Libyscher Geheimdienst Gaddafi ließ Rebellen-Chefs ausspionieren

Brisanter Fund in Libyen: Im Geheimdienst-Hauptquartier haben Mitarbeiter des arabischen TV-Senders Al-Dschasira Hinweise entdeckt, dass Gaddafi-Agenten die Rebellen-Bewegung infiltriert hatten. Die Spione verrieten Waffenlager und schlugen Attentate auf wichtige Aufständische vor.

Von Yassin Musharbash

Abdallah Sannoussi: Chef von Gaddafis Geheimdienst
REUTERS

Abdallah Sannoussi: Chef von Gaddafis Geheimdienst


Berlin - Ein Schreibtisch, darauf wackelige Stapel Unterlagen: Als die Agenten des libyschen Geheimdienstes ihr Hauptquartier verließen, hatten sie offenbar keine Zeit mehr, korrumpierendes Material zu vernichten. Ein TV-Team des arabischen Senders al-Dschasira hat das Gebäude besichtigt und sich durch die Dokumente gewühlt. Dabei stießen sie auf brisante Details.

Diesen Funden zufolge hatte Libyens gestürzter und mittlerweile untergetauchter Diktator Muammar al-Gaddafi seine Spione die Rebellen infiltrieren lassen - offenbar mit Erfolg. Die Reporter fanden einen verschlossenen Umschlag. Inhalt: Ein Briefing aus der Rebellenführung. Das Dokument war mutmaßlich für Gaddafis Geheimdienstchef Abdallah Sannoussi bestimmt. "Ich genieße jetzt das volle Vertrauen der Führer des Übergangsrates in Bengasi und Tunesien", lässt der Maulwurf in dem Schreiben seine Auftraggeber wissen.

Dem Sender zufolge lieferte der Mann, dessen Name nicht genannt wird, detaillierte Skizzen über Waffenlager der Rebellen. Er beschrieb die Fahrzeuge, die einzelne Kommandeure fuhren, und hinterbrachte dem Regime alle Namen, die er in Erfahrung bringen konnte. Er machte Vorschläge für eine Liste von Personen, die mit Hilfe von Attentaten aus dem Weg geräumt werden sollten. Schließlich verriet er angebliche Details über Waffenschmuggel der Rebellen aus den Flüchtlingslagern in Tunesien heraus, die tunesische Armee und die Staatsführung von Katar seien eingeweiht.

Ein weißer BMW als Lohn

Als Lohn erhoffte sich der Spion eine "außergewöhnliche" Summe Geld, einen (vorzugsweise weißen) BMW sowie ein Thuraya-Satellitentelefon.

Andere Dokumente zeigen laut al-Dschasira, dass Gaddafis Geheimdienst-Schergen auch in der Lage waren, E-Mails der Rebellenführung abzufangen. Libysche Botschaften hätten zudem bis zuletzt libysche Oppositionelle im Ausland ausspioniert und zum Beispiel vorgeschlagen, diese entführen zu lassen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der britische "Guardian" Dokumente im Bab-al-Asisija-Komplex in Tripolis eingesehen, in dem Gaddafis Hauptquartier lag. Darunter war laut der Zeitung auch die Kopie eines Briefs von US-Senator John McCain an Rebellenführer Mahmud Dschibril. Dahinter könnte ebenfalls die Arbeit eines Spions gestanden haben.

Umfassend scheint Gaddafis Spitzelnetzwerk dennoch nicht gewesen zu sein: Der Sturm auf Tripolis, so der Dschasira-Korrespondent, sei offenbar für das Regime nicht vorhersehbar gewesen.

Gaddafi verhandelte angeblich mit Israel

Die arabische Zeitung "Schark al-Awsat" berichtet überdies, Gaddafi habe sich noch mit Hilfe Israels retten wollen. Der Diktator habe Frieden und die Befreiung des von der Hamas in den Gaza-Streifen verschleppten Soldaten Gilad Schalit versprochen, wenn Israel die Nato zu einem Ende der Luftangriffe bewege. Das Blatt berief sich am Freitag auf den israelischen Regierungspolitiker Ajub Kara, Vizeminister für die Entwicklung der Wüste Negev.

Gaddafis Sohn Saif al-Islam habe einem Unterhändler erklärt, das libysche Regime habe gute Beziehungen zur Hamas-Führung und könne diese überzeugen, Schalit freizulassen, sagte Kara der Zeitung. Der Gaddafi-Sohn habe sich bereiterklärt, zusammen mit Schalit die Knesset zu besuchen. Israel habe ein schriftliches Dokument über diesen Vorschlag verlangt, dann aber die Kontakte abgebrochen, weil sich die Lage in Libyen weiter verschlechtert habe.

mit Material von dpa



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
isp 02.09.2011
1. Schau mal einer an
---Zitat von aus dem Artikel--- Dem Sender zufolge lieferte der Mann.. detaillierte Skizzen über Waffenlager der Rebellen. ... Schließlich verriet er angebliche Details über Waffenschmuggel der Rebellen aus den Flüchtlingslagern in Tunesien heraus, die tunesische Armee und die Staatsführung von Katar seien eingeweiht. ---Zitatende--- Schau mal einer an, die Rebellen. Alles friedliche Zivilisten. Mit Waffenlagern.
toyotapur 02.09.2011
2. Mit was denn sonst?
Zitat von ispSchau mal einer an, die Rebellen. Alles friedliche Zivilisten. Mit Waffenlagern.
Oder glauben Sie, dass die Rebellen mit Wattebäuschchen werfen, das Terrorregime Gaddafis in die Knie zwingen konnte!
helgeDerWeise 02.09.2011
3. Er ist wohl ziemlich am Ende
Ziemlich armselig Israel um Hilfe anzubetteln... Und zum Rest des Artikels: Naja was ist daran jetzt so aufregend? War doch zu erwarten so etwas, oder habe ich was verpasst?
PeterBitterli 02.09.2011
4. Wow!
"Im Geheimdienst-Hauptquartier haben Mitarbeiter des arabischen TV-Senders Al-Dschasira Hinweise entdeckt, dass Gaddafi-Agenten die Rebellen-Bewegung infiltriert hatten." Hätt ich jetzt echt nie gedacht!
sirraucheinviel 02.09.2011
5. Titel
Zitat von toyotapurOder glauben Sie, dass die Rebellen mit Wattebäuschchen werfen, das Terrorregime Gaddafis in die Knie zwingen konnte!
Zeigt aber zumindest, daß die rein gar nix mit friedlichen Demonstraten zu tun haben. Schön daß Sie das auch so sehen. Denken Sie nur dran, wenn Sie das nächste Mal schwerbewaffnete Paramilitärs bewerten ....
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