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Libyscher Bürgerkrieg: Übergangsregierung verliert Kontrolle über Tripolis

In Libyens Hauptstadt Tripolis kontrollieren bewaffnete Milizionäre nun auch Staatsgebäude. Ihre Mitarbeiter würden am Zugang gehindert, meldet die Übergangsregierung aus dem Exil. Regierungschef al-Thani soll dennoch ein neues Kabinett bilden.

Milizionäre vor der US-Botschaft: Schwerste Krise seit dem Sturz Gaddafis Zur Großansicht
AFP

Milizionäre vor der US-Botschaft: Schwerste Krise seit dem Sturz Gaddafis

Tobruk - Nach dem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs in Libyen hat die Übergangsregierung des Landes die Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis verloren. "Ministerien und Staatsgebäude sind von bewaffneten Milizionären besetzt, die die Regierungsangestellten am Zutritt hindern", teilte die Regierung am Montag von ihrer Zufluchtsstätte im 1500 Kilometer entfernten Tobruk aus mit.

Die Regierung von Übergangspremier Abdullah al-Thani hatte bereits in der vergangenen Woche beim Parlament ihren Rücktritt eingereicht. Das Parlament, das ebenfalls nach Tobruk wechselte, beauftragte al-Thani nach Angaben der Nachrichtenagentur Lana damit, ein von 30 auf 18 Mitglieder verkleinertes Kabinett zu bilden und sieben Minister als Krisenkabinett zu benennen. Al-Thani teilte mit, die Übergangsregierung stehe in Kontakt mit ihren Vertretern in der Hauptstadt und versuche, "aus der Ferne" die Arbeit aufrechtzuerhalten.

Am Sonntagabend war bekannt geworden, dass Milizionäre auch mehrere Gebäude der leer stehenden US-Botschaft im Süden von Tripolis unter Kontrolle gebracht haben. Vertreter der Miliz Fadschr Libya behaupteten, sie hätten die Kontrolle über die US-Botschaft übernommen, um Plünderungen zu verhindern. Auf Videos war zu sehen, wie jubelnde Männer von einem Balkon aus in den Swimmingpool auf dem Botschaftsgelände sprangen.

Angesichts der zunehmend unsicheren Lage in Tripolis hatte die US-Regierung das Botschaftspersonal bereits Ende Juli abgezogen. Die US-Botschafterin Deborah Jones schrieb jedoch noch am Sonntag auf Twitter, die Botschaft sei "nicht geplündert worden" und werde "bewacht". Jones hält sich derzeit auf Malta auf.

Das alte, von Islamisten dominierte Parlament in Tripolis akzeptiert die Entscheidungen des neuen Abgeordnetenhauses in Tobruk nicht. Dort sind die Islamisten in der Unterzahl. Obwohl Anfang August abgelöst, trafen sich daher die Abgeordneten des alten Parlaments zu neuen Sitzungen. Beide rivalisierenden Parlamente haben eigene Regierungsbildungen in Auftrag gegeben.

Libyen erlebt derzeit seine schwerste Krise seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011. Islamistische Milizen liefern sich in verschiedenen Regionen immer wieder heftige Kämpfe mit Regierungstruppen sowie untereinander.

dab/dpa/AFP

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1. Krise?
t dog 02.09.2014
Das Land befindet sich seit dem Sturz Gaddafis ununterbrochen im Bürgerkrieg. Hauptsache ein russischer Verbündeter weniger. Die Bevölkerung spielt in militärstrategischen Plänen keine Rolle. Siehe auch Somalia und Syrien. Das hier zur Schau gestellte Mitleid ist geheuchelt.
2. Irak, Afghanistan, Libyen ...,
doclocke 02.09.2014
wo auch immer zuletzt der Westen sich in Ländern mit aus seiner Sicht 'kulturellem Nachholbedarf' zu militärischen Engagement verpflichtet gefühlt hat, hinterlässt er stets politisch stabilisierte Regionen. Demokratie wird von nun an gelebt. Es herrscht Frieden und Harmonie, Hoffnung und Freude unter der Bevölkerung. Einen Erfolg nach dem anderen, das ist nicht zu toppen. Da kann der Westen sich durchaus mal stolz und zufrieden zurücklehnen - und weitermachen wie bisher.
3. Libyen geht nun in Flammen auf, ganz wie erwartet
Prinz Eugen 02.09.2014
Als die VSA und ihre Hilfsvölker Anno 2011 Libyen mit dem Mordstahl überzogen, feixten sie ja immerzu etwas von Freiheit, Volksherrschaft und sogenannten Menschenrechten. Doch die Libyer hätten sich besser die alte Warnung Machiavellis zu Herzen genommen: „daß die Menschen gern ihren Herrn verändern, in Hoffnung, daß es besser werden könne, und die Waffen hierauf ergreifen: darin aber irren sie, indem sie bald erfahren, daß es schlimmer wird.“ In Libyen ergriffen nämlich unzählige kleine Tyrannen mit ihren Milizen die Macht und schlagen sich seitdem um den Besitz der Städte und vor allem der Ölfelder. Und nun erheben sogar zwei Parlamente und zwei Regierungen den Anspruch über Libyen zu herrschen und das liebe Ausland hat schon in die Kämpfe eingegriffen. Die Rabenschlacht um den libyschen Ölkadaver dürfte also recht ernsthaft, langwierig und überaus blutig werden. Doch der Verlierer steht schon fest: Das libysche Volk, denn niemals mehr wieder wird Libyen ein wohlhabender Staat sein. Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!
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Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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