Libyen Verfeindete Milizen liefern sich in Tripolis heftige Gefechte

Es war ein Racheakt: Milizen haben verfeindete Kämpfer in Libyens Hauptstadt angegriffen, weil diese einen Angehörigen ihrer Truppe getötet hatten. Die Kämpfer lieferten sich stundenlange Gefechte - ein Mann starb, mindestens zehn weitere wurden verletzt.

Libysche Milizen: Schwere Kämpfe in Tripolis
AP

Libysche Milizen: Schwere Kämpfe in Tripolis


Tripolis - Die Kämpfe dauerten die ganze Nacht: In Libyens Hauptstadt Tripolis haben sich Mitglieder verfeindeter Milizen heftige Gefechte geliefert. Dabei wurde nach Angaben eines Arztes im Zentralkrankenhaus ein Mann getötet. Mindestens zehn weitere Kämpfer seien verletzt worden.

Bewohner der Hauptstadt berichteten, die Kämpfer hätten mit Maschinengewehren und Flugabwehrgeschützen aufeinander gefeuert.

Auslöser für die Kämpfe war laut lokaler Medien ein Streit zwischen einem Milizionär aus der Stadt Misrata und lokalen Milizen an einer Straßensperre. Ein Angehöriger der Miliz aus Suk al-Dschumaa, einem Viertel von Tripolis, hatte am Dienstag auf den Mann aus Misrata geschossen, als sich dieser einer Durchsuchung seines Fahrzeugs widersetzte. Zwei Tage später starb der Mann aus Misrata an den Folgen seiner Verletzungen. Seine Mitstreiter fuhren daraufhin am Donnerstag nach Tripolis, um Rache zu nehmen.

Am Freitagmorgen kehrte nach der Einschaltung von Vermittlern wieder Ruhe ein. Die Kämpfe wurden beendet.

Der Übergangsregierung von Ministerpräsident Ali Seidan ist es bisher nicht gelungen, alle Milizen zu entwaffnen oder in die staatlichen Sicherheitskräfte zu integrieren. Die Milizen hatten sich 2011 beim Aufstand gegen Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi gebildet.

Vor einem Monat war Seidan selbst für einige Stunden von bewaffneten Ex-Revolutionären verschleppt worden. In den vergangenen Tagen hatten zwei weibliche Parlamentsabgeordnete berichtet, Milizionäre hätten sie und andere Abgeordnete bedroht, um sie dazu zu zwingen, bei anstehenden Entscheidungen in ihrem Sinne abzustimmen.

heb/dpa/AFP

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topodoro 08.11.2013
1. Aber wen hat die NATO denn da an die Macht gebombt ?
Was ist denn da los ? Da sollte doch Milch und Honig fliessen, wenn der böse Gadafi getötet ist ? Was sagt denn die gute, kam-sah-und siegte, Frau Clinton dazu ? Und war nicht auch Westerwelle ein "Freund Libyens" ?
rigo-de-hain 08.11.2013
2. Frage:
Wer ist jetzt da unten für die Öllieferung zuständig? Freunde der Amerikaner? Läuft das denn? Wäre ja wenigsten was ;)
carahyba 08.11.2013
3. Formal ist die NOC zuständig ...
Zitat von rigo-de-hainWer ist jetzt da unten für die Öllieferung zuständig? Freunde der Amerikaner? Läuft das denn? Wäre ja wenigsten was ;)
Formal ist die NOC (National Oil Company) zuständig. Die ist gesäubert worden und nun sitzen Islamisten dort die von nix eine Ahnung haben. Aber sie haben ihr Ziel erreicht, die Futtertröge zu besetzen. Für den Senoussi-Orden war das religiöse Mäntelchen schon seit jeher die beste Camouflage um Geschäfte zu machen. Im Grunde war und ist der Senoussi-Orden eine Händlervereinigung im religiösen Gewande. Seit dem die um die Macht kämpfen laüft da nicht mehr viel. Diese Islambrüder aus der Cyreneika, die Senoussis (nein, keine Zigarettenmarke), kämpfen um die Vormacht und die Pfründe mit den Menschenhändlern aus Misurata. Die Tradition des Menschenhandels ist in Misurata Jahrhunderte alt, früher agierten sie als Piraten im Mittelmeer und versklavten die gefangen genommenen Reisenden und Seeleute, heute sind es die afrikanischen Flüchtlinge. Ansonsten blüht die Korruption sonst nichts. Dieses Ergebniss war vorhersehbar und leider sind die Vorhersagen eingetroffen. Das Land ist mittlerweile in unzählige Kantone aufgesplittert und die einzelnen Gruppen wachen über ihre territorialen Rechte. Auch dieses wurde vorhergesagt. Diejenigen, die hier die humanitären Interventionisten eloquent und mit "Rechtsgutachten" unterstützt haben, zweifellos Völkerrechtler, die meiner Meinung nach hier als Lohnschreiber auftraten, sind nun verstummt. Mission accomplished.
Freewolfgang 08.11.2013
4. I have a dream
Zitat von sysopAPEs war ein Racheakt: Milizen haben verfeindete Kämpfer in Libyens Hauptstadt angegriffen, weil diese einen Angehörigen ihrer Truppe getötet hatten. Die Kämpfer lieferten sich stundenlange Gefechte - ein Mann starb, mindestens zehn weitere wurden verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/libyen-verfeindete-milizen-liefern-sich-in-tripolis-heftige-gefechte-a-932556.html
Ich hoffe inständig, dass der "Westen" aus dieser Entwicklung endlich lernt und versteht, dass es besser ist, sich in lokalen Konflikten weder für die eine noch für die andere Seite zu engagieren - außer im humanitären Bereich.
Hape1 08.11.2013
5. ...
Zitat von FreewolfgangIch hoffe inständig, dass der "Westen" aus dieser Entwicklung endlich lernt und versteht, dass es besser ist, sich in lokalen Konflikten weder für die eine noch für die andere Seite zu engagieren - außer im humanitären Bereich.
Wieso? Das war doch das Ziel. Ein Land, welches seine Bodenschätze der eigenen Bevölkerung zu Gute kommen lässt, anstatt "internationalen Konzernen" gehört nun mal in`s Chaos gebombt...... dieses hätte ja "Schule machen können".
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