Seenotrettung Bayerische SPD ehrt "Lifeline"-Kapitän mit Europapreis

In Malta ist er angeklagt, in München wird er ausgezeichnet: Claus-Peter Reisch, Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline", soll den Europapreis der SPD in Bayern bekommen.

Reisch (r.) bei seiner Ankunft in München
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Reisch (r.) bei seiner Ankunft in München


Keine zwei Wochen bleiben ihm in Deutschland, dann muss Claus-Peter Reisch wieder zurück sein in Malta, wo ihm nach einer Rettungsaktion für Flüchtlinge vor der libyschen Küste der Prozess gemacht wird. Wenige Tage vor seiner Abreise, am 27. Juli, wird er aber noch eine Ehrung entgegen nehmen: Die SPD im bayerischen Landtag zeichnet den Kapitän des Flüchtlingshilfsschiffs "Lifeline" mit ihrem Europapreis aus, der mit 2500 Euro dotiert ist.

Die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen erklärte, der Schutz der Menschenwürde sei das oberste Ziel der Europäischen Union; immer häufiger werde dieses Prinzip in Europa aber von Politikern mit den Füßen getreten. "Mutige Menschen wie Claus-Peter Reisch halten die Werte am Leben, für die unsere Gemeinschaft steht." Reisch mache dies nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. "Deshalb ist er ein großer Europäer."

Der Preis werde zum ersten Mal vergeben, sagte ein Sprecher der Landtagsfraktion. "Den haben wir in diesem Jahr ins Leben gerufen." Er solle auch in den kommenden Jahren wieder verliehen werden.

Die "Lifeline" hatte im Juni 234 Flüchtlinge vor der libyschen Küste gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta zunächst ein Anlegen verweigerten. Schließlich durfte das Schiff in Malta anlegen, wurde aber von den Behörden beschlagnahmt.

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Reisch ist momentan wieder in Deutschland, er landete am Montag am Münchner Flughafen. Allerdings muss er am 30. Juli wieder zurück in Malta sein. Den Flüchtlingshelfern wird vorgeworfen, sie hätten sich bei der Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer behördlichen Anweisungen aus Italien widersetzt.

Tatsächlich wurde die "Lifeline" aufgefordert, Gerettete an die libysche Küstenwache zu übergeben. Dem muss eine Crew aber nicht nachkommen, wenn den Geretteten dort Gefahr droht, was auch schon ein italienisches Gericht so bewertet hat. Außerdem geht es um die Frage, wie die "Lifeline", deren Heimathafen auf Malta ist, in den Niederlanden registriert wurde. (Lesen Sie bei SPIEGEL PLUS: Haben die deutschen Retter Recht gebrochen?)

vks/AFP

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