Libyen statt Gefängnis: Lockerbie-Attentäter soll Gaddafi erpresst haben
Drohte der verurteilte Lockerbie-Attentäter Mikrahi dem libyschen Diktator Gaddafi mit Rache? Das behauptet der zurückgetretene Justizminister Dschalil - und nennt gleich noch eine beeindruckende Summe: Der ganze Fall habe das Land 1,3 Milliarden Pfund gekostet.
London - Es ist eine brisante Enthüllung: Offenbar hat der Lockerbie-Attentäter Abd al-Bassit Ali al-Mikrahi den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi erpresst. Um aus der Haft in Schottland entlassen zu werden, soll Mikrahi gedroht haben, Gaddafis Rolle beim Attentat 1988 zu enthüllen. Er habe Rache für den Fall angekündigt, dass er nicht nach Hause kommen könne. Das sagte der ehemalige libysche Justizminister Mustafa Abdel Dschalil der "Sunday Times". Abdel Dschalil war vergangene Woche zurückgetreten.
Die Drohungen von al-Mikrahi hätten dazu geführt, dass Schmiergelder von 50.000 Pfund pro Monat zur Verfügung gestellt worden seien, etwa für Justizgebühren, Besuche der Familie im Gefängnis und Lobbyarbeit für die Freilassung.
Dschalil sagte weiter, Mikrahi habe mit dem Attentat auf die Pan-Am-Maschine über der schottischen Grafschaft Lockerbie zu tun gehabt. Er sei zwar nicht derjenige gewesen, der es geplant und ausgeführt habe, aber er habe die Dinge für diejenigen arrangiert, die dies gemacht hätten.
Leben in einer Villa
Nach Dschalils Angaben hat Mikrahi "eine Sonderbehandlung als libyscher Gefangener bekommen, die niemanden anderen jemals zuteil wurde". Die libysche Regierung sei entschlossen gewesen, seine Rückkehr nach Tripolis sicherzustellen, "selbst wenn es sie den letzten Penny gekostet hätte". Insgesamt soll der Fall Libyen 1,3 Milliarden Pfund gekostet haben.
Mikrahi war 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bei dem Anschlag auf eine Maschine der US-Fluglinie Pan Am über dem schottischen Ort Lockerbie im Dezember 1988 waren 270 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen waren US-Bürger.
Mikrahi hatte seine Schuld stets bestritten. Er war im August 2009 begnadigt worden, da Ärzte ihm attestierten, er habe wegen einer Prostatakrebserkrankung nur noch drei Monate zu leben. Mikrahi wohnt seitdem bei seiner Familie in einer Villa in Libyen.
böl
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