Gegen Kaution "Lifeline"-Kapitän wieder auf freiem Fuß

"Unsere Mission hat 234 Menschen gerettet, und ich bin mir keiner Schuld bewusst": Der deutsche Kapitän der "Lifeline" steht in Malta vor Gericht. Er soll das Rettungsschiff nicht ordentlich registriert haben.

Kapitän Claus-Peter Reisch (Mitte)
AP

Kapitän Claus-Peter Reisch (Mitte)


Er darf Malta nicht verlassen und musste seinen Pass abgeben - doch ins Gefängnis muss Claus-Peter Reisch vorläufig nicht. Nach der Entscheidung eines Gerichts ist der Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline" gegen eine Kaution von 10.000 Euro auf freien Fuß gesetzt worden. Die Verhandlung soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Reisch wies die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen vor Gericht zurück. "Unsere Mission hat 234 Menschen gerettet, und ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagte Reisch laut einer Mitteilung seiner Organisation Mission Lifeline (mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier). Darin wirft er der EU vor, das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer aus politischen Gründen in Kauf zu nehmen.

Die "Lifeline" hatte Migranten vor Libyen gerettet und war danach fast eine Woche auf hoher See blockiert, bis sie Valletta anlaufen durfte. Malta wirft der Dresdner Organisation Mission Lifeline vor, das Schiff sei nicht ordentlich registriert gewesen. Zudem habe der Kapitän die Anweisungen italienischer Behörden ignoriert, die Rettung der libyschen Küstenwache zu überlassen.

Zudem hieß es vor Gericht am Montag, Reisch habe nur eine Lizenz, die es ihm erlaube, Schiffe in Küstengewässern innerhalb eines Bereichs von 30 Seemeilen zu steuern. Die Polizei betonte, die Vorwürfe gegen den Kapitän stünden nicht in Zusammenhang mit Menschenschmuggel.

Malta hat unterdessen seine Häfen für andere Rettungsschiffe geschlossen und blockiert damit auch das Auslaufen der "Sea Watch 3", dem Boot einer anderen deutschen Organisation.

Reischs Rechtsberater Neil Falzon sagte nach der Anhörung, es sei ein ernstes Problem, wenn die Politik humanitäre Fragen beeinflusse und Hilfsorganisationen in der Folge zum Ziel würden. Aktivisten protestierten vor dem Gerichtsgebäude.

vks/dpa



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