Bürgerkrieg Libyens Parlament flüchtet auf griechische Fähre

Die Gewalt in Libyen eskaliert. Das Parlament muss seine Sitzungen auf einer griechischen Fähre abhalten. Viel mehr als das Schiff hat die Übergangsregierung nicht mehr unter ihrer Kontrolle.

"Elyros"-Fähre (Archivbild vor Kreta): Auf diesem Schiff tagt Libyens Parlament
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"Elyros"-Fähre (Archivbild vor Kreta): Auf diesem Schiff tagt Libyens Parlament


Tobruk - Libyens Parlament hat seine Tagungen aus Sicherheitsgründen auf eine griechische Fähre verlegt. Dies berichtet die britische Zeitung "The Guardian". Die libysche Übergangsregierung habe die "Elyros"-Fähre und ihre Besatzung demnach kurzfristig für sich und die Parlamentssitzungen angemietet, nachdem sie aus der Hauptstadt Tripolis flüchten musste.

In Libyen tobt ein erbitterter Machtkampf verschiedener Milizen. Die Übergangsregierung hatte vor Kurzem die Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis verloren und musste nach Tobruk in Ostlibyen flüchten. Inzwischen ist das Schiff der einzige Ort, an dem Libyens Regierung und Parlamentarier sich noch halbwegs sicher fühlen können. Nun wohnen und arbeiten die Politiker auf dem Schiff vor Tobruk nahe der Grenze mit Ägypten. Auch internationale Gesandte empfangen sie dort.

Normalerweise dient das Schiff als Fähre zwischen Griechenland und Italien. An Bord gibt es Restaurants, Bars und ein Deck für Autos. Nun toben die Kinder der Politiker durch die Korridore. Die Frauen sitzen im Restaurant, um sie herum die Schiffscrew in ihren weißen Uniformen.

Libyen versinkt in seiner tiefsten Krise seit Gaddafis Sturz

"Es ist ein wenig ungewöhnlich", sagte eine Stewardess dem "Guardian". "Vielleicht bleiben wir hier eine Woche, vielleicht auch Monate, wir wissen es nicht." Die Libyer wissen es genauso wenig. Libyen erlebt derzeit seine schwerste Krise seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011.

Die Übergangsregierung hat die Kontrolle über alle wichtigen Städte verloren. Aber sie beherrscht noch einige Ölfelder und sie kann auch auf Libyens prall gefüllte Konten im Ausland zugreifen. Sie hofft, dass ihr viel Geld und Zeit helfen, um die kleine libysche Armee zu reformieren und auszubauen, um dann das Land Schritt für Schritt wieder zurückzurerobern.

Doch der Krieg der rivalisierenden Milizen in Libyen wird immer verworrener. Er wird zunehmend von einem regionalen Stellvertreterkrieg überlagert: Die Golfstaaten Katar und Vereinigte Arabische Emirate unterstützen unterschiedliche Seiten.

Wie die Libyer wieder zusammenfinden sollen, ist unklar. Auch auf dem Schiff herrscht keine Einigkeit. Die islamistischen Parlamentarier sind gar nicht erst an Bord gegangen. Sie boykottierten den Umzug nach Tobruk und wollen ihre eigene Regierung bilden.

ras

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insgesamt 22 Beiträge
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ketzer2000 10.09.2014
1. Freiheit des arabischen Frühlings
Ist das - das ist die Freiheit, die der arabische Frühling Libyen gebracht hat!? Wo ist das Land geblieben, das als das reichste Land Nordafrikas galt - auch wenn von einem Autokraten Ghadafi und seinem Clan beherrscht. Relativer Frieden durch Unterdrückung - dem normalen Volk hatte sich damit arangiert. Was ist Meinungsfreiheit wert, wenn ich weder Arbeit noch Essen habe und Bürgerkrieg tobt.
helle_birne 10.09.2014
2. Der Libanon ist ein multi-
kultureller und multireligiöser Staat, der im Nahen Osten mal den Versuch eines ausgewogenen und gleichberechtigten Zusammenlebens verschiedener Ethnien und Religionen versucht hat, z.B. durch eine sorgsam austarierte Verfassung. Leider scheint auch das nicht zu funktionieren. Wird der Traum von einem friedlichen multikulturellen und multireligiösen Staat wirklich für immer ein Traum sein, es gibt ja kaum Beispiele in der ganzen Welt, wo das wirklich auf Dauer funktioniert. Ist der Mensch dazu wirklich nicht in der Lage? *resignier*
holy10 10.09.2014
3. Imperialismus des 21. Jhd.
So sieht er aus und wird in Ost und West praktiziert.
rus13 10.09.2014
4.
Wer sich, wie Gaddafi, gegen den Dollar und somit gegen die USA einsetzt, kriegt im Namen der Demokratie eine Kugel in den Kopf. Oder um Hilary Clinton zu zitieren: " We came, we saw, he died."
Bonanza 10.09.2014
5. Einfach Klasse.
Ah ja. Der "arabische Frühling" in Libyen geht ja auch immer noch weiter. Das haben die Amis, die NATO vor zwei Jahren wirklich toll hinbekommen, so ganz ohne Bodentruppen nur mit ein paar Fliegern und auf die "Kultur" der Ureinwohner bauend. Einfach Klasse.
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