Nach Angriff auf Konsulat USA planen Vergeltungsschlag in Libyen

Washington wird ungeduldig: Die US-Regierung will die Attentäter des Anschlags auf das Konsulat im libyschen Bengasi fassen. Wie die "New York Times" berichtet, bereiten Spezialeinheiten des US-Militärs eine mögliche Operation vor.

REUTERS

Washington/Bengasi - Gut drei Wochen ist der Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi her, doch noch immer sind die Täter und ihre Hintermänner unbekannt. Jetzt berichtet die "New York Times", dass die USA einen möglichen Vergeltungsschlag vorbereiten. Die Operation von Spezialeinheiten des US-Militärs ziele auf eine Gefangennahme oder die Tötung der mutmaßlichen Täter ab.

Allerdings seien die Vorbereitungen noch in einem sehr frühen Stadium. Es sei bisher keinerlei Entscheidung über eine mögliche Aktion gefallen, meldete die Zeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Derzeit sammelten Spezialeinheiten in Zusammenarbeit mit dem Pentagon und der CIA detaillierte Informationen über Verdächtige.

US-Präsident Barack Obama hatte unmittelbar nach dem Anschlag am 11. September in Libyen versprochen, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Bei dem Angriff waren US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Amerikaner getötet worden.

Mehrere Möglichkeiten für einen Vergeltungsschlag

Die US-Geheimdienste kamen zu dem Urteil, dass es sich um einen Anschlag von Terroristen mit möglichen Verbindungen zu al-Qaida gehandelt habe. Das Konsulat in Bengasi wurde unter anderem mit Raketen beschossen und in Brand gesteckt.

Wie die "New York Times" weiter schreibt, hat Obama bei einer Vergeltungsaktion in Libyen mehrere Optionen: Die USA können zum Beispiel auf Drohnenangriffe und Einsätze von Spezialeinheiten zurückgreifen - wie zum Beispiel bei der Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden im vergangenen Jahr in Pakistan. Denkbar seien auch gemeinsame Operationen mit libyschen Einheiten. Jede Aktion berge aber erhebliche militärische und politische Risiken.

Mögliche Versäumnisse beim Schutz des Konsulats

Zwei Kongressabgeordnete der US-Republikaner warfen Außenministerin Hillary Clinton vor, die Regierung habe mehrfach Bitten um verstärkten Schutz für das Konsulatsgebäude in Bengasi abgelehnt. Angeblich bat die Vertretung vor dem tödlichen Terroranschlag im September mehrfach um bessere Sicherheitsvorkehrungen. Die Abgeordneten setzten für den 10. Oktober eine offizielle Anhörung zu dem Thema an.

US-Außenministerin Hillary Clinton reagierte schriftlich auf die Vorwürfe: Es solle "vollständig und genau" herausgefunden werden, was geschehen sei, "um zu verhindern, dass es sich wiederholt". Die Umstände des Angriffs würden untersucht. Clinton sagte den Angeordneten ihre Zusammenarbeit bei der Aufklärung der Vorwürfe zu.

Allerdings gestalten sich die Ermittlungen des Anschlags in Bengasi schwierig: Die Sicherheitsbehörden der USA und Libyens würden auch drei Wochen nach dem Anschlag bei der Aufklärung noch immer nicht kooperieren, kritisierte das US-Außenministerium. Libyens Präsident Mohammed al-Magharif wies die Vorwürfe zurück: Nach seiner Einschätzung seien die Verzögerungen nicht allein die Schuld der libyschen Regierung.

heb/dpa/AFP

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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
ewspapst 03.10.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSWashington wird ungeduldig: Die US-Regierung will die Attentäter des Anschlags auf das Konsulat im libyschen Bengasi fassen. Wie die "New York Times" berichtet, bereiten Spezialeinheiten des US-Militärs eine mögliche Operation vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/libyen-usa-erwaegen-vergeltungsschlag-nach-angriff-auf-konsulat-a-859283.html
Wir müssen uns wohl an die neuen "westlichen Wertevorstellungen" gewöhnen, in denen den USA in jedem souveränen Staat das Recht eingeräumt wird, ohne Zustimmung der Regierung, dort Militäraktionen zu starten oder dortige Regierungen zu zerschlagen.
robert.haube 03.10.2012
2. Nachtigall, ich hör dir trappsen
Wird etwa ein viel größeres Eingreifen vorbereitet als dargestellt - etwa auch zur "Bereinigung" von Bani Walid? Milizen aus Misurata und anderen Städten haben Bani Walid umstellt, abgeriegelt und drohen mit Einmarsch. Gestern gab es die ersten Kämpfe mit Verletzten, Gefangenen und zerstörten Kampfwagen 25 km nord-östlich von Bani Walid. Auf youtube ist die anschließende Siegesfeier in Bani Walid eingestellt.
udolf 03.10.2012
3.
Zitat von ewspapstWir müssen uns wohl an die neuen "westlichen Wertevorstellungen" gewöhnen, in denen den USA in jedem souveränen Staat das Recht eingeräumt wird, ohne Zustimmung der Regierung, dort Militäraktionen zu starten oder dortige Regierungen zu zerschlagen.
Am Ende steht das man mit der Libyschen Regierung zusammen arbeitet. Immerhin aber ob es mehr ist als zum Schein... Wenn es bei solchen Vergeltungsschlägen tote Zivilisten gibt, dürften die Terrororganisationen sich bestimmt auf Zuwachs freuen. Und dann wundert man sich warum man nicht so beliebt ist.
kabian 03.10.2012
4. Der US-Rechtstaat ist jetzt auch in Lybien angekommen
Schade das das die Begriffe Rechtsstaat und Demokratie so unterhöhlt werden. Was im Irak und Afgahnistan funktioniert, kann natürlich überall auf der Welt funktionieren.
frank_w._abagnale 03.10.2012
5. optional
Waren Geheimoperationen nicht früher geheim...?
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