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Libyen: Tausende fliehen aus Gaddafis Heimatstadt Sirt

Sirt ist eine der letzten umkämpften Orte in Libyen. Als Heimatstadt des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi hat der Ort auch symbolisch große Bedeutung. Für die Zivilisten in Sirt ist die Lage dramatisch, Tausende fliehen - das Rote Kreuz berichtet von katastrophalen Zuständen.

Libyen: Schwere Kämpfe in Sirt Fotos
AFP

Tripolis - Menschen sterben wegen fehlender Medikamente, ein Krankenhaus steht unter Beschuss, es fehlt an Treibstoff für Notstromaggregate: Die Lage in der von Truppen der neuen libyschen Führung belagerten Stadt Sirt ist nach Angaben des Roten Kreuzes "schrecklich". In der Heimatstadt des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi stürben unzählige Menschen wegen unzureichender Versorgung mit Medizin, sagte Hichem Chadraui vom Roten Kreuz am Samstag nach einem Besuch in der Stadt.

In dem Hospital sind laut Angaben des Roten Kreuzes 200 Verwundete, und die Zahl Verletzten steigt wegen der Kämpfe schnell an. Die Ärzte hätten einer Rot-Kreuz-Delegation gesagt, dass sie nicht einmal mehr Sauerstoff hätten. "Während wir in dem Krankenhaus waren, schlugen mehrere Geschosse ein", sagte Chadraui. Bei vorangegangenen Angriffen sei unter anderem der Wasserspeicher des Krankenhauses getroffen worden. Nun müsse frisches Wasser immer von außen besorgt werden.

Mitarbeiter der Hilfsorganisation übergaben 300 "Kriegsverletzten-Versorgungspäckchen" sowie 150 Leichensäcke für Verstorbene. Während des Besuches der Delegation im Krankenhaus schlugen nach Angaben der BBC mehrere Raketen auf dem Gelände ein.

Sirt ist eine der wenigen libyschen Städte, die noch von Gaddafi-Kämpfern gehalten werden. Sie wird immer wieder von Nato-Flugzeugen bombardiert und von Truppen der neuen Führung des Landes angegriffen. Vor den Kämpfen sind nach Angaben des Roten Kreuzes bereits fast zehntausend Menschen aus Sirt geflohen, viele andere konnten die Stadt aber nicht verlassen. Etwa ein Drittel der Flüchtlinge campiert nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt, um dort das Ende der Kämpfe abzuwarten und danach schnell zurückkehren zu können.

Familie stirbt bei Fluchtversuch

Der Nationale Übergangsrat hatte am Freitag angekündigt, zwei Tage lang einen Korridor für Zivilisten aufrecht zu erhalten, die die Stadt verlassen wollen. "Das gibt Familien eine Chance, das Kampfgebiet zu verlassen", sagte ein Sprecher am Samstag. Hunderte Autos, beladen mit den Habseligkeiten der Stadtbewohner, standen an Checkpoints der Gaddafi-Gegner am Stadtrand. "Wir mussten wegen der Bombardierung die Stadt verlassen", sagte einer der Flüchtlinge laut BBC. Ein anderer meinte: "Wir haben unser Haus verlassen, weil wir zwischen Bombardements der Nato und der Rebellen gefangen sind." Besonders die Nato treffe oft Zivilgebäude.

Am Sonntag wurden zwei Kinder und ihre Eltern bei der Flucht aus der Stadt getötet. Sie waren auf dem Weg zu einem Checkpoint der Gaddafi-Gegner. Viele Flüchtlinge berichteten von katastrophalen Zuständen in der Stadt. Nahrungsmittel würden knapp, zudem sei die Wasser- und Stromversorgung zusammengebrochen.

Die Kämpfe um Sirt dauern schon seit Wochen an. Am Freitag nahmen die Angreifer den Flughafen der Stadt ein. Die Truppen des Übergangsrates halten nach eigenen Angaben nun Positionen etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Sie wollen von Westen und Osten angreifen und sie Gaddafis Anhänger an zwei Fronten unter Druck setzen. Die Angreifer kommen aber nur langsam voran. Ein Sprecher der Regierungstruppen sagte, Gaddafi-treue Truppen besetzten immer noch strategisch wichtige Positionen in der Stadt, darunter Hochhäuser, auf denen Scharfschützen postiert seien. Dies erschwere den Vormarsch.

