Libyen Regierungskämpfer verzeichnen Verluste bei Sirt-Offensive

Die Milizionäre in Sirt leisten heftigen Widerstand - mit Barrikaden, Scharfschützen und Sprengfallen. Bei der Offensive zur Rückeroberung sind laut Regierung zuletzt 34 Kämpfer der Verbände der international anerkannten Übergangsregierung getötet worden.

Offensive in Sirt
REUTERS

Offensive in Sirt


Der Dienstag war einer der blutigsten Tage seit Beginn der Sirt-Offensive. Libysche Regierungsverbände bekämpfen dort die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Dabei seien allein am Dienstag mindestens 34 regierungsnahe Kämpfer getötet und hundert weitere verletzt worden, teilte die international anerkannte Übergangsregierung mit.

Die Opferzahlen scheinen jedoch noch unklar zu sein: Rida Issa, ein Sprecher der regierungstreuen Brigaden, sprach von 16 getöteten Kämpfern der Brigade und 60 verletzten. Die Einheiten hätten einen Stadtteil im Süden Sirts gesichert. Außerdem hätten sie im Westen des Stadtzentrums Teile erobern können, erklärte Issa.

Die Regierungstruppen hätten zu einer Schlussoffensive angesetzt. Dabei seien sie jedoch auf erbitterten Widerstand von Milizionären getroffen, die sich in Teilen Sirts verschanzt hielten. Die Kräfte der neuen Einheitsregierung waren Anfang Juni mit Unterstützung von Luftwaffe und Artillerie in die Stadt vorgedrungen.

Barrikaden, Scharfschützen und Sprengfallen

Sirt ist die wichtigste Basis der IS-Miliz in Libyen. Eine Eroberung der Stadt wäre ein wichtiger Erfolg für die kürzlich gebildete Regierung der Nationalen Einheit. Diese ringt noch darum, ihre Autorität im Land zu etablieren.

Mit Barrikaden, Scharfschützen und Sprengfallen hätten sich die Islamisten zur Wehr gesetzt, hieß es in der Erklärung der Einheitsregierung. Die Milizionäre seien "in einem kleinen Teil von Sirt belagert". Die Übergangsregierung gab die Zahl der getöteten IS-Kämpfer mit "mehreren Dutzend" an.

Für die Dschihadisten wäre der Verlust von Sirt ein herber Rückschlag. Sie hatten sich 2014 in der Heimatstadt des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi festgesetzt und die Stadt vor einem Jahr vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Der IS hatte dabei von dem Chaos profitiert, das in Libyen seit dem Sturz Gaddafis im Herbst 2011 herrscht.

vek/AFP/Reuters

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Barath 22.06.2016
1. ...
Es wird so betont im ganzen Text immer von "Regierung" - ohne näheres Attribut oder gar Artikel gesprochen. Welche Regierung ist denn gemeint? Oder gibt es in Libyen mittlerweile wirklich nur noch eine (mein letzter Stand war, dass es 3 gab)? - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben es jetzt präzisiert - gemeint ist die international anerkannte Übergangsregierung. Redaktion Forum
colonium 22.06.2016
2. verräterische Sprache...
Interessanter Sprachgebrauch... In Syrien ist es das "Regime" und in Libyen ist es die "Regierung" Ich erinnere mich zwar nicht, dass diese "Regierung" in Libyen irgendwann gewählt wurde, geschweige denn aus Demokraten bestünde, mindestens die Hälfte gehört Jihadistischen Terrororganisationen an, aber in dem Moment, indem islamistische für und nicht gegen den Westen kämpfen, werden sie in Osama Bin Laden Manier, unmittelbar "Demokraten" und "Regierung". So stellt sich das der Westen wohl auch in Syrien vor. Die "gemäßigten Rebellen" werden irgendwann ohne Wahlen zur "Regierung", auch wenn sie überwiegend islamistische Terroristen sind. Aber wie gesagt...seit Osama Bin Laden... wer für die geopolitischen Interessen des Westens kämpft ist immer Freiheitskämpfer... und wer darüber hinaus für den Westen und gegen Russland kämpft ist immer Demokrat und würdig Regierungsverantwortung zu übernehmen. Man kann nur froh sein, dass Hitler nicht heutzutage lebt..er wäre sicher im geopolitischen Sinne auch ein würdiger Verbündeter des Westens und ein "Freiheitskämpfer" Voller Verärgerung..Schalom....
Beat Adler 22.06.2016
3. 2012 wurde in Libyen eine verfassungsgebende Versammlung gewaehlt.
Zitat von coloniumInteressanter Sprachgebrauch... In Syrien ist es das "Regime" und in Libyen ist es die "Regierung" Ich erinnere mich zwar nicht, dass diese "Regierung" in Libyen irgendwann gewählt wurde, geschweige denn aus Demokraten bestünde, mindestens die Hälfte gehört Jihadistischen Terrororganisationen an, aber in dem Moment, indem islamistische für und nicht gegen den Westen kämpfen, werden sie in Osama Bin Laden Manier, unmittelbar "Demokraten" und "Regierung". So stellt sich das der Westen wohl auch in Syrien vor. Die "gemäßigten Rebellen" werden irgendwann ohne Wahlen zur "Regierung", auch wenn sie überwiegend islamistische Terroristen sind. Aber wie gesagt...seit Osama Bin Laden... wer für die geopolitischen Interessen des Westens kämpft ist immer Freiheitskämpfer... und wer darüber hinaus für den Westen und gegen Russland kämpft ist immer Demokrat und würdig Regierungsverantwortung zu übernehmen. Man kann nur froh sein, dass Hitler nicht heutzutage lebt..er wäre sicher im geopolitischen Sinne auch ein würdiger Verbündeter des Westens und ein "Freiheitskämpfer" Voller Verärgerung..Schalom....
2012 wurde in Libyen eine 200 koepfige verfassungsgebende Versammlung gewaehlt. Aus ihrer Mitte wurde die Uebergangsregierung bestimmt. Die Wahlen verliefen erstaunlich fair und frei. Da kein einziger Islamist auch nur einen einzigen Sitz bekam, beschlossen die verschiedenen Milizen ihre Waffen nicht niederzulegen, denn das Teufelszug, genannt Demokratie, bringt sie nie an die Macht. Sie halten es wie Mao Tse Tung: "Die Macht kommt aus den Gewehrlaeufen." Die libyschen Stimmbuerger allerdings wollten und wollen keine Islamisten. Deswegen das Chaos, das zu mehreren sich gegenseitig bekaempfenden Gruppierungen, Pseudo-Regierungen fuehrte. Immerhin viel besser, wie die Massaker in Syrien. Kein Libyer flieht, kein Despot wirft Fassbomben auf Marktplaetze. mfG Beat
raro 22.06.2016
4. Schauen Sie
genau diese Islamisten terrorisieren schon seit den 70ger Jahren Syrien, mit denen kann man nicht friedlich, Schon damals musste der Vater von Assad brutal dagegenhalten, wie Algerien in den 90gern. Der Westen muss von seiner Arroganz Abstand nehmen.
worldalert11 22.06.2016
5. Überraschung
Eher nicht, das war doch vorherzusehen, dass ISIS erbitterten Widerstand leistet.
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