Libyen Rebellen schnappen britische Elitesoldaten

Peinliche Panne für die britische Geheimdiplomatie: Ein Regierungsvertreter und bis zu acht Elitesoldaten der Spezialeinheit SAS wurden in Libyen von Rebellen festgenommen. Offenbar sollten sie Verhandlungen mit den Aufständischen aufnehmen.

Aufständischer in Libyen: Britische Spezialeinheit wurde festgesetzt
AP

Aufständischer in Libyen: Britische Spezialeinheit wurde festgesetzt


London - In Libyen wird nach einem Zeitungsbericht eine Spezialeinheit der britischen Armee von Aufständischen festgehalten. Wie die "Sunday Times" berichtet, wurden bis zu acht Soldaten des Special Air Service (SAS) von Rebellen gefangen genommen, als sie einen britischen Diplomaten durch das von Aufständischen kontrollierte Gebiet im Osten Libyens begleiteten. Sprecher des Außen- und des Verteidigungsministeriums in London wollten den Bericht weder bestätigen noch dementieren, meldete die britische Nachrichtenagentur PA am Sonntagmorgen.

Laut "Sunday Times" wurden die britischen Soldaten in die Rebellen-Hochburg Bengasi gebracht. Wie es hieß, habe der Diplomat, zu dessen Sicherung die Soldaten eingesetzt gewesen seien, eine Kontaktaufnahme mit Gegnern des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi vorbereiten wollen.

Der Einsatz der britischen Soldaten auf libyschem Territorium habe die Aufständischen verärgert. Nach Angaben der "Times" halten sie die Briten in einer Militärbasis in Bengasi fest. Die Aufständischen befürchten, dass Machthaber Muammar al-Gaddafi die SAS-Affäre benutzen könnte, um Ängste vor einer westlichen Militärintervention zu schüren und so die Oppositionsbewegung zu schwächen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Solidarity mit Sitz in Genf hat die Gefangennahme der Briten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt.

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Wie es unter Berufung auf libysche Quellen weiter heißt, sollen die Briten nun in Bengasi von einem der führenden Oppositionspolitiker befragt werden. Der rangniedrige Diplomat, den die SAS-Soldaten durch Libyen eskortierten, sollte demnach einen ersten Kontakt mit den Rebellen herstellen. Anschließend sollten die Verhandlungen unter Führung eines ranghöheren britischen Vertreters fortgesetzt werden.

In Libyen werden auch drei niederländische Marineflieger vom Gaddafi-Regime festgehalten. Sie hatten Mitte der Woche versucht, zwei Holländer aus der Stadt Sirte auszufliegen und waren dabei von Regierungstruppen gefangen genommen worden. Sie werden jetzt der Spionage bezichtigt.

mbe/dpa/Reuters



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insgesamt 48 Beiträge
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PeteLustig, 06.03.2011
1. .
Dann sollten die Revolutionäre doch bitteschön ihre eMailadresse bekannt machen und sich so persönliche Vermittlungsbesuche der Diplomaten ersparen... Warum die SASler sich widerstandlos ergaben lässt sich übrigens einfach erklären: Wieso sollten sie auf diejenigen schießen, mit denen ihre Schutzperson verhandeln soll?
2010sdafrika 06.03.2011
2. Trotz SAS-Schlappe - Westen muss rasch handeln!
Die internationale Staatengemeinschaft muss definitiv und rasch handeln, um Flüchtlingsströme aus dem Norden Afrikas, die bereits jetzt existent sind, noch überhaupt kontrollieren zu können. Die Festnahme von niederländischen und britischen Soldaten haben gezeigt, dass eine Koordinierung zwischen den europäischen Staaten notwendig ist. Ansonsten haben wir Zustände wie in Simbabwe/ Südafrika: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/06/simbabwer-in-sudafrika-ein-leben-in-angst-und-schrecken/.
sgift 06.03.2011
3. Wunderbar
Ist doch der perfekte Grund klar zu machen wieso der Westen keine Flugverbotszone aufbauen wird. Wieso sollte man denen helfen, wenn die Belohnung dafuer so ein Verhalten ist?
Waiguoren 06.03.2011
4. Erfolgreiche Operation?
Warum Panne? Der Diplomat wollte Kontakt mit den Rebellen herstellen, was ihm scheinbar gelungen ist.
NaljiaSkal 06.03.2011
5. Pradox
Also wenn ein Diplomat Kontakt aufnehmen soll haben die Rebellen Angst, dass Gaddafi dieses Signal Missbrauchen könnte, aber sie fordern im gleichen Atemzug die Durchsetzung einer Flugverbotszone (durch den Westen)? Versteh einer die Logik dahinter...
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