Uno-Bericht Staatliche Einheiten unterstützen Menschenschmuggel in Libyen

Die Vereinten Nationen sind alarmiert: Laut einem Uno-Bericht gibt es Hinweise, dass libysche Behörden in das Schlepperwesen involviert sein könnten. Experten warnen vor einem staatlichen Kontrollverlust.

Migrantenkinder in Libyen
REUTERS

Migrantenkinder in Libyen


In Libyen wird der Menschenschmuggel teilweise von staatlichen Einheiten unterstützt. Zu dieser Einschätzung kommen Uno-Experten. In einem Bericht an den Sicherheitsrat in New York werden mehrere Fälle von Flüchtlingen aufgeführt, die von einer zum libyschen Innenministerium gehörenden Einheit festgenommen und an Schlepper übergeben wurden - gegen Bezahlung.

Der Bericht, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag, warnt auch vor einer "möglichen Nutzung staatlicher Einrichtungen und staatlicher Gelder durch bewaffnete Gruppen und Schlepper", die damit ihre Kontrolle über die Flüchtlingsrouten vergrößern würden. So heißt es, die für 24 Auffanglager zuständige libysche Behörde zur Bekämpfung illegaler Migration habe "keine Kontrolle" über diese Lager.

Ein Minister des nordafrikanischen Krisenstaates wird in dem Bericht mit dem Eingeständnis zitiert, dass "die bewaffneten Gruppen im Umgang mit dem Flüchtlingsstrom stärker sind als die Behörden".

Menschenschmuggel nimmt weiter zu

Libyen ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Die Flüchtlinge werden dort häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten. Bei der gefährlichen Überfahrt kommt es immer wieder zu Unglücken mit zahlreichen Toten.

Der Menschenschmuggel in Libyen nehme weiter zu, schreiben die Uno-Experten in ihrem Bericht. Die Folge seien "große Menschenrechtsverletzungen".

Schon länger beklagen Menschenrechtsorganisationen die Situation der Flüchtlinge in Libyen. Ende des vergangenen Jahres sorgten Berichte über Sklavenmärkte für Schlagzeilen: Schmuggler verkaufen auf nächtlichen Märkten afrikanische Migranten als Arbeitssklaven.

Das liegt zum einen an der politischen Lage: Sechs Jahre nach dem Sturz von Langzeitdiktator Muammar al-Gaddafi gibt es noch immer keine funktionierende Zentralregierung, die über ein geeintes Staatswesen herrscht und im gesamten Land die Kontrolle hat. Stattdessen haben rivalisierende Warlords und Milizen, die sich gegenseitig bekriegen, Libyen in verschiedene Herrschaftsgebiete aufgeteilt.

Dem Uno-Bericht zufolge ist zudem die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) weiter in dem Land aktiv, dessen von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung nur Teile des Territoriums kontrolliert. Die IS-Miliz versuche, im Süden Libyens mit "großen Mengen Bargeld" Kontakte aufzubauen, und suche dabei auch die Zusammenarbeit mit Menschenschmugglern.

mho/AFP



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