Flüchtlinge an Bord Auch Spanien weist Rettungsschiff "Lifeline" ab

Helfer warnen vor einer lebensgefährlichen Situation: Seit Tagen wartet das Flüchtlingsrettungsschiff "Lifeline" mit 230 Menschen an Bord auf Unterstützung. Jetzt hat ein weiteres Land Hilfe abgelehnt.

Lifeline
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Für die etwa 230 Migranten an Bord des deutschen Rettungsschiffs "Lifeline" wird die Lage immer bedenklicher. Auch Spanien hat der Dresdner Organisation Mission Lifeline am Montag untersagt, in einen Hafen des Landes einzufahren. Zudem droht auf dem Mittelmeer schlechtes Wetter.

Die Situation könnte so für die deutsche Besatzung und für die Flüchtlinge lebensgefährlich werden, sagte der Grünen-Parlamentarier Manuel Sarrazin nach einem Besuch auf dem Schiff. "Wenn das Wetter schlecht ist, haben wir eine Seenotsituation."

Die "Lifeline" hatte am Donnerstag die in Seenot geratenen Migranten aufgenommen und befindet sich immer noch in der Nähe von Malta in Warteposition. Malta fühlt sich nicht zuständig. In Italien will die neue populistische Regierung private Hilfsorganisationen überhaupt nicht mehr unterstützen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini bekräftigte am Montag abermals, die "Lifeline" nicht aufnehmen zu wollen. Die Hilfsorganisationen seien "bewusst oder unbewusst Komplizen" der Schlepper.

"Konkrete Gefahr"

"Es besteht konkrete Gefahr auch für deutsche Staatsbürger", sagte Sarrazin. Nach seinen Angaben sind 17 deutsche Besatzungsmitglieder an Bord. "Die Menschen sitzen dicht gedrängt an Bord." Der Kapitän habe seit Tagen keine Anweisungen mehr erhalten, auch nicht aus Ländern wie Libyen, wo die Migranten abgelegt hatten. Mit der Verzögerungstaktik riskiere man, dass die Lage "eskaliert".

Die Bundesregierung müsse sich für die Menschen einsetzen, sagte die Grünen-Abgeordnete, Luise Amtsberg, die ebenfalls auf der "Lifeline" war. Es dürfe nicht sein, dass der politische Streit in der EU, aber auch zwischen CDU und CSU in Deutschland dazu führe, dass Menschen in Lebensgefahr gerieten.

Alle Rufe nach Solidarität blieben bisher ungehört. Spanien will nicht dem Beispiel im Fall der "Aquarius" folgen. Das zivile Rettungsschiff durfte nach Tagen der Unsicherheit nach Valencia fahren. Zwar wolle das Land ein humanitäres Gesicht zeigen, sagte der Minister für öffentliche Arbeiten, José Luis Ábalos, dem spanischen Radiosender Cadena Ser. "Aber es ist eine andere Sache, jetzt zur maritimen Rettungsorganisation für ganz Europa zu werden."

Weitere Schiffe warten

Auch das dänische Containerschiff "Alexander Maersk" mit rund 110 Migranten an Bord wartet seit Freitag auf die Anweisung, in einen Hafen einzufahren. Ein Sprecher der Reederei sagte dem Dänischen Rundfunk, die Situation an Bord sei unhaltbar. "Das Schiff ist einfach nicht für so viele Menschen ausgelegt", so der Technische Chef von Maersk Line, Palle Laursen. Die 25-Mann-Besatzung sei nicht in der Lage, sich um mehr als 100 Menschen zu kümmern. "Diese Situation erfordert eine Lösung in Minuten und Stunden, nicht in Tagen."

Viele Migranten aus ganz Afrika wollen die Lager in Libyen verlassen, da sie dort Folter, Versklavung und Misshandlungen ausgesetzt sind. Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini setzte sich aber auch am Montag bei seinem ersten Besuch in Libyen dafür ein, dass die Flüchtlinge auf dem Meer in das Bürgerkriegsland zurückgebracht werden - beziehungsweise erst gar nicht nach Libyen hineinkommen.

Tunesien ist für die Retter als Hafen keine Option, da sie das Land nicht als sicher ansehen. Die dortige Regierung lehnt es zudem ab, Flüchtlinge aufzunehmen. So hatte Ministerpräsident Youssef Chahed es im vergangenen Jahr auch abgelehnt, ein Auffanglager einzurichten. Flüchtlingslager könnten die Stabilität des Landes gefährden, hieß es damals. Außerdem streben selbst viele Tunesier wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in Richtung Italien.

kev/dpa



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