Nach Angaben von General Carter Ham, dem US-Befehlshaber für alle Operationen in Afrika, ist die Mission in Libyen weitgehend abgeschlossen; die Einsätze der Nato könnten bereits in der kommenden Woche nach dem Treffen der Nato-Staaten in Brüssel beendet werden. Der Widerstand in Gaddafi-treuen Städten wie Sirt oder Bani Walid und der Umstand, dass Gaddafi noch immer nicht gefasst ist, trennen die neuen Machthaber vom endgültigen Sieg.

ulz/AFP/AP

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insgesamt 239 Beiträge
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1. hypokraten
angelamorkel 02.10.2011
Das wars wohl mit euren Luegen! Wer tatsaechlich wissen meochte, wie es in Libyen aussiet: http://www.youtube.com/watch?v=aBhdbDC0h3I Libyen.... so sieht es ein serbischer Kriegsjournalist.Nicht embedded sondern unabhängig! Eure britischen Kollegen haben sich ebenfalls blamiert: Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: ITV-Sender benutzt PC-Game um Gaddafi zu belasten http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/09/tv-sender-benutzt-pc-game-um-gaddafi-zu.html#ixzz1ZeOrUFTl Die Zeit wird die Luegner richten!
2. Kriegsverbrechen
moliebste 02.10.2011
Dass die Rebellenbanden auch dann gnadenlos die Innenstadt von Sirte und das Krankenhaus bombardieren, als endlich einmal das Rote Kreuz zu Besuch ist, findet selbst der mähnstream nicht mehr lustig. Nachdem die arg gelichteten Reihen der Angreifer heute mit neuen Söldnern verstärkt wurden, soll morgen der nächste Angriff erfolgen. Die NATO wird wieder ihr bestes geben, ihre Bomben. Die Angreifer könnten aber eine böse Überraschung erleben: Die Warfallah und Tarhuna haben zur Stärkung der Verteidigung Kämpfer von Bani Walid und Tarhuna nach Sirte geschickt und planen zudem einen Angriff von hinten. Bani Walid wurde übrigens heute zur provisorischen Hauptstadt erklärt, bis Tripolis völlig von den NATO-Fußtruppen befreit ist.
3. Kriegsverbrechen
tkgdfk 02.10.2011
Zitat von sysopSirt ist eine der letzten umkämpften Orte in Libyen. Als Heimatstadt des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi hat der Ort auch symbolisch große Bedeutung. Für die Zivilisten in Sirt ist die Lage dramatisch, Tausende fliehen*- das Rote Kreuz berichtet von katastrophalen Zuständen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789581,00.html
Die NATO und die mit der NATO verbündeten Banden sind wirkliche Spezialisten für Kriegsverbrechen. Volle Kanone auf eine eingeschlossene Stadt schießen mit Mörsern und Raketen- schlimmere Kriegsverbrechen kann es gar nicht geben. Ich schäme mich dafür in einem Land zu leben das Mitglied in diesem Verbrecherbündnis namens NATO ist.
4. Zivilisten schützen
angakin 02.10.2011
Zitat von sysopSirt ist eine der letzten umkämpften Orte in Libyen. Als Heimatstadt des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi hat der Ort auch symbolisch große Bedeutung. Für die Zivilisten in Sirt ist die Lage dramatisch, Tausende fliehen*- das Rote Kreuz berichtet von katastrophalen Zuständen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789581,00.html
Hoffentlich hört diese Art des "Zivilisten schützens" bald auf. Zitat: "Wir haben unser Haus verlassen, weil wir zwischen Bombardements der Nato und der Rebellen gefangen sind." Besonders die Nato treffe oft Zivilgebäude. Zitat Ende. Das ist meines Wissens die erste Aussage dieser Art die der Spiegel bringt.
5. Jeder
cour-age 02.10.2011
Zitat von sysopSirt ist eine der letzten umkämpften Orte in Libyen. Als Heimatstadt des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi hat der Ort auch symbolisch große Bedeutung. Für die Zivilisten in Sirt ist die Lage dramatisch, Tausende fliehen*- das Rote Kreuz berichtet von katastrophalen Zuständen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789581,00.html
Jeder halbwegs Vernünftige würde an diesem Punkt kapitulieren, und weiteres unsinniges Leid und Blutvergiessen vermeiden. Der Prozess in Libyen ist unumkehrbar. Der Gaddaficlan und seine persönlichen Brigaden opfern eine ganze Stadt für ihre sinnlose Dikatatorenwut.
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Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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