Neuer Bürgerkrieg USA warnen Verbündete vor Einmischung in Libyen

Hinter den Luftangriffen auf islamistische Milizen in Libyen stecken laut einem Bericht der "New York Times" Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die USA und ihre wichtigsten europäischen Partner verurteilen die "Einmischung von außen".

Rauch über einem früheren Armee-Camp in Tripolis: Kämpfe dauern an
REUTERS

Rauch über einem früheren Armee-Camp in Tripolis: Kämpfe dauern an


Tripolis/Washington - Der Streit konkurrierender Milizen lässt Libyen in einen neuen Bürgerkrieg abrutschen. Das Land droht unregierbar zu werden. Nun haben sich Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate offenbar zusammengeschlossen, um Luftangriffe gegen islamische Milizen in Libyen zu fliegen, wie die "New York Times" unter Berufung auf vier Beamte berichtet. Die US-Zeitung spricht von zwei Angriffen in den vergangenen sieben Tagen. Ziel seien demnach Kämpfer, die versuchten Tripolis unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die USA waren nach Angaben der US-Zeitung von den gemeinsamen Angriffen überrascht gewesen: Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate, beide enge Verbündete und Militärpartner der USA, sollen gehandelt haben, ohne Washington zu informieren oder sich um die Einwilligung der US-Regierung zu bemühen. Ägyptische Beamte hätten die Angriffe US-Diplomaten gegenüber abgestritten.

Zwei Gruppen kämpfen um die Macht in Libyen: Islamisten und Anti-Islamisten. Die einen stehen loyal zur Stadt Zintan, die Milizen der anderen kommen aus der Küstenregion Misrata.

Die USA und die europäischen Verbündeten Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien teilten indes in einem gemeinsamen Statement mit, dass eine Einmischung von außen, die Fronten im Land verschärfen und den demokratischen Wandel verlangsamen könnten. Sie forderten eine Rückkehr auf den Weg des "demokratischen Übergangs". Die "Eskalation der Kämpfe und der Gewalt" werde "mit aller Stärke verurteilt". Alle Konfliktparteien in Libyen müssten einem sofortigen Waffenstillstand zustimmen.

Ein Vertreter der US-Regierung bestätigte laut Nachrichtenagentur AFP zudem Vermutungen, dass die Angriffe von den Vereinigten Arabischen Emiraten geflogen wurden. "Die Emirate haben diese Angriffe geflogen", sagte der US-Vertreter, der anonym bleiben wollte. Die Flugzeuge hätten für ihre Einsätze ägyptische Stützpunkte benutzt.

Libyen kommt seit dem Sturz des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 nicht zur Ruhe. Milizen, die aus den verschiedenen Rebellengruppen während des Bürgerkriegs hervorgegangen sind, prägen die Lage in dem Land. Am Wochenende hatten islamische Milizen nach eigenen Angaben den internationalen Flughafen von Tripolis erobert.Mitte August forderte das Parlament mehrheitlich eine ausländische Militärintervention, um die Zivilisten zu schützen. Wegen der Gewalteskalation haben die meisten internationalen Botschaften ihr Personal aus dem nordafrikanischen Land abgezogen.

kha/Reuters/AFP



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arrache-coeur 26.08.2014
1.
Also das, was die USA und ihre Verbündeten bereits vorher in Libyen und in vielen anderen Ländern getan haben. .. Wenn nun Ägypten nicht mehr ganz nach der US-amerikanischen Pfeife tanzt, wird es dann auch von den "Verbündeten" zum Failed State bombardiert?
kopp 26.08.2014
2. Demokratisierung ist der erste Schritt ins Chaos
'...eine Einmischung von außen, die Fronten im Land verschärfen und den demokratischen Wandel verlangsamen könnten.' ---- Ich kann das Wort Demokratie im Zusammenhang mit Ländern wie Libyen, Irak, Afghanistan ... nicht mehr hören. Hätte man Gadafi in Ruhe gelassen, wären all die heutigen Probleme nicht vorhanden. Das gilt auch für Sadam Hussein und andere geschasste Tyrannen. Wo der Westen sich einmischt, entsteht Chaos.
heiko1977 26.08.2014
3.
Erschreckend wie erneut der Westen sich verhält: In Syrien und der Ukraine kann man sich vor Einmischung einer Bürgerkriegspartei, einmal die Terroristen im anderen die Regierung, nicht schnell genug sein. Jetzt in Lybien, wo man sich vorher durch Luftschläge bereits einmischte, verbietet die USA die Einmischung. Irgendwann sollte sich der "Westen" mal für eine Politik entscheiden, dieses hin und her ist eher abträgig und führt zur Ablehnung. Aber scheinbar aber sich unsere Politiker vollständig verrannt und haben selber keinen Plan mehr geschweigen denn eine Übersicht.
industrialista 26.08.2014
4. Schön,
Dass das mal wieder so prima geklappt hat mit dem schnellen rein und wieder raus im Namen der Demokratisierung. Noch besser, wenn man das Desaster dann einfach sich selber überlässt. Man könnte fast meinen, die westliche Aussenpolitik wäre eine Art Road-Show der Waffenlobby.
noalk 26.08.2014
5. Unverschämt
Da tun sich Ägypten und die VAR zusammen und unternehmen was gegen islamische Milizen, allerdings ohne die USA um Erlaubnis zu fragen. Und letztere beschweren sich jetzt darüber. Und ihre NATO-Partner plappern ihnen gleich nach und verlangen keine Einmischung von außen. Wie bitte? Wer hat denn Libyen destabilisiert? Von außen! Ja, genau, dieselben. Wann kapieren die demokratischen Staaten endlich, dass sich Demokratie in jenen Staaten nicht von heute auf morgen einführen lässt? Der Westen selber hat mehr als 2000 Jahre dafür gebraucht. Die islamischen Staaten werden nicht so viel Zeit benötigen, der IT sei Dank. Aber dauern wird es trotzdem noch.
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