Lieferung von Raketensystem: Russland will Assads Flugabwehr stärken

Russische S-300-Luftabwehr (Moskau, April 2012): Begehrtes System Zur Großansicht
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Russische S-300-Luftabwehr (Moskau, April 2012): Begehrtes System

Moskau plant offenbar den Verkauf eines modernen Luftabwehrsystems an das Regime in Syrien. Mit der S-300-Anlage könnten die Assad-Soldaten auch eine westliche Luftintervention effektiv kontern. Wann die Raketen geliefert werden sollen, ist noch offen.

Damaskus/Moskau - Offiziell bemühen sich die USA und Russland derzeit um die Organisation einer neuen Konferenz über eine diplomatische Lösung des Dauerkonflikts in Syrien. Doch wenn die Informationen des "Wall Street Journal" zutreffen, könnte Moskau dazu beitragen, dass sich die Krise in dem Bürgerkriegsland verschärft. Russland plane den Verkauf eines modernen Flugabwehrsystems an Syrien, berichtet das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf Informationen aus Israel. Die Regierung in Jerusalem habe die USA über den bevorstehenden Schritt informiert.

Wie die israelische Zeitung "Haaretz" berichtet, leistet Syrien bereits seit dem Jahr 2010 Zahlungen für insgesamt sechs Luftabwehrsysteme und 144 Raketen. Auch in diesem Jahr soll Geld über eine russische Bank geflossen sein. Der Deal soll demnach ein Gesamtvolumen von umgerechnet 900 Millionen US-Dollar haben.

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad bemüht sich seit Jahren um den Kauf des russischen S-300-Raketensystems, das sich sowohl zur Bekämpfung von feindlichen Flugzeugen als auch von ballistischen Raketen einsetzen lässt. Ein solches Abwehrsystem könnte im Fall einer internationalen Intervention in Syrien auch gegen ausländische Kampfflugzeuge zum Einsatz kommen.

Die syrische Luftabwehr gilt schon jetzt als gut ausgerüstet. Trotzdem gelang es israelischen Kampfjets in der jüngsten Vergangenheit immer wieder, Ziele in Syrien anzugreifen. Zuletzt traf eine solche Attacke am vergangenen Wochenende einen Waffentransport aus Syrien an die libanesische Hisbollah-Miliz. Mit dem S-300-System wäre die Luftabwehr des Assad-Regimes in der Lage, noch schneller auf Aktivitäten in seinem Luftraum zu reagieren.

Wann die Raketensysteme an Syrien geliefert werden könnten, ist unklar. Beim Kauf solch ausgefeilter Waffentechnologie können zwischen Bestellung und Auslieferung Jahre liegen. "Haaretz" berichtet jedoch ohne Nennung einer Quelle, dass schon in den kommenden drei Monaten eine erste Lieferung in Syrien eintreffen könnte.

Westliche Staaten haben Russland wiederholt und in scharfer Form gedrängt, die Lieferung zu unterlassen. Ein Verkauf war auch an das Regime in Iran geplant gewesen. Die massiven Proteste aus den USA und Israel hatten diesen Deal jedoch platzen lassen.

Russland ist einer der letzten Unterstützer Assads. Die EU hat ein Waffenembargo gegen Syrien verhängt. Es gibt aber Stimmen in der EU, die eine Lockerung zugunsten der Rebellen fordern. Deutschland lehnt dies angesichts der unübersichtlichen Lage in Syrien ab, wo sich der Konflikt zwischen Regierungseinheiten und Rebellen längst zu einem Bürgerkrieg ausgewachsen hat.

Chance auf Frieden durch internationale Konferenz?

Bevor der mögliche Waffendeal bekannt wurde, hatte Russland eigentlich seine Bemühungen für ein friedliches Ende des Konflikts betont. Zusammen mit den USA wollte Moskau den Bürgerkrieg mit Hilfe einer internationalen Konferenz beilegen. Das Treffen sollte möglichst noch im Mai stattfinden und Vertreter der syrischen Regierung sowie der Opposition an einen Tisch bringen, sagte US-Außenminister John Kerry am Dienstag nach Gesprächen in Moskau.

Der Uno-Sondergesandte Lakhdar Brahimi hatte die Vereinbarung als "erste gute Nachricht seit sehr langer Zeit" bezeichnet. Wie groß die Chance auf eine tatsächliche Wende in dem Dauerkonflikt ist, bleibt jedoch fraglich.

