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Welle der Gewalt: Tausende Libyer fliehen nach Tunesien

Immer mehr Libyer befinden sich auf der Flucht vor den Kämpfen rivalisierender Milizen. Tausende von ihnen sind bereits in Tunesien angekommen.

Tunis - Die Flüchtlingswelle von Libyen nach Tunesien wird immer größer. Am Montag waren bereits 6000 Menschen vor der eskalierenden Gewalt in das Nachbarland geflohen, am Dienstag dauerte der Flüchtlingsstrom nach Angaben der tunesischen Nachrichtenagentur TAP an. Auch viele ausländische Diplomaten hatten das Krisenland zuvor nach Tunesien verlassen.

Lokale Medien zogen bereits Vergleiche zur Massenflucht der Libyer während des bewaffneten Aufstands gegen Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011. Dem tunesischen Innenministerium zufolge leben derzeit 1,5 Millionen Libyer in dem Land.

Seit Tagen eskalieren die Kämpfe rivalisierender Milizen in dem nordafrikanischen Krisenstaat. In der Nacht zum Dienstag und am Morgen seien mindestens 30 Menschen getötet worden, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Laut Medienberichten kam es in Benghasi im Osten Libyens zu heftigen Zusammenstößen von Kriegsflugzeugen und Raketen zwischen Regierungskräften und islamistischen Kämpfern.

Botschaftspersonal abgezogen

Bereits in der Nacht zum Montag war eine Rakete auch in das Depot des Brega Öl- und Gasunternehmens eingeschlagen. Am Dienstag folgte ein weiteres Geschoss. Anwohner innerhalb eines Radius von fünf Kilometern wurden aus Sorge vor Explosionen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Insgesamt sollen in der Anlage 90 Millionen Liter Benzin lagern.

Italienische Löschflugzeuge sollen den Großbrand jetzt bekämpfen. Die Regierung in Rom und der Energiekonzern ENI hätten zugesagt, sieben Löschflugzeuge und spezialisierte Einsatzkräfte zu schicken, teilte die libysche Regierung am Dienstag mit. Wann die Hilfe eintreffen soll, war offen.

Mehrere westliche Staaten, darunter auch Deutschland, zogen in den vergangenen Tagen ihr Botschaftspersonal ab und forderten ihre Staatsbürger zum Verlassen des Landes auf.

als/vek/dpa/AFP

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Dank an die NATO
skruffi 29.07.2014
Ist es das, was F, GB und die NATO im ehemals reichsten Land Afrikas anrichten wollten? Nachdem schon im Irak gezeigt wurde, was aus angeblichen Demokratisierungsversuchen des Westens wurde. In Libyen wird es nach dem NATO- Regime-Change (offiziell natürlich Flugverbotszone) vermutlich nicht viel anders aussehen. Die gleichen Protagonisten wollten die Islamisten in Syrien mit Waffen versorgen, damit Assad fällt (und dann ein islamistisches Kalifat noch näher an Europa rückt). Nein, die westliche Politik ist nicht mehr zu verstehen.
2.
heiko1977 29.07.2014
Dann wird sich ja in absehbarer Zeit auch die Situation in Tunesien destabilisieren.
3. Immer wenn ich solche Schlagzeilen lese
wachsamer_bürger 29.07.2014
Immer wenn ich solche Schlagzeilen lese frage ich mich was die NATO hier angerichtet hat. Sie hat die Staatsmacht eines fremden Staates zerstört und ein Chaosland hinterlassen. Die Summe aller Opfer inklusive ere des angeblichen "Aufstandes" dürfte die der Gaddafidiktatur um ein vielfaches übersteigen. Dazu kommt die zerstörte Infrastruktur Es wäre besser gewesen einfach das natürliche Ende der Diktatur abzuwarten statt sie mit Gewalt zu beseitigen. Ging doch auch in Spanien, Chile und Argentinien.
4. Einer der wenigen
recepcik 29.07.2014
arabischen Sozialstaaten mit guter Bildungs- und Gesundheitspolitik musste Platz für einen von Islamisten dominierten Terrorstaat machen. Sehr traurig dass jetzt sogar die einstigen Retter sich davon machen.
5.
simon23 29.07.2014
Zitat von sysopImmer mehr Libyer befinden sich auf der Flucht vor den Kämpfen rivalisierender Milizen. Tausende von ihnen sind bereits in Tunesien angekommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/libyen-tausende-auf-der-flucht-nach-tunesien-a-983444.html
Laut Wikipedia leben zurzeit 6 Millionen Menschen in Libyen. Laut tunesischen Aussagen leben zurzeit 1,5 Millionen Libyer in Tunesien. Je nachdem, ob man diese mitrechnet, sind also allein nach Tunesien 20 - 25% der Bevölkerung geflohen. Aber wie schon der User reanamuc meinte, geht es hier bloß um vereinzelte Auseinandersetzeungen und nicht wirklich um einen Krieg.
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