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Libyen: Übergangsrat meldet Gaddafis Tod

Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi ist nach Angaben des libyschen Übergangsrats bei einem Gefecht getötet worden. Ein Bild zeigt den 69-Jährigen angeblich nach dem Schusswechsel. Sein Sohn Mutassim ist laut einem TV-Sender in Sirt gefangen genommen worden.

REUTERS

Hamburg - Die Meldungen überschlagen sich: In Libyen ist der einstige Diktator Muammar al-Gaddafi nach Angaben des Übergangsrats bei einem Gefecht verletzt worden und dann seinen schweren Verletzungen erlegen. Gaddafi sei zunächst mit einem Krankenwagen weggebracht worden, er habe Schussverletzungen an beiden Beinen davongetragen. Seine Leiche ist offenbar in die Stadt Misurata gebracht worden, die wochenlang unter heftigstem Beschuss der Gaddafi-Truppen gestanden hatte.

Im Laufe des Nachmittags tauchten zuerst Fotos des blutüberströmten Gaddafi auf, später auch Videosequenzen, offenbar mit einem Handy aufgenommen. Darauf ist offenbar der Leichnam des Mannes zu sehen, den die Rebellen seit Wochen gejagt haben. Um ihn herum steht eine Menschenmenge, Geschrei ist zu hören.

Der arabische Fernsehsender al-Dschasira übertrug live aus der Hauptstadt Tripolis. Auf den Straßen sind hupende Autokonvois unterwegs. "Hier in Tripolis feiern die Menschen schon auf den Straßen", sagte ein Sprecher des Übergangsrats. Die TV-Bilder zeigen jubelnde Menschen, einige geben Freudenschüsse in die Luft ab, andere zerreißen grüne Fahnen, die frühere Nationalflagge unter Gaddafis Regime. Auch in Sirt selbst sind die Menschen euphorisch. Im ganzen Land feiern zahllose Libyer - auch im Internet. "Es ist vorbei", schreiben sie. "Endlich ist er weg."

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Muammar al-Gaddafi: Stationen eines Diktators
Zu den Umständen des Gefechts gibt es bisher nur wenige Details. Offenbar wurde der Despot in Sirt gefasst. Unbestätigten Angaben zufolge wollten Gaddafi und seine Begleiter die Stadt gerade verlassen. Laut Übergangsrat hatten Nato-Truppen den Konvoi des Gesuchten angegriffen. Anderen Angaben zufolge stöberten Aufständische Gaddafi in einem Haus auf.

Al-Arabija zeigte Bilder von dem Ort, an dem die Kämpfer Gaddafi angeblich gefunden hatten. Zu sehen sind zwei große Betonröhren, darüber hat jemand auf eine Betonwand gesprüht: "Dies ist der Platz der verfluchten Ratte Gaddafi - Gott ist groß". Vor den Betonröhren liegen zwei Leichen am Boden.

Das US-Außenministerium teilte mit, es könne eine Festnahme oder den Tod Gaddafis bisher nicht bestätigen. Aus der Nato-Zentrale in Brüssel hieß es, man brauche Zeit, um die Berichte bestätigen zu können. Sicher sei, dass Nato-Flugzeuge am Donnerstagmorgen Militärfahrzeuge der Gaddafi-Truppen angegriffen hätten.

Dieses Bild einer Handykamera soll die erste Aufnahme Gaddafis nach dem Gefecht sein, die Authentizität ist nicht bestätigt
AFP

Dieses Bild einer Handykamera soll die erste Aufnahme Gaddafis nach dem Gefecht sein, die Authentizität ist nicht bestätigt

Informationsminister Mahmud Schamman sagte SPIEGEL ONLINE, seinen Informationen nach sei Gaddafi getötet worden. Gegen 15 Uhr deutscher Zeit plane der Chef des Übergangsrats eine Pressekonferenz, dort sollen Details über das Schicksal Gaddafis mitgeteilt werden.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Kämpfer der Rebellen, der berichtet, Gaddafi habe sich in einem "Loch" versteckt und gerufen "Nicht schießen, nicht schießen". Angeblich trug er eine khakifarbene Uniform und hatte einen Turban auf dem Kopf. Er habe einen goldenen Revolver bei sich getragen, berichtet AFP unter Berufung auf einen Kämpfer. Bei dem Gefecht ist laut einem Vertreter der Übergangsregierung der frühere Verteidigungsminister des Machthabers, Abu Baker Junis Dschabir, getötet worden. Der Sender al-Arabija meldete, in Sirt seien Gaddafis Sohn Mutassim und Abdullah al-Sanussi, ein enger Vertrauter des ehemaligen Machthabers, festgenommen worden.

Gaddafi, der das Land mehr als 40 Jahre regiert hat, soll sich nach übereinstimmenden Berichten bis zuletzt in Sirt aufgehalten haben. Seine Heimatstadt war am Donnerstag von Milizen des Übergangsrats nach wochenlangen Kämpfen erobert worden. Sirt war die letzte Bastion des Widerstands der Gaddafi-Getreuen. Der 69-Jährige hatte immer wieder betont, er werde nicht aus dem Land fliehen, sondern lieber "bis zum Ende" kämpfen.

ffr/yas/mgb/Reuters/AP/dpa/AFP

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