Der Krieg des Regimes von Diktator Assad gegen die eigene Bevölkerung tobt seit mehr als zwei Jahren und hat nach Uno-Schätzungen bis zu 80.000 Menschen das Leben gekostet. Mehr als acht Millionen Syrer sind laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

jok/Reuters

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insgesamt 354 Beiträge
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1. Verschärfung der Krise
Stawrogin aus Berlin 09.05.2013
"...könnte Moskau dazu beitragen, dass sich die Krise in dem Bürgerkriegsland verschärft..." Wie kann die Lieferung reiner Defensivwaffen, die weder zur Aufstandsbekämpfung noch zu einem Angriff auf Nachbarstaaten verwendet werden können, die Krise im Nahen Osten verschärfen?
2. Kurze Bestandsaufnahme
coyote38 09.05.2013
Die NATO und der "Westen" haben gegenüber Russland so ziemlich JEDE Zusage gebrochen; angefangen bei den Versicherungen des "2 4"-Vertrages, über die NATO-Osterweiterung, die russische Position auf dem Balkan ... oder ganz "am Ende" die seit JAHREN avisierte Zusammenarbeit bei einem Raketenabwehrsystem. Syrien ist für Russland die LETZTE Bastion ... und die wird Russland halten. Da wird auch das zwangsläufig folgende Genöhle aus Washington und Bonn nichts dran ändern.
3.
Sphynx25 09.05.2013
Die Frage die sich stellt ist, wie organisiert und kampfbereit ist die syrische Flugabwehr im Moment noch. Die Pantsir für die Nahbereichsbekämpfung ist brandgefährlich - das konnten die Türken bereits erfahren, wenn sie jetzt noch die S-300 bekommen und lernen die effektiv einzusetzen, dann wird es definitiv eine Flugverbotszone über Syrien geben - allerdings nicht für syrische. sondern für alliierte Flugzeuge!
4. Richtige Antwort!
fixenbaas 09.05.2013
Zitat von sysopMoskau plant offenbar den Verkauf eines modernen Luftabwehrsystems an das Regime in Syrien. Mit der S-300-Anlage könnten die Assad-Soldaten auch eine westliche Luftintervention effektiv kontern. Wann die Raketen geliefert werden sollen, ist noch offen. Lieferung von Raketensystem: Russland soll Assads Flugabwehr stärken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/lieferung-von-raketensystem-russland-soll-assads-flugabwehr-staerken-a-898913.html)
Von ganzem Herzen wünsche ich mir eine ähnliche Reaktion Chinas. An Vergeltungsschlägen, dauerhaften Krisen und kontrollierbaren kriegerischrn Auseinandersetzungen interessierte geschäftstüchtige Kreise in einigen "westlichen" Staaten verstehen offenbar nur diese eine Sprache: das Gleichgewicht des Schreckens. Mit Sicherheit nicht die beste, wirklich dauerhaft friedliche Lösung für die Menschen. Aber immer noch eindeutig besser als die ständige Verletzung des Völkerrechts, was letztlich nur zum Recht des Stärkeren führt.
5. Was befürchtet die Aggressorenkoalition ?
Torkemada 09.05.2013
Israel und die USA kriegerisch vereint mit Saudi-Arabien sowie Katar kämpfen mittels islamistischer Terroristen gegen das harte Diktatorenregime Assads. Die Bevölkerung Syriens steht nicht gerade auf der Seite Assads und dessen korrupten Clan, aber die "Aktivisten": religiös-islamistische Fanatiker, Terroristen und fast immer gleichzeitig Räuber, Vergewaltiger und Mörder sind, fürchtet und hasst sie. Darum gewinnen die „Rebellen“ auch trotz massiver Unterstützung von Aussen nicht. Deswegen greift nun auch die Luftwaffe Israels in die Kämpfe auf Seiten der Islamisten ein. Ziel ist ein destabilisiertes machtloses in Anarchie versunkenes Syrien. Nicht zuletzt um den schiitischen Iran anzugreifen, der nach Atomwaffen strebt, woraus sich auch das gemeinsame Interesse der sunnitischen Saudis und Katar sowie Israel und den USA herrührt. Da wären wirkungsvolle Flugabwehrraketen für Syrien natürlich die Höchststrafe für die Alliierten.
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