone sei "praktisch machbar" und sofort umsetzbar, sowie die rechtliche Basis dafür geschaffen sei. Das sagte der britische Außenminister William Hague auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in London. Hague weiter: "Dazu braucht es allerdings eine breite internationale Unterstützung, und eine breite Unterstützung in der Region selbst."

+++ Regierungstruppen rücken bei Ras Lanuf mit Panzern vor +++

[15.42 Uhr] Mit Panzern und Artillerie feuert die Armee Muammar al-Gadddafis auf Stellungen der Rebellen bei Ras Lanuf und kommt dabei offenbar voran. Von der Front zurückweichende Rebellen berichten in Ras Lanuf, sie seien der überlegenen Feuerkraft der Regierungstruppen nicht gewachsen. "Unser Leute sterben da draußen", sagt ein Kämpfer Reportern der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie haben Artillerie und Panzer."

+++ Widersprüchliche Angaben über Verhandlungen mit Gaddafi +++

[15.25 Uhr] Der BBC-Arabien-Korrespondent Mustafa Menhshawi berichtet aus Bengasi von einer Spaltung des Libyschen Übergangsrates: Während einige Mitglieder des Gremiums angeben, man sei bereits dabei, über eine Ausreise des Diktators zu verhandeln, sagen andere: keine Gespräche, keine Verhandlungen. Der BBC-Mann vermutet, dass die Kommunikation zwischen Rat und den Rebellen an der Front nicht funktioniere.

+++ Frankreich untersucht "alle Optionen", um Krise zu beenden +++

[15:23 Uhr] Muammar al-Gaddafi schieße "weiterhin auf die eigenen Bürger", sagte der Sprecher des französischen Außenministeriums, Bernard Valero. "Wir werden alles tun, um diese Krise zu beenden." Man werde sich dabei grundsätzliche alle Optionen offenhalten - und dazu gehöre auch die Durchsetzung einer Flugverbotszone über dem libyschen Luftraum.

+++ Arabische Liga verschiebt Treffen auf Samstag +++

[15:10 Uhr] Die Arabische Liga hat ihren Sondergipfel vertagt: Statt Freitag wollen die Außenminister nun erst am Samstag in Kairo tagen. Ein Grund für die Verschiebung wurde vorerst nicht angegeben.

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1. Ich sag doch ...
lutti16 08.03.2011
... das Flugverbot kommt in jedem Fall. Deshalb nicht lange zögern, sondern die Sache vorantreiben. Alles, was für die Schaffung und Durchsetzung einer Flugverbotszone nötig ist muss eigentlich schon unterwegs, bzw. in Vorbereitung sein. Dass die Golfstaaten so klar Stellung beziehen zeigt, dass Gaddafi längst eine Grenze überschritten hat.
2. Das muss mal gesagt werden dürfen,
born47 08.03.2011
[09.28 Uhr] Die arabischen Staaten am Persischen Golf haben die Angriffe der libyschen Streitkräfte auf Oppositionelle scharf verurteilt. Die Massaker des Regimes von Muammar al Gaddafi an der eigenen Bevölkerung seien "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", erklärte der Generalsekretär des Golfkooperationsrates (GCC), Abdul Rahman Hamad al Attijah. Der Schutz der libyschen Bürger müsse absolute Priorität haben.(Zitat Spon) Der GCC kooperierte eng mit den USA, um gegen den Iran geschützt zu sein. Zu doof das man immer wieder beim manipulieren der Meinungen erwischt wird. Obama will nicht weiter sich so öffentlich "weit aus dem Fenster lehnen", Westerwelle hat Stromausfall, da muss Abdul Rahman Hamad al Attijah eben rann.
3. na klasse..
nordschaf 08.03.2011
... wenn die westlichen Bündnisse noch ein bisschen zögern, hat sich das Ganze von allein erledigt. Dann hat Ghaddafi die Demokratiebewegung und mit ihr tausende Menschen weggebombt. Tolle Sache, das.
4. -
derflieger 08.03.2011
Die Vorbereitung einer Flugverbotszone scheint in Realität schwierig zu sein. Auch deshalb dauert es. Ich denke aber auch, das sie kommt. Man stelle sich vor, Gaddafi würde mit Hilfe seiner Luftwaffe wieder grössere Teile des Landes unter (fragwürdige) Kontrolle bringe. Das kann doch keiner wollen. Ein paar seiner Jäger abschiessen und Gaddafi sollte erledigt sein. Ohne Flieger wird Gaddafi kaum eine Chance haben, aus seinem Rattenloch hervorzukommen. Es wäre das klarste Zeichen an ihn und seine Söldner: Du bist allein und die Weltgemeinschaft hat Dich verurteilt.
5. Versagen der EU und westlichen Welt
wasisdasdenn 08.03.2011
Zitat von sysopDie Rebellen in Libyen geraten immer stärker unter Druck: Kampfflugzeuge haben erneut Stellungen der Aufständischen angegriffen - die Stadt Sawija westlich von Tripolis wurde nach Medienberichten von Gaddafi-Truppen umkreist. Verfolgen Sie die Ereignisse im Live-Ticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749654,00.html
Die NATO pocht auf ein UN-Mandat, um in Libyen militärisch eingreifen zu können. Derweil wird die Demokratiebewegung dort von dem Despoten Gaddhafi ins Jenseits gebombt. Die Haltung der USA sowie der EU ist skandalös und beschämend zugleich. Gegen den Irak wurden gefälschte "Beweise" vorgelegt, am Ende haben die USA und Großbritannien ohne UN-Mandat losgeschlagen. In Libyen schauen die westlichen Mächte einfach nur zu. Dass die NATO ohne UN-Mandat (Rasmussen) nicht aktiv wird degradiert sie in meinen Augen zu reinen Opportunisten. Da Russland und China in der UN wahrscheinlich gegen einen militärischen Einsatz stimmen werden, wird die Bevölkerung in Nordafrika weiter massakriert werden. Die Haltung der Politiker lässt nur einen Schluss zu: Es wird scheinbar gewünscht, dass dort möglichst viel Blut fliesst und Libyen ins Chaos stürzt.
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Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